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- Altpapier: Nachrichten auf einen Blick.

Altpapier vom Mittwoch - Gebühren für Kühlschränke und iPhones?

Veröffentlicht: 23 Dezember 2009 09:13
Verändert : 23 Dezember 2009 10:27

Was bringt 2010? Zumindest die "Tagesschau"-App und die vollautomatisierte Netzeitung.

Wenn im März 2010 die Bundesregierung ihren gespannt erwarteten Gesetzesentwurf zum neuen Leistungsschutzrecht für die Verleger von Druckwerken vorstellt, dann werden

"entgegen verbreiteten Befürchtungen werden nicht publizistisch tätige Internetnutzer wie z.B. Blogger extra zur Kasse gebeten. Die Abwägung, wann gewerbliche Verwertung von Texten beginnt, erscheint nicht praktikabel. Vielmehr unterliegen ab 2012 alle Geräte, die die sogenannte 'elektronische Presse' aus dem Internet empfangen können, zum Beispiel Computer, Handys und ab 2016 auch Kühlschränke, einer Abgabepflicht an die zu gründende Verwertungsgesellschaft Presse. Die Höhe der monatlichen Abgaben wird 2011 durch externen Sachverstand bestimmt. Mit der Durchführung wird die Gebühreneinzugszentrale GEZ betraut, deren Bestand damit gesichert ist."

Dieses Snippet entnehmen wir der allerletzten Medienkolumne der bekanntlich in Kürze vollautomatisierten Netzeitung - einem Quasi-Altpapier für 2010, das rein inhaltlich natürlich (noch) nicht hundertprozentig ernst zu nehmen ist.

Damit zum Tagesgeschäft, das trotz oder auch wegen der Weihnachtszeit weitergeht. Manche Player des Mediengeschäfts bringen Nachrichten, deretwegen sie Befremden erwarten, gerne jetzt. Das Befremden verpufft dann besser.

Zum Beispiel die ARD, die der Öffentlichkeit in Gestalt Carsten Raves bzw. der DPA am Montag mitteilte, dass nun auch ihre "Tagesschau" als App aufs iPhone strebt.

"Ich habe Verständnis für die Sorgen der Printkollegen und der Verlage, die auf der Suche nach tragfähigen Geschäftsmodellen im Netz sind. Ich bin mir da der Verantwortung unserer besonderen Rolle bewusst", lässt sich der ARD aktuell-Chefredakteur Kai Gniffke so gewunden zitieren, als hätte er seine Aussagen vorab mit der Gremienvorsitzendenkonferenz abgestimmt.

Das "Befremden" ("nicht tolerierbare Marktverzerrung", "öffentlich-rechtliche Kostenlos-Offensive") äußerten natürlich der Springer-Verlag, der gerade journalistische Bezahl-Apps ausprobiert, sowie in der Folge die Verbände der Zeitungs- und der Zeitschriftenverleger.

In der FAZ ärgert sich heute genauso erwartungsgemäß Michael Hanfeld über Gniffkes "nonchalante Art", anzudeuten, "dass es nur von, im und mit dem Ersten seriöse Nachrichten gibt". Und erinnert nochmal ans Milliardenausmaß der Rundfunkgebühren: "Peu à peu schichten die Sender ihre Etats um, der Gesamtaufwand fürs Internet wird nie eigens beziffert, er dürfte sich mittlerweile jedoch auf einen dreistelligen Millionenbetrag belaufen."

Die Süddeutsche Zeitung hat Gniffkes wolkige Worte nochmal bei einem ARD-Sprecher hinterfragt, und der "wies die Kritik zurück. Mit dem geplanten Apple-Angebot sollten lediglich schon seit Jahren über tagesschau.de/mobil und wap.tagesschau.de verbreitete Inhalte auf sogenannte Smartphones ausgeweitet werden... Das Ganze sei also kein völlig neues Angebot, sondern lediglich mit einem 'überschaubaren einmaligen Programmieraufwand' fürs iPhone ergänzt worden."

Das steht zumindest in der Online-Version des Artikels. In der Papier-SZ (S. 15) weist an derselben Stelle der ARD-Vorsitzende Peter Boudgoust persönlich zurück und schimpft, es gehe "den Kritikern nicht um die Umsetzung gesetzlicher Regeln, sondern darum, die ARD 'von den Entwicklungen im Netz abzukoppeln'".

Uralte Sprachregelungen in ganz leicht neuer Variation zu einem vor allem symbolischen Streit also, auf dass schon etwas Luft aus der Sache ist, wenn irgendwann im nächsten Jahr die Gremien-Gremlins der ARD bzw. die Politik direkt entscheiden.

Ein Kompromiss wäre übrigens, beim Laden der "Tagesschau"-App halt dazuzuschreiben, dass deren Nutzer damit ihr Einverständnis geben, bei nächster Gelegenheit auch auf iPhones und ähnliche Geräte die volle Fernseh-Rundfunkgebühr erheben lassen zu können. Dann könnte sich die Faszination dieser neuen App relativ rasch erledigen.

© Altpapier/ Christian Bartels

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+++ Auch das hat Befremden ausgelöst: dass Rupert Murdoch nochmal neue Millionen in seine deutschen Sky-Kanäle nachschießt. "Wie Sky das inmitten einer Medien- und Finanzkrise, in der die Unterhaltungs- und Medienbudgets der meisten Haushalte eher kleiner als größer werden, schaffen will, bleibt dabei im Ungefähren", meint die TAZ. +++ Der alte "Traum des austro-amerikanischen Medienzaren, im deutschen Pay-TV-Markt Fuß zu fassen", wird scheitern, meint Stefan Winterbauer auf meedia.de: "Sky hat kaum noch Potenzial, was das Angebot betrifft", und "Öffentlich-rechtliches Fernsehen bietet viel und immer mehr Qualitätsinhalte, die über die TV-Gebühren bereits bezahlt sind. Jüngstes Beispiel: ZDF neo". +++ Dass es nicht die allerbeste Idee war, Kai Diekmann zu einem der "Journalisten des Jahres" zu küren, hat dem medium magazin bzw. dessen Jury nun auch einer bescheinigt, der es wissen muss: Kai Diekmann, u.a. Medienmann des Jahres. Er verziert in seinem Blog Teile der Jury mit Pappnasen und zeigt als weiteres Foto den Brief, in dem er auf den mm-Titel verzichtet. Dieser Brief, meint erneut der meinungsfrohe Stefan Winterbauer, "trieft geradezu vor doppelbödiger Ironie und vor ätzendem Sarkasmus". Ironie, hmmja, aber doppelbödige? Sarkasmus?? Aber er trieft jedenfalls. +++ Stefan Niggemeier findet nur "bemerkenswert..., dass Diekmann sich zwar über anderer Leute Tipp- und Namensfehler mokiert, seine eigenen aber einfach unauffällig nachträglich ungeschehen macht" (Bildblog). +++ Auch Ministerpräsident Roland Koch "versteht sein Geschäft. Der Agentur APD hat er jetzt gesagt, dass man über Veränderungen des ZDF-Staatsvertrags reden könne", aber damit wolle er nur einer möglichen Normenkontrollklage wg. des Falls Brender "den Wind aus den Segeln nehmen" (FAZ, S. 33). +++ Auch Twitter versteht sein Geschäft bzw. macht dank Google und Microsoft erstmals Gewinn (FAZ-Wirtschaft). +++ Zurück zum iPhone: Auch schon auf dem cool-kultigen Endgerät vertreten: "Raytheon, eines der größten Rüstungsunternehmen der USA", und zwar mit einer nützlichen Anwendung für Soldaten in der Schlacht. Dummerweise ist das iPhone selbst noch nicht uneingeschränkt kriegstauglich, informiert Patrick Beuth in der Berliner Zeitung. +++ Hersteller Apple schickt sich an, den TV-Markt umzupflügen, zumindest in den USA (FTD). +++ "Der dümmste Bauer hat die größten Quoten" (Joachim Huber im TSP). +++ "Für ein einheitliches ARD-Politmagazin, das gleichwohl von den angestammten Redaktionen bestückt und den bekannten Moderatoren präsentiert würde, scheint die Zeit in den Augen der Macher noch nicht reif. Dafür müssten die Quoten wohl erst noch weiter sinken" (FAZ, S. 33). +++ "Es geht das Gerücht, dass die Intendanten von ARD und ZDF demnächst auf dem Traumschiff tagen" (Rüdiger Heimlich, KSTA). +++ Stefan von Holtzbrinck zu Ulrike Simon (Berliner Zeitung), die heute ihn und sein Unternehmen mal gründlich vorstellt: Die Medienbranche sei "eine wunderbare, die über sich leider viel zu viel Schlechtes berichtet. Man sollte eher den helleren, aufgeweckten Köpfen zurufen: Kommt zu uns." +++ "Medienunternehmen werden wieder sexy sein", sagte Hartmut Ostrowski zur WAMS, und der TAZ-Medienkriegsreporterin Silke Burmester wird "bei so viel zukunftsweisender Sexyness" ganz heiß. +++ Iris Berben wird 2010 "beispielsweise eine Frau in den Wechseljahren spielen", kündigt ihr Sohn Oliver im TSP-Interview an.
 


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