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Altpapier vom Mittwoch - Angst vor und um Google

Veröffentlicht: 9 Dezember 2009 09:25
Verändert : 9 Dezember 2009 10:32

Ist das Streben nach Weltherrschaft auch nur eine Form der Pursuit of Happiness? Beziehungsweise: Gehört Google zu den ganz, ganz Guten oder ist es doch böse?

Der gemeinsamste Nenner der digitalen Menschheit ist Google. Das zeigt sich auch Tag für Tag in den Medienmedien, ob z.B. gerade bild.de "Googeln mit dem Handy wird bald noch einfacher" jubelt oder der Tagesspiegel seine Medienseite aus irgendeinem Grund zum Schauplatz von Justiziaren geführter Lobby-Debatten zwischen GEMA und der Google-Firma Youtube macht (heute neu; früher dazu).

Noch nicht final geklärt ist die Frage, ob Google nun eigentlich gut oder böse ist. Im deutschsprachigen Raum gelangten jetzt führende Augoo... pardon: Auguren zu diametral unterschiedlichen Ergebnissen, und zwar jeweils erstens anlässlich aktueller Innovationen (wie Google-Goggle, der personalisierten, der Echtzeitsuche usw.) und zweitens auf Basis von CNBC-Fernsehinterviews des Google-Chefs Eric Schmidt.

Schmidt, ein Business-Sunnyboy mit Bill-Gates-artiger Ausstrahlung, sprach u.a. den atemberaubend entlarvenden Satz "If you have something that you don't want anyone to know, maybe you shouldn't be doing it in the first place", den gawker.com (mit Video) als "Secrets Are for Filthy People" paraphrasierte. Christian Stöcker übersetzt den Originalsatz mit: "Wenn es etwas gibt, von dem Sie nicht wollen, dass es irgendjemand erfährt, sollten Sie es vielleicht ohnehin nicht tun."

Und weil er "das bedenkliche Weltbild des Google-Chefs" so präzise charakterisiert, zitiert er den Satz gleich zweimal im SPON-Kommentar "Google will die Weltherrschaft". Stöcker verortet den kalifornischen Konzern ziemlich klar bei den Bösen (und Googles gewaltiger Marktanteil bei der Online-Werbung, durch die auch SPON sich finanziert, spielt hier mal keine oder kaum eine Rolle).

Matthias Schwenk dagegen auf Carta kommen wegen eines anderen CNBC-Interviews fast "die Tränen ob der Bürde, die auf den Schultern des Eric Schmidt lasten muss. Aber eben nur fast". Stattdessen nimmt Schwenk den Googlechef lediglich verbal auf den Schoß und gibt ihm den guten Rat auf den Weg, Google "muss aufpassen, dass man nicht allmählich in die Rolle des unbeliebten Strebers rutscht".

Schwenk schließt: "Google steht im Internet wie eine Eins, Grund zur Angst gibt es nicht." Wohlgemerkt, damit ist nicht Angst vor Google gemeint, sondern die angenommene Angst des Konzerns selbst. Eine höhere Stufe als die, dass Blogger sich proaktiv um mögliche Ängste aktuell marktbeherrschender Konzerne sorgen, kann der Kapitalismus kaum mehr erklimmen.

Diese beiden Positionen markieren freilich die (an diesem Mittwoch) extremen. Positionen dazwischen werden ebenfalls bezogen. Die FTD z.B. nennt einerseits im Bericht die Google-Neuerung der Echtzeitsuche in sozialen Netzwerken einen "Quantensprung" und glaubt andererseits im Kommentar "Google will Werbung, nicht Nutzen", dass die Nutzer eigentlich bloß "mit einer neuen, unkontrollierbaren Flut an Informationen konfrontiert. Nichts, was man wirklich bräuchte oder bislang vermisst hätte".

Im Berlin-Frankfurter DuMont-Komplex wählt Patrick Beuth die paradoxe Metapher des "liebsten Datenkraken der Welt" (da muss sich jeder selbst überlegen, ob er den auf den Schoß nimmt). Sie spiegelt zumindest die Paradoxie der Google-Innovation der personalisierten Suche ("Abschalten kann man sie auf der Suchergebnisseite über den Link 'Webprotokoll'. Oder wenn man seine Cookies löscht. Aber nicht, wenn man beides macht. Denn beim ersten Besuch auf der Google-Seite nach dem Löschen der Cookies pflanzt die Suchmaschine einen neuen - und die Einstellung ist wieder die alte").

Beuth rät zur Guerilla-Taktik gegen Google: "Klicken Sie bei der nächsten Suche mal das letzte angezeigte Ergebnis auf der letzten Seite an...."

Bliebe vielleicht noch hinzuzufügen, dass inzwischen die Erwiderung des Oberaugooren Sascha Lobo auf Frank Schirrmachers jüngstes Buch aus dem gedruckten Spiegel auch online steht. Dort nennt Lobo die Bibliothek von Alexandria das in der Antike berüchtigte "Google des Altertums".
Immerhin, die Weltherrschaft hat Alexandria niemals erlangen können. Ob das für die Welt gut oder schlecht war, ist eine andere Frage.

© Altpapier/ Christian Bartels

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