Altpapier von Heiligabend - Der "Tatort" wird 750
| Veröffentlicht: | 24 Dezember 2009 09:09 |
| Verändert : | 24 Dezember 2009 09:54 |
Die Netzeitung sagt offizell "Adé!", für den Sender N24 sieht es auch nicht gut aus. Andere starke Marken sind unverwüstlich: der ewige "Tatort", Opa Hoppenstedt.
Weihnachten ist nicht allein das Fest der Wünsche und des Fernsehens, sondern auch das der physischen Post. Ja, viele Menschen schreiben einander sogar Briefe auf Papier.
Einen Brief, der "an Deutlichkeit wenig zu wünschen übrig" lässt, zitiert heute die Süddeutsche. Darin soll der frühere Pharmamanager Thomas Ebeling, derzeit Vorstandsvorsitzender der ProSiebenSat1 AG, das Wörtchen "NICHT" sogar in Großbuchstaben geschrieben haben. Inhaltlich geht es um die Zukunft des als Nachrichtenkanal firmierenden, laut Ebeling "dauerhaft defizitären" Senders N 24, über die im März entschieden werde.
Nunmehr offiziell beendet ist die Zukunft der Netzeitung die bzw. die deren menschlicher Redaktion. Gestern um 17.27 Uhr sagte sie ihren Leserinnen und Leser "Adé!". Lesenswert ist der Text schon wegen der historischen Fotos, die ihn illustrieren.
Über die Netzeitung gelangen wir auch zum Top-Fernsehthema dieser Tage. Bzw. zu dem Thema, das ein solches wäre, wenn es nicht so ungünstig zwischen den Jahren läge: Am Sonntag nach Weihnachten und vor dem ersten nachweihnachtlichen Werktag "findet ein so großes Jubiläum statt, wie es das zuletzt vor siebeneinhalb Jahren gab", schrieb die NZ kürzlich: Der "Tatort" wird 750 Folgen alt.
Die Jubiläumsfolge heißt "Altlasten" und kommt aus Stuttgart. Und ist natürlich auch an einem Tag, an dem viel v.a. märchenhaftes Festtagsprogramm dokumentiert werden muss, ein Thema. Die Folge "entwickelt sich im Lauf von 90 Minuten von einem Traditionskrimi zu einem überraschend gut erzählten, mit überraschenden Volten aufwartenden, eindrucksvoll inszenierten Drama", freut sich Cathrin Kalweit in der Süddeutschen (S. 15).
Naja, "einiges gelingt, vieles nicht. So verliert sich der Erzählfaden in zu vielen Dramatisierungsschleifen, die zwar den Fall spannend halten, aber der Charakterisierung der Protagonisten im Wege stehen", wendet Karen Krüger in der FAZ (S. 43) ein. "Fast scheint es, als habe die Regie nicht nur dem Kern der Geschichte, sondern auch den Schauspielern zu wenig zugetraut."
"Wie oft Regisseure die Lorbeeren einheimsen für eine Drehbuchleistung! Das ärgert mich", ruft wiederum Katrin Bühlig, die einstige Dokumentarfilmerin und Drehbuchautorin ebendieses Krimis, im sympathischen Interview aus, das David Denk für die TAZ mit ihr führte.
Noch ein Auszug: "Wenn du als Autorin frei sein willst, musst du Romane schreiben. Bei einem Film reden viele Leute mit. Darauf musst du dich einlassen. Die Kunst besteht darin, durchzusetzen, was dir wirklich wichtig ist."
Noch ein Interview zum "Tatort" am Sonntag: "... Jeder Tag könnte der letzte sein. Ab einem gewissen Alter beschäftigt einen das natürlich."
"Sie sind 54 Jahre alt."
"Selbst wenn ich 100 Jahre alt werden sollte, ist das jetzt schon die zweite Halbzeit. Ich habe keine Angst, auch nicht vor dem Tod."
Das klingt jetzt hart, zumal an einem Tag wie den heutigen. Es ist freilich aus dem Zusammenhang eines Alles-Mögliche-Interviews (BLZ) mit dem Kommissarsdarsteller Richy Müller entnommen, in dem es u.a. auch (fernsehhistorisch interessant) um die Genese seines Vornamens geht.
Um einen anderen Akzent zu setzen: Wie man die zweite Halbzeit mit Anstand und Freude verbringt, zeigt z.B. Opa Hoppenstedt, der natürlich auch in diesem Weihnachtsprogramm (TSP, TAZ) wieder autaucht.
Wobei er längst zeitsouverän zur Verfügung steht. Youtube.com/loriot, der offizielle Kanal der ARD-Tochter Studio Hamburg (die seit Anfang Dezember ja endlich auch in großem Stile "Tatort"-DVDs via Walt Disney zum Kauf anbietet), stellt den anderthalbminütigen Teaser "Weihnachten bei Hoppenstedts (1)" ins Netz, um darauf hinzuweisen, dass "alle Loriot-Sketche und Cartoons aus 40 Jahren Fernsehgeschichte ...in voller Länge jetzt auch bei iTunes erhältlich!" sind.
Andererseits lässt sich "Weihnachten bei Hoppenstedts komplett" selbstredend ebenfalls unentgeltlich abrufen. So ist das Internet.
| © Altpapier/ Christian Bartels |
Altpapierkorb
+++ "Das iPhone ist auch ein Telefon", kommentiert Daland Segler (BLZ) die Aufregung um die angekündigte "Tagesschau"-App (siehe Altpapier gestern). "Neu ist ... nur, dass der Zugang direkt über ein Icon erfolgt und der Nutzer nicht über einen Browser oder die Eingabe der URL zum Angebot gelanget". Die Verlage sollten lieber auf ihre Stärke vertrauen, sog. Qualität, die Segler andererseits im Falle Springer auch bezweifelt. +++ "Auf den ersten Blick ist es eine Petitesse", meint im Hamburger Abendblatt auch Kai-Hinrich Renner zur ARD-Ankündigung, "die Frage ist nur, warum dies ausgerechnet jetzt geschehen muss". Ferner deutet der vernünftig argumentierende Artikel an: "Soweit sich das jetzt schon sagen lässt, gibt es für kostenpflichtige journalistische Handy-Inhalte einen Markt", ja: "für die Verlage ist die gut betuchte iPhone-Klientel die ideale Basis." +++ Bild-Zeitung: "Lehmann der neue Netzer?" +++ Es ist "empfehlenswert, abzuwarten" (noch 'ne Kritik zum "Tatort" in der FR, die das Richy Müller-Interview dagegen nicht bringt). +++ Und nach dem 750. "Tatort" der "Hungerwinter" (ARD-Dokudrama). Siehe KSTA. +++ "Eine Qualitäts-Rakete am Print-Himmel": Die Medienseite der Süddeutschen ist ganz begeistert von der Zeitschrift "San Francisco Panorama" des Schriftstellers Dave Eggers. +++ Neues aus der Medienjustiz: Im Fall Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) vs. VG Media (private Fernsehsender) hat das Landgericht Köln genau anders herum entschieden als kurz zuvor das Oberlandesgericht Dresden (kurz im TSP). Mehr bei meedia.de, das allerdings irrt, wenn es glaubt, "mit dem Urteil endet ein mehr als einjähriger Prozess". +++ Ferner berichtet die SZ (S. 15) nicht unter der Überschrift "Der Aschenbrödler" (TAZ 2003), sondern unter der Überschrift "Die Aschenbrödler" über die Erfolgsgeschichte der "Drei Haselnüsse für Aschenbrödel" und empfiehlt einen Besuch auf Schloss Moritzburg bei Dresden. +++ "Gemieteter Hof hin, Identitätsgeschmummel her", RTL scheint "absolut schmerzfrei zu sein" (Michael Hanfeld in der FAZ zur "Bauer sucht Frau"-Aufregung).
Neues Altpapier gibt's nach hoffentlich allerseits frohen Weihnachten wieder am Montag gegen 9.00 Uhr.
Weitere Nachrichten: Altpapier
- Altpapier vom Dienstag - Vorsorge und Früherkennung
- Altpapier vom Montag - Virales Marketing
- Altpapier vom Freitag - Unreine Haut
- Altpapier vom Donnerstag - Krieg der Illustrierten
- Altpapier vom Mittwoch - Blanke Nerven
- Altpapier vom Dienstag - Weiter bis wolkig
- Altpapier vom Montag - Über die Matte
- Altpapier vom Freitag - Die Milch macht´s nicht
- Altpapier vom Donnerstag - Im Netz des Gesetzes
- Altpapier vom Mittwoch - Kalter Medienkrieg
- Altpapier vom Dienstag - Im Angesicht der Häusle-Schleicher
- Altpapier vom Montag - Eine Frau gibt nicht auf
- Altpapier vom Freitag - Diszipliniert
- Altpapier vom Donnerstag - Land der Zeitungs-Schönheit
- Altpapier vom Mittwoch - Die Nase meiner Ollen
- Altpapier vom Dienstag - Nerdverbunden
- Altpapier vom Montag - Darf Online alles?
- Altpapier vom Freitag - Mediensport bei Olympia
- Altpapier vom Donnerstag - News and Shoes
- Altpapier vom Mittwoch - Endlich Neues von Google
- Altpapier vom Dienstag - Wer an der Werra war
- Altpapier vom Montag - Check oder Gegencheck?
- Altpapier vom Freitag - Nur eine einzige Frage
- Altpapier vom Donnerstag - Das Wunder von Düsseldorf
- Altpapier vom Mittwoch - Nationale Aufgabe
- Altpapier vom Dienstag - Clementine Diekmann
- Altpapier vom Montag - Wo ist "hier"?
- Altpapier vom Freitag - Augenwischerei
- Altpapier vom Donnerstag - Es ist ein Apple!
- Altpapier vom Mittwoch - Raus aus den Schubladen
- Altpapier vom Dienstag - Heimatkunde und Effizienz
- Altpapier vom Montag - Durchschnittchen
- Altpapier vom Freitag - Tipps gegen die Kälte
- Altpapier vom Donnerstag - Schwerter gegen Schnipsel
- Altpapier vom Mittwoch - Brutale Selbst-Aufklärung
- Altpapier vom Dienstag - Kauf dir eine Meinung
- Altpapier vom Montag - Unter der Haut
- Altpapier vom Freitag - Hoffnung und Seele
- Altpapier vom Donnerstag - Ein Managerkopf rollt
- Altpapier vom Mittwoch - St. Aust ist wieder da!
- Altpapier vom Dienstag - Balti und more
- Altpapier vom Montag - Antikapitalistische Tiefschläge
- Altpapier vom Freitag - Von der Rolle
- Altpapier vom Donnerstag - Die digitale Dampfmaschin
- Altpapier vom Mittwoch - Superphones & Mediendarlings
- Altpapier vom Dienstag - Händereiben über neue Bezahlmodelle
- Altpapier vom Montag - Den Maschinen vertrauen?
- Altpapier von Silvester - Willkommen in den Zukünften
- Altpapier vom Mittwoch - Das Nuller-Gefühl
- Altpapier vom Dienstag - Irre: gratis und zu teuer!
Dienstags-Artikel
1.) Die Fehler der Wirtschaftspresse (Brenner-Stiftung/ PDF)
2.) ... und auch konstruktive Vorschläge (Storz im meedia-Interview)
3.) Lockere Konkurrenz-Analyse der Sternchefs (TAZ)
4.) Große Verlagskoalition? (sueddeutsche.de)
5.) Deutschlandkarte: Lokalzeitungen (zeit.de)
Kürzel & Quellen
FAZ Frankfurter Allgemeine Zeitung
TAZ die tageszeitung
TSP Tagesspiegel
BLZ Berliner Zeitung
Freitag Der Freitag
FTD Financial Times Deutschland
HB Handelsblatt
SPON Spiegel Online
FAS Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung
WAMS Welt am Sonntag
Montags-Artikel
1.) Michalis Pantelouris über den Offenen Brief der Bild an Griechenlands Ministerpräsident
2.) Der Freitag schlägt 19 Prozent MwSt für die Bunte vor
3.) Der Spiegel-Text von 2009, den der Spiegel heute (vorerst nur Print) quasi zurückzieht






Twitter
Facebook
Kontakt