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- Altpapier: Nachrichten auf einen Blick.

Altpapier vom Freitag - Herausragender Topjournalist

Veröffentlicht: 11 Dezember 2009 08:59
Verändert : 11 Dezember 2009 13:52

War was? Peter Frey wird Nikolaus Brender, Bettina Schausten Peter Frey und Peter Hahne wohl Frühstücksdirektor.

[Update 13.52 Uhr: Überschrift korrigiert]

Wann, bitte, fängt noch einmal die Revolution an?

Stefan Niggemeier verband vor der absehbaren Vertragsnichtverlängerung von Nikolaus Brender als ZDF-Chefredakteur mit eben dieser Vertragsnichtverlängerung die Hoffnung, dass erst dann sich wirklich etwas ändern könnte an der parteipolitischen Einflussnahme aufs öffentlich-rechtliche Fernsehen:

"Und um daran etwas zu ändern, muss die Sache noch viel mehr eskalieren. Wenn aber durch irgendein Wunder oder späte Einsicht einiger Unionsvertreter Brender doch noch im Amt bestätigt würde, könnten alle wieder zur Tagesordnung zurückkehren."

Die Ordnung des heutigen Tages sieht vor: Brender-Nachfolge geregelt. Peter Frey wird neuer Chefredakteur des ZDF.

"Die fixe Wahl Peter Freys zeigt zumindest, dass Schächter das Heft des Handelns nicht so leicht aus der Hand geben will."

Schreibt Ralf Mielke in einem Artikel in der Berliner, der mit eben "Fixe Wahl" überschrieben ist (während der Titel des Texts in der FR "Schnelle Wahl" lautet) und in Freys Kritik nach der Brender Nicht-Verlängerung eine Einstellungsvoraussetzung erkennt:

"Brenders Nachfolger hatte sich dem Verwaltungsrat zudem mit einem klugen Schachzug empfohlen - indem er das Gremium unmittelbar nach der Brender-Abwahl heftig kritisierte. Dank dieses Belegs journalistischer Unabhängigkeit konnte ihn sowohl Schächter ohne Gesichtsverlust für den Posten des Chefredakteurs vorschlagen als auch der Verwaltungsrat wählen, ohne in den Verdacht zu geraten, einen Parteigänger ins Amt zu hieven."

Call it Restauration? Welt-Online zumindest ist schon wieder ganz eins mit den Verhältnissen. Unter der denkwürdigen Überschrift "Ein Journalist wie Frey ist dem ZDF zu wünschen" erklärt Ulrich Clauss in großen Tönen:

"Mit Peter Frey tritt also ein ZDF-Chefredakteur an, der bereits im Zuge seiner Bestallung Unabhängigkeit und Gradlinigkeit unter Beweis stellte. ... Auf keiner seiner Karrierestationen musste er sich bislang einen Mangel an journalistischer Unabhängigkeit nachsagen lassen."

Letzteres ist bekanntlich ein entscheidendes Kriterium, auch wenn wir, wenn wir jetzt Carta wären, schon einmal Zweifel äußern würden, wie sich nicht nachzusagende Mängel empirisch messen lassen. Die Freude bei der Welt rührt vermutlich auch daher, dass als Peter Freys markantester Auftritt ein Lafontaine-Interview gilt.

An das erinnert Joachim Huber im Tagesspiegel:

"Peter Frey ... ist ein Pragmatiker, kein Programmatiker des Journalismus. Seine Arbeit ist auf den Zuschauer ausgerichtet. Erklären und aufklären, mit kühlem Blut. Die letzte und vielleicht einzige öffentliche Erregung passierte Peter Frey, als er vor der Bundestagswahl Linken-Chef Oskar Lafontaine im 'Sommerinterview' gegenübersaß."

Ansonsten reibt Huber sich die Augen über den "Befreiungsschlag" (Überschrift):

"Für Beobachter ist der Chefredakteurswechsel im ZDF nicht frei von Ironie. Brender wie Frey laufen auf dem Ticket des SPD-Freundeskreises in den Sendergremien. Heißt: Die Konservativen haben den einen moderaten Linken, Nikolaus Brender, vor die Tür geschickt und zugleich einen moderaten Linken, Peter Frey, gewählt."

Die Parteien, man steckt nicht drin. Am lustigsten an der die Frey-Wahl ist der Umstand, dass nicht auf die übliche Begleitrhetorik verzichtet werden darf. So äußerte Intendant Markus Schächter, dem die Berliner noch mal in Erinnerung ruft, dass er auch stärker gegen Kochs Brender-Mobbing hätte vorgehen können:

"Mit Peter Frey wird ein herausragender, allseits anerkannter Topjournalist neuer Chefredakteur des ZDF."

Na, dann ist ja alles supi. Herausragender Topjournalist - was will man mehr? Dabei hatten wir, die wir dieses Mediengetöse ja immer so schrecklich ernst nehmen, zuletzt den Eindruck, dass solch ein eskalierender Superlativ eigentlich nur auf St. Nikolaus aka Super-Brender hätte zutreffen können.

Frey selbst sagt auch etwas, nämlich dass er die Glaubwürdigkeit des ZDF wieder herstellen will. Vermutlich wird ab jetzt beziehungsweise weiterhin "knallhart nachgefragt" (Horst Schlämmer).

Könnte also alles wieder gut sein? Michael Hanfeld widerspricht in der FAZ:

"Der parteipolitische Postenschacher im ZDF ist aber nicht vorüber, er setzt sich im Gegenteil mit unverminderter Härte fort."

Seine Hoffnungen in die Staatsvertragsreform der SPD sind gering, eher setzt er auf die Normenkontrollklage der Grünen. Vor allem aber buchstabiert er die absurden Wirkungen der parteipolitisch motivierten Personalpolitik (Bettina Schausten wird Frey-Nachfolgerin als Berliner Studio-Leiterin) lustvoll durch:

"Da mit Schausten an der Spitze die Berliner Dependance nach dem Dafürhalten der im ZDF das Zepter führenden Ministerpräsidenten konservativ besetzt wäre, fiele der Posten des stellvertretenden Studiochefs der Farbenlehre zufolge wiederum den Sozialdemokraten zu. Was nichts anderes bedeutet, als dass Peter Hahne seinen Job verlöre."

Hahne wird laut Hanfeld Frühstücksdirektor. Dass dessen Karriere solche Wendungen nimmt, ist im Fall des ausgewiesenen Moralisten nicht ohne Ironie. Denn schließlich sollte es doch bei Postenvergabe in unserer beschaulichen Bananenrepublik ausschließlich darum gehen - und das würden die großen Berufsethiker dieser Zeit von Ulrich Deppendorf bis Wickert nicht anders sehen -, dass jeder herausragende Topjournalist seinen ihm gebührenden herausragenden Topjournalistenvertrag bekommt.

© Altpapier/Matthias Dell

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