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Altpapier vom Montag - Über das Gemeinwohl

Veröffentlicht: 7 Dezember 2009 09:09
Verändert : 7 Dezember 2009 10:27

Die neuesten Entwicklungen in den Bereichen ZDF, Internet und Sparen. Und die Antwort auf die Frage: Was hat eigentlich Alfred NevenDuMont studiert?

Nehmen wir mal das Gemeinwohl: Mit dem Gemeinwohl lässt sich immer ein Stich machen.

"Vor Ort geraten demokratische Prozesse der Meinungsbildung aufgrund des Kostendrucks zunehmend in Gefahr“, schreibt Konstantin NevenDuMont in diesen Tagen in den Zeitungen seines Medienhauses M. DuMont Schauberg, zum Beispiel in der Frankfurter Rundschau oder im Kölner Stadt-Anzeiger. Vor Ort heißt: "in den Kommunen“, wo "der investigative Journalismus“ bedroht sei – was man sicher so sehen kann, sogar ohne "investigativ", siehe zum Beispiel das Zeit-Dossier von Ende November. Seine Schlussfolgerung: "Es ist dringend geboten, dass Politik, Netzinfrastrukturbesitzer, Suchmaschinenbetreiber, Inhalteanbieter und Autoren hier gemeinsame Lösungen zur Förderung des Gemeinwohls entwickeln.“

Was genau ist aber das Gemeinwohl?

Da blättern wir kurz bei Platon (im Bild links) nach, der sich bekanntlich darauf eingeschossen hatte, dass in der Regel nur der Philosoph wisse, was zu tun sei. (Für unsere kleinen Freunde: Der Philosoph ist so eine Art Papa Schlumpf; oder für die ganz Kleinen: Jack Bauer mit Doktortitel und ohne Folterinstrumente.) Platon glaubte folglich auch, dass "nur Philosophen wüssten, was dem Gemeinwohl dient und deshalb die Regierung übernehmen sollten“ (zit.n.: Schwarm: "Gemeinwohl", in: Wikipedia (Hrsg.), Fassung vom 20. Juli 2009. Im Internet unter: http://de.wikipedia.org/wiki/Gemeinwohl)

Jetzt noch geschwind geschaut, was NevenDumonts so studiert haben, zum Beispiel Vater Alfred: aha.

Also: Philosophenherrschaft unter NevenDumonts – nur mal als Gedankenspiel.

Dann gäbe es jedenfalls eine funktionierende Opposition, mit der sich Konstantin NevenDumont auseinandersetzen muss, zum Beispiel in Thomas Knüwers Blog. Außerdem sind unter seinem Text, zum Beispiel in der FR, Kommentare zugelassen. Auch im eigenen Haus gibt es ja durchaus widerständische Gruppen: "Bei der 'Berliner Zeitung' wurden Sie nicht nur freundlich empfangen", muss sich Konstantin NevenDumont etwa im WAMS-Interview anhören.

Ein führendes Philosophenherrschaftskontrollorgan wäre aber wohl Der Spiegel, der sich unter der Überschrift "Die Qualitäts-Lüge" (S. 106ff.) mit der Qualitätsoffensive befasst, die gerade die Vielfalt einschränkt die Branche nach vorne bringt. Beispiel:

"Die 'Berliner Zeitung' und die 'Frankfurter Rundschau' ('FR') verschmelzen immer mehr zur Einheitszeitung? Eine gemeinsame Anstrengung für mehr Qualität, sagt der Verleger Konstantin NevenDumont. Als ob die Krise für sich genommen nicht schlimm genug wäre, wird jede Einsparung von den Verlegern derzeit zu einem Sieg der Qualität über die Quantität erklärt."

Der Spiegel-Text handelt übrigens nicht nur von M. DumontSchauberg. Er handelt auch von: WAZ, Süddeutschem Verlag, Gruner+Jahr, Axel Springer, Passauer Neuer Zeitung und Mittelbayerischer Zeitung. Aber genau das ist ja das Problem.

Aber zurück zur Philosophenherrschaft. Die hätte eventuell einen nicht gering zu schätzenden Vorteil: die Notwendigkeit einer Gremienneusortierung und das Ende der Parteienherrschaft im öffentlich-rechtlichen Rundfunk.

Am Wochenende war die Reaktion der SPD auf die Entscheidung des unionsdominierten ZDF-Verwaltungsrats gegen Chefredakteur Nikolaus Brender Thema; Daland Segler schrieb etwa für, ähem, Frankfurter Rundschau und Berliner Zeitung einen Text von wirklich guter Qualität. Und kritisierte Verwaltungsratsvorsitzenden Kurt Beck, der nicht vors Verfassungsgericht ziehen wolle, und seine Ideen als "Reförmchen".

Die TAZ legt mit Verweis auf die heutige mit Spannung erwartete Tagung der SPD-Medienkommission (wir ahnen, mit Verlaub, was herauskommt) nach und kritisiert die Partei:

"Statt auf ihre Basis zu hören und gemeinsam mit Grünen und Linken nach Karlsruhe zu ziehen, verstrickt sie sich in ihren eigenen Befindlichkeiten. Ein in der Partei nicht mehr allzu mächtiger Landesvater wie Kurt Beck will sich und den Ländern wenigstens beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk noch Einfluss sichern."

Und auch die Funkkorrespondenz schreibt:

"Ersten Äußerungen von Kurt Beck (SPD), Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz und Vorsitzender des ZDF-Verwaltungsrats, ist zu entnehmen, dass die Sozialdemokraten gedenken, sich einer Klage zu verweigern. (...) eine solche Verweigerung würde nichts anderes bedeuten, als dass Kurt Beck und Kompagnons das Spiel des Roland Koch auch künftig weiter mitspielen wollen."

Wäre das gut fürs Gemeinwohl? Oder schlecht? Praktisch wäre es, wenn das ein Philosoph mal endgültig klären würde. Im Idealfall aber einer ohne Parteibuch.

© Altpapier/Klaus Raab

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