Altpapier vom Montag - Alte einfache Welt
| Veröffentlicht: | 14 Dezember 2009 09:01 |
| Verändert : | 14 Dezember 2009 09:52 |
Einst wurden Zeitungen gelesen, und es gab Bürgerliche und Sozen. Aber heute? Die Medienbranche sucht nach einfachen Lösungen für schwierige Angelegenheiten.
Was schafft Orientierung in einer immer unübersichtlicher werdenden Welt? Genau: Tageszeitungen. Immer wenn NevenDumonts sich in den Blättern der eigenen Mediengruppe zu Wort melden, ist zum Beispiel Wochenende.
War es vergangene Woche Konstantin NevenDumont, ist nun sein Vater Alfred an der Reihe – was Steffen Grimberg in der TAZ in dieser Häufung nicht als Zufall sieht. Er liest einen "schwierigen, in manchen Zügen beinahe tragikomischen Vater-Sohn-Konflikt“ in die Dichte der Wortmeldungen, und zwar "plus Generationswechsel".
Ist uns beinahe eine Spur zu intim, daher schnell weiter zu Alfred NevenDumonts Text, der, auch online, in Frankfurter Rundschau und Berliner Zeitung erschienen ist. Der entscheidende Punkt darin, wenn man von der Schelte für Spiegel und Zeit absieht: Er verlangt, wie es im befreundeten Ausland üblich sei, politische Unterstützung für die Zeitungsverlage. "Es ist zu fordern, dass die deutsche Politik nicht länger abseits steht und zielstrebig ein eigenes Programm auflegt.“
Die Idee ist nicht neu, sondern hat schon in den vergangenen Monaten einige Verleger und Medienjournalisten zu Positionierungen veranlasst: Der "Startschuss der Kampagne für die staatliche (oder öffentlich-rechtliche, das klingt schöner) Bezuschussung von Zeitungen“ fiel, wie das "Altpapier“ damals schrieb, am 13. Mai in der FAZ (online ist noch ein Videointerviewauszug mit dem ehemaligen Bundesverfassungsrichter Dieter Grimm zu sehen).
Springer- und Spiegel-Vertreter äußerten sich dagegen skeptisch: "Lieber gar keine Presse als eine staatlich subventionierte", wurde Springer-Chef Mathias Döpfner zitiert. Und Spiegel-Chefredakteur Mathias Müller von Blumencron sagte über Subventionen: "Wir würden uns nicht nur schaden, wir würden uns ruinieren."
Auch die eingangs bereits verlinkte TAZ sieht NevenDuMonts Forderung kritisch:
"wie kann ein Verleger, der ein paar Absätze weiter die Vorgänge beim ZDF 'schamlos' nennt und die öffentlich-rechtlichen Sender 'am Wickel der Politik' weiß, jetzt blauäugig Staatssubventionen von ebendieser Politik fordern?“
Womit wir also beim Thema schamlose Vorgänge beim ZDF wären. Falls sich nun jemand fragt, was die "Wetten, dass..?!“-Käsfußwette in diesem Zusammenhang verloren hat – nah dran, aber falsch, es geht immer noch um den "Fall Brender“ – die Absetzung des ZDF-Chefredakteurs durch CDU-Politiker unter Anführung des hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch im ZDF-Verwaltungsrat – und seine Folgen.
Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, die zusammen mit der FAZ auf dem Gebiet der Kritik am Fall Brender nach wie vor führend ist, bringt zwar nicht wirklich neuen Drive, aber doch eine weitere Stimme ein, indem sie einen Beitrag des früheren sächsischen Ministerpräsidenten Kurt Biedenkopf (CDU) druckt, der Kritik an den Machtverhältnissen im ZDF übt – und damit an den eigenen Parteifreunden. (So, wie es vor kurzem Ruprecht Polenz, ebenfalls CDU, als Vorsitzender des ZDF-Fernsehrats tat, was dieses medienpolitische Bild des Jahres – Intendant Schächter verneigt sich vor Polenz – erklärt).
Biedenkopf schreibt nach einer ausschweifenden Hinführung – online in einer Zusammenfassung –, mit dem ZDF-Staatsvertrag hätten die "Länder ein Konstrukt geschaffen, in dem nicht die Staatsferne, wohl aber die Machtnähe vorgezeichnet ist“. Und fordert eine Überprüfung durch das Bundesverfassungsgericht.
Bernd Gäbler nahm sich im Tagesspiegel am Sonntag das ZDF in seiner Ganzheit als "Derrick“-, Senioren-, Adenauer-, Kirch-, und Parteiensender vor und schrieb:
"Wie eng die Verzahnung von Politik und Journalismus im ZDF ist, zeigen auch einige Personalien. Der zweite Intendant, der Diplomat Karl-Günther von Hase, war fünf Jahre lang Regierungssprecher gewesen. Markus Schächter, der heutige Intendant, war kurzzeitig Sprecher des rheinland-pfälzischen Kultusministeriums; der heutige Verwaltungsdirektor Hans Joachim Suchan leitete unter Hans Eichel (SPD) die hessische Staatskanzlei; Friedhelm Ost brachte es vom ZDF-Wirtschaftsjournalisten zum Regierungssprecher und CDU-Bundestagsabgeordneten."
Etwas bunter macht das Bild der Artikel "Schwarze Dame“ der Süddeutschen Zeitung (S. 15), für den Hans Hoff die CDU-Politikerin Ruth Hieronymi zum Gespräch traf, die – oha – "am 2. Dezember mit 30 von 43 möglichen Stimmen“ zur WDR-Rundfunkrats-Vorsitzenden gewählt wurde. Allerdings kann man sagen, dass es sich nicht um einen Text über die Fallstricke des Systems handelt, sondern um einen Text über die Arbeit einer einzelnen – was Hoff zu einer anderen Bewertung führt:
"Ihr Mitbewerber, der Pfarrer Friedhelm Wixforth, hatte vor der Wahl noch betont, dass man ihn küren solle, weil nur so die Staatsferne des Gremiums zu dokumentieren sei. Wixforth zählt zu den nicht parteipolitisch gebundenen Räten. Das hat die von Günther Jauch einst Gremien-Gremlins getauften WDR-Aufseher indes weniger beeindruckt als Hieronymis Wirken. Es wählten sie viel mehr Räte als diejenigen, die der in NRW regierenden CDU zuzurechnen sind. So viele Stimmen sind ein besonderer Zuspruch. Manche bekam sie wohl auch, obwohl sie zu jener CDU zählt, die in der Sache Brender so alt ausgesehen hat."
Zurück in der FAS schreibt Harald Staun über die Einsetzung von Peter Frey als Brenders Aund Bettina Schausten als Freys Nachfolgerin im ZDF-Hauptstadtbüro: "Die sogenannte Farbenlehre, das parteipolitische Reißverschlusssystem also, das man beim ZDF mit Ausgewogenheit verwechselt, hatte bis Donnerstagabend immerhin einen Vorteil: Seine lächerliche Logik war einfach zu verstehen." Schausten aber, die als konservativ gilt, folgt nun dem als links geltenden Frey, der wiederum in diesen Tagen vor allem dafür gelobt wird, dass er den Linken-Chef Oskar Lafontaine in einem Interview hart anfasste, wobei noch zu sagen wäre, dass einst, 2002, "die 'schwarze’ Seite Schwierigkeiten mit dem Vorschlag Bettina Schausten als neue Innenpolitik-Chefin gehabt“ habe.
Ach, einfache alte Welt: Es wurden Zeitungen gelesen. Und es gab Bürgerliche und Sozen, Ende.
Aber, ach, trotzdem: Es ist doch immer wieder schön, wenn sich jemand darüber lustig macht.
| © Altpapier/Klaus Raab |
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Das Altpapier stapelt sich wieder am Dienstag gegen 9 Uhr.
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5.) Deutschlandkarte: Lokalzeitungen (zeit.de)
Kürzel & Quellen
FAZ Frankfurter Allgemeine Zeitung
TAZ die tageszeitung
TSP Tagesspiegel
BLZ Berliner Zeitung
Freitag Der Freitag
FTD Financial Times Deutschland
HB Handelsblatt
SPON Spiegel Online
FAS Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung
WAMS Welt am Sonntag
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