Altpapier vom Dienstag - Händereiben über neue Bezahlmodelle
| Veröffentlicht: | 5 Januar 2010 08:18 |
| Verändert : | 5 Januar 2010 08:28 |
Krass: Während hier die FDP Vorschläge zur GEZ-Reform macht, kassiert Murdoch in den USA schon Gebühren von Kabelanbietern.
Wir reiben uns noch immer das alte Jahr aus den Augen, da müssen wir im Tagesspiegel dieses lesen:
"Kaum hat das Jahr begonnen, steht bereits ein Medienthema auf der Agenda."
Das geht ja gut los.
"Das alte Finanzierungsmodell für das öffentlich-rechtliche Fernsehen ist nicht mehr zeitgemäß, die zuständigen Ministerpräsidenten müssen ein neues finden. Der jüngste Vorschlag der FDP vom Wochenende hat dabei einen entscheidenden Vorteil. Burkhardt Müller-Sönsken, medienpolitischer Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, hat sich in einem Zeitungsbeitrag für eine Medienabgabe ausgesprochen."
Bei der Zeitung, kann man doch auch sagen, handelt es sich um Springers heißes Hamburger Abendblatt, und Müller-Sönskens Text ist sogar als nicht bezahlpflichtiger Content einfach so zu lesen. Da steht dann drin, dass statt GEZ-Gebühren in Höhe von 17,98 Euro etwa 10 Euro monatlich pro arbeitende Person vom Finanzamt eingezogen werden.
Der "entscheidende Vorteil" besteht für den Tagesspiegel darin, dass "Wirtschaftsverbände" wie Bitkom und die Privatsender nichts dagegen haben. Der ewige Jürgen Doetz wird sogar mit dem Satz zitiert:
"'Offen ist unter anderem, ob der öffentlich-rechtliche Rundfunk mit dem FDP-Vorschlag finanzierbar bleibt. Denn es kann nicht das Ziel sein, diese Sender kaputtzusparen, auch wenn zu klären ist, was und wie viel mit dem Geld finanziert werden soll', sagt der VPRT-Chef."
Darüber wird sich Müller-Sönsken schon Gedanken gemacht haben, schließlich steht in seinem Text die fiese Formulierung:
"Damit hat Deutschland den teuersten öffentlich-rechtlichen Rundfunk der Welt."
Sofort privatisieren, raten wir! Outsourcen, outsourcen, outsourcen! Weniger aufgeregt geht Steffen Grimberg in der TAZ mit dem Thema um, aus dem schon die Überschrift die Luft raus lässt:
"Steuer für Rundfunk chancenlos"
Das Argument klingt allerdings etwas paradoxal:
"Auch wenn Müller-Sönksen tapfer betont, es handele sich um keine Steuer, wäre es eine - und die ohnehin nicht üppige Staatsferne des öffentlich-rechtlichen Rundfunks aufs heftigste kompromittiert."
Wie mehr oder minder üppige Staatsfernen aufs heftigste kompromittiert werden, kann man in der Türkei sehen, wo der Misch- und Medienkonzern Dogan bekanntlich Ärger mit dem Finanzamt hat. Um den Streit mit der Regierung zu entschärfen zieht sich der Patriarch Aydin Dogan zugunsten seiner Tochter jetzt zurück.
Im Tagesspiegel klingt das fast wie eine Vermischtes-Meldung:
"Zum Glück ist Arzuhan Dogan Yalcindag den Umgang mit machtbewussten Männern gewohnt. Schon vor drei Jahren wurde sie zur ersten weiblichen Präsidentin des türkischen Unternehmerverbandes Tüsiad gewählt und vertritt seither die Interessen türkischer Industrieller und Geschäftsmänner. Jetzt wird ihr Einfluss noch weiter wachsen: Arzuhan Dogan Yalcindag soll die Führung der Mediengruppe Dogan mit den großen Tageszeitungen 'Hürriyet' und 'Milliyet' sowie diversen Fernsehsenden übernehmen – und damit ihren Vater an der Konzenspitze ablösen."
Dass hinter dem Streit zwischen Dogan und der Regierung noch mehr steckt (auch "Hürriyet"-Chefredakteur Ertugrul Özkök muss gehen), kann man FAZ (Seite 31), HB und vor allem der TAZ entnehmen. Da schreibt Jürgen Gottschlich, der wenig Hoffnung auf eine Lösung des Konflikts hat, bei der Dogan in der jetzigen Form bestehen bliebe:
"Die Chancen stehen aber wohl nicht allzu gut, denn neben dem ideologischen Konflikt, geht es auch darum, die Pfründen im Land neu zu verteilen. Die Erdogan-Regierung versucht, ihrer Klientel gegen das alteingesessene Establishment neue Einkommensquellen zu erschließen. Dabei spielt die Medienbranche eine wichtige Rolle."
| © Altpapier/Matthias Dell |
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+++ In Amerika schreiben medienpolitische Sprecher der FDP keine Zeitungsbeiträge, da wird zur Tat geschritten: Das Privatfernsehen kriegt in Zeiten sinkender Werbeerlöse Gebühren von den Kabelanbietern, weiß die SZ. "Rupert Murdoch kann sich die Hände reiben. Das neue Jahr begann ganz in seinem Sinn: mit einem Dammbruch im bisherigen Mediengefüge, der Geld in seine Taschen spült. Nach tagelangen Verhandlungen gelang es ihm, dem Kabelanbieter Time Warner Cable Gebühren für die Programme des Senders Fox abzuringen, der seinem Medienkonzern News Corporation gehört. Damit zahlt in den USA erstmals ein Kabelbetreiber für landesweit beliebte Sendungen wie die Simpsons und American Idol, die über Antenne kostenlos ausgestrahlt werden." Was heißt das für Deutschland, Herr Doetz? +++ Rupert Murdoch soll sich aber nicht nur die Hände reiben: Dieselbe SZ schreibt auf derselben Medienseite (Seite 15), dass in der chinesischen Version von Murdochs Wall Street Journal Texte nicht auftauchen, die in der englischen Ausgabe zu finden sind. Als ob es für Murdoch um Journalismus ginge. +++ Rausschneiden, Part 2: Lars Albaum hat ebenfalls für die SZ (Seite 15) zwischen den Jahren den RTL-Jugendschutzbeauftragten (der natürlich nicht so heißt) besucht. Dieter Czajas Biographie enthüllt in Albaums Wahrnehmung die wahren Gründe für das Ende der DDR: "Schmunzelnd erzählt Czaja ein paar Anekdoten, die verdeutlichen, warum dieses System nur untergehen konnte: Einschaltquoten wurden - nach telefonischer Erhebung bei ausgewählten Zuschauern - nur mündlich weitergegeben." +++ Der Gegenbeweis: Ulrich Meyer. Seine Einschaltquoten durften immer aufgeschrieben werden, und deshalb gibt es ihn auch nach 15 Jahren noch. Nach der SZ gestern gratulieren heute: Berliner-FR und FAZ (Seite 31). +++ Antje Hildebrandt schaut in Berliner und Welt fassungslos auf den Wendler herab, der neuerdings sein Leben bei Sat.1 als Doku-Soap performt. +++ Die SZ kann sich über die Einblicke ins häusliche Leben von Snoop Dog dagegen amüsieren. +++ Die Berliner-FR gibt durch ein interessantes Interview mit zwei Menschen, die in einer von weltweit sieben Firmen im Bereich der Internetadressenregistrierung arbeiten, einen Ausblick auf die kommende Ausdifferenzierung der Domains: Großstädtenamen etwa. +++ Die FAZ beäugt die Medienpolitik der Taliban (Seite 31). +++ Der KSTA lädt ein, Vorschläge für den Grimmepreis zu machen. +++ Meedia hat die automatisierte Netzeitung angeschaut. +++ Und war das wirklich nötig, liebe TAZ? Noch ein Ausblick aufs Jahr mit der verheißungsvollen Überschrift: "2010 geht's echt App". +++
Neues Altpapier gibt's morgen wieder ab 9 Uhr.
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Kürzel & Quellen
FAZ Frankfurter Allgemeine Zeitung
TAZ die tageszeitung
TSP Tagesspiegel
BLZ Berliner Zeitung
Freitag Der Freitag
FTD Financial Times Deutschland
HB Handelsblatt
SPON Spiegel Online
FAS Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung
WAMS Welt am Sonntag
Montags-Artikel
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