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- Altpapier: Nachrichten auf einen Blick.

Altpapier vom Freitag - A, B oder C?

Veröffentlicht: 20 November 2009 09:08
Verändert : 20 November 2009 09:54

Rundumschläge, Abrechnungen und brennende Buden: Das Altpapier wagt den Vergleich. Und zu gewinnen gibt es bei diesem Quiz natürlich nichts außer alten Erkenntnissen.

Vielleicht haben Sie es ja mitbekommen: Es wird gerade viel geredet über Nullen und Einsen, über Verkaufsquoten, Qualitätssicherung, journalistischen Reifendruck und Gebraucht-Artikel. Aber machen wir doch einfach den Vergleich. Man nehme: drei explizit unterschiedliche, sich selbst auf je ganz eigene Weise als kritisch begreifende Medien, hier als A, B und C anonymisiert. Und als Basis-Zutat: Ulrich Wickerts zuerst in der FAZ erschienene Kritik an den öffentlich-rechtlichen Nachrichtensendungen.

Da hätten wir einmal die jeweiligen Überschriften:
A: "'Sprachliche Verlotterung' in Nachrichtensendungen"
B: "ARD-Star Wickert rechnet mit ARD und ZDF ab"
C: "ARD-Aktuell offenbar in Schockstarre nach Wickert-Text"

Dann je einen typischen Satz:
A: "Drei Jahre nach seinem Rücktritt bei der ARD-Sendung holt Ulrich Wickert (66) zum Rundumschlag aus."
B: "Einmal in Fahrt, kann sich das langjährige ARD-Idol kaum mehr halten."
C: "Wickert hat nichts weniger getan, als ihre Bude in Brand zu schießen."

Und die jeweilige Konklusio:
A: "Bislang habe Wickert sich mit Kritik zurückgehalten, weil er 'nicht als Besserwisser mit erhobenen Zeigefinger wirken' wolle".
B: "Und jetzt: das Wetter."
C: "Es gibt offenbar eine Sache, die man im System ARD lieber nicht tun sollte: Einen Fehler eingestehen, Schwäche zeigen."

Sie kommen nicht drauf? Aber diese eine gewisse Belanglosigkeit ausstellende Ironie bei B ist doch auffällig? Na gut, noch ein Tipp: In Artikel C lautet die zentrale These (dieser Text hat immerhin eine): "Es knirscht nicht nur bei der Qualität, es fehlt vor allem auch an einer Kultur, sich der öffentlichen Diskussion zu stellen." Klar: Das ist der Carta-Sinn und -Sound.

Das Problem ist nur: Dazu müsste es die öffentliche Diskussion erst einmal geben. Die ist aber – na sowas – leider nirgends zu entdecken. Die wird eben lieber gefordert statt geführt; da wird eben lieber drüber geredet, als etwas dazu gesagt. Sonst würde man ja am Ende noch selbst angreifbar werden wegen der eigenen Fehler und Floskeln bzw. des "groben Meersalzes zwischen kurzen Sätzen" (Wickert).

Schon wünschte man sich beinahe noch das Leistungsschutzrecht herbei. Dann würde wenigstens die FAZ ein paar Groschen daran verdienen, dass sich alle gerade an ihren Inhalten gütlich tun. Dafür, dass sie mittels des Umwegs über Wickert die Sprachlosigkeit des Medienjournalismus eindrucksvoll ans Tageslicht befördert hat, hätte sie es sogar fast verdient. Und Wickert seufzte dazu dann leise "q.e.d.".

Nun sind wir natürlich noch die A- und B-Auflösung schuldig, und zwar hier an dieser Stelle, da es absolut nichts zu gewinnen gibt und deshalb alles wie immer sofort verraten wird. Die A-Zitate wurden also ohne freundliche Genehmigung und andere Abgaben dem Portal bild.de entnommen, die B-Zitate wiederum erschienen inklusive ausführlichster Zusammenfassung des Wickert-Textes gestern um 9.37 Uhr auf sueddeutsche.de – eine in diesen sog. schnellen Zeiten ganz schön lange Zeit also, bevor die FAZ diesen ihren womöglich teuerst bezahlten Text zum Kostenlos-Lesen online stellte.

Mehr über das Leistungsschutzrecht gibt es heute übrigens bei Carta. Während die dort herbei geschriebene "Schockstarre" bereits gestern um 23.31 Uhr mit der "Post von Uli" endete. Ohne dass Carta bislang (9.00 Uhr) darauf reagiert hätte. Oder besser gesagt: Carta in Schockstarre nach Gniffke-Text.

© Altpapier/Katrin Schuster

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+++ Kein Kommentar ist auch ein Kommentar: "Das Argument, dass Privates berichtet werden darf, wenn es politische Folgen hat, ist eine Krücke, deren Stabilität davon abhängt, wie stark man sich darauf stützt. Letztlich liegt die Entscheidung beim Journalisten. Es ist seine Freiheit. Und seine Verantwortung. Wer zu dem Ergebnis kommt, Privates sei politisch relevant, muss darüber berichten - sich dann aber auch kritisieren lassen. Das fällt ausgerechnet Journalisten manchmal schwerer, als selbst zu kritisieren." (SZ, S.4; siehe auch das Altpapier von gestern) +++ Auch eine Neuigkeit, die wir so noch nicht wussten: Offenbar sehen Menschen erst in Farbe, seit es Farbfilme gibt. Anders lässt sich jedenfalls nicht erklären, dass die FAZ (S.37) nachträglich koloriertes Material ("falsche Farbe" heißt das dann) weniger authentisch und folglich unglaubwürdiger findet als schwarz-weißes. Das nennt man mal Fernsehkritiker ... +++ Die SZ (S.15) sorgt sich um den schönheitsoperierten Sender Sat.1. Wobei der Versuch einer Lösung in Sicht scheint: "Bei Pro Sieben Sat 1, das ist nun zu hören, wird über eine sofortige Sendeplatzverschiebung diskutiert. Angeblich geht es um den Donnerstagabend, 22.15 Uhr, ganz nach dem Vorbild von Stern TV, das mittwochs zur selben Zeit mit Günther Jauch bei RTL zu sehen ist." nun offenbar erfolgt ist (Meedia)+++ 0,1 Prozent: Das ist die Quote von ZDFneo. Joachim Huber weiß, um wen es sich dabei handelt: "Wahre Intensivgucker von ZDFneo sind die Mitglieder vom Verband Privater Rundfunk und Telemedien (VPRT), Sektion Fernsehen." Die FAZ (S.37) wird deutlicher: "In Berlin trafen sich Mitglieder des Privatsenderverbandes VPRT, um zu bejammern, wie ungerecht sie sich von der Politik behandelt fühlen." +++ Freitags Wochenthema lautet diesmal "Öffentlichkeit 2.0" – und in die rege Diskussion mischte sich bald eine dort Erwähnte und fast schon alte Bekannte, Eva Schweitzer nämlich, um Jakob Augstein als "Millionärssöhnchen" zu titulieren, "das sein Ego damit aufbürstet, dass es Autoren ausbeutet, und nun möchte, dass es zum Standard wird, sich kostenlos zu bedienen." (siehe auch Schweitzers Blog-Eintrag) +++ Kaum weniger angriffslustig – im Gegensatz zu FAZ (S.37), TAZ und Tagesspiegel – gibt sich heute und endlich mal wieder Franziska Augstein in ihrer Kritik des Dokudramas über Birgit Breuel: "Gäbe es eine Fernsehreihe des Titels 'Durch die rosarote Brille gesehen' – Königsteins 'Die Treuhänderi' wäre darin bestens aufgehoben. Auch in einer Serie 'Neunzig Minuten in gefühlten drei Stunden' wäre sein Film gut platziert … Die musikalische Untermalung ist einer Fernsehwerbung für Weichspüler angemessen." +++ Auch über die neueste Folge "Unter Verdacht" gibt es verschiedene Meinungen (FAZ/S.37 vs. TAZ und BLZ/FR zum Beispiel). +++ Der Deutschlandfunk bastelt an Dradiowissen (SZ, S.15). +++ Und ProSiebenSat.1 vermarktet seine "Resterampe" (Handelsblatt). +++ "Wer ist Nikolaus Brender? Nikolaus Brender ist der Gerhard Schröder des Zweiten Deutschen Fernsehens (ZDF)" bzw. "Wer ist Nikolaus Brender? Er ist Teil des Systems ZDF". Dieter Anschlag dient dem Merkur als (angenehm nüchterner) Kriegsberichterstatter: "Der hessische Ministerpräsident hat den ZDF-Intendanten dabei in die paradoxe Situation gebracht, dass Schächter nun sogar für Brender sein muss, auch wenn er selbst vielleicht nach zehn Jahren einen neuen Chefredakteur hätte haben wollen." +++ Das bestens dazu passende Zeit-Porträt von Markus Schächter (S. 36) ist leider nicht frei online. +++ In Österreich dagegen muss sich der Staat des Mitredens gar nicht erst schämen (BLZ/FR). +++ Während hierzulande festgestellt wurde, dass es sich beim WDR nicht um eine Behörde handelt (BLZ). +++ "Fußball ist rein rechnerisch zum Verlustgeschäft geworden. Und der Imagegewinn wiegt die Defizite nicht auf" – ja, okay, aufatmen, denn es geht um Frankreich, nicht um Deutschland (FAZ, S.37): "Die Leidenschaft der Franzosen für ihre Nationalmannschaft hält sich in Grenzen." +++ Und jetzt: kein Wetter. +++

 

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