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- Altpapier: Nachrichten auf einen Blick.

Altpapier vom Mittwoch - Superphones & Mediendarlings

Veröffentlicht: 6 Januar 2010 09:29
Verändert : 6 Januar 2010 10:39

Den Wow-Effekt, den Googles Handy verfehlt, erregen deutsche Mediendarlings: Politiker, die via GEZ Zeitungen finanzieren wollen, Konstantin Neven DuMont, Fix & Foxi.

Kaum läuft das neue Jahrzehnt, lässt sich ganz oben an der Weltspitze der Medienindustrie etwas beobachten, das es im letzten Jahrzehnt so nicht gegeben hatte: Enttäuschung über Google

Der "Wow-Effekt" blieb aus, beklagt FAZ-Blogger Holger Schmidt zur Vorstellung des nicht-etwa-Smart-, nein: "Superphones" namens Nexus One.

Der TSP zitiert die US-Website engadget.com, deren Autor das Gerät sogar bereits "für kurze Zeit in Händen gehalten" hatte: Das sei "in keiner Weise das die Erde erschütternde oder Paradigmen wechselnde Gerät, das die Medien oder die Community aufgebaut haben“.

Aufgebaut? Naja, halt die Google-Übersetzung für "it's not in any way the Earth-shattering, paradigm-skewing device the media and community cheerleaders have built it up to be."

Sueddeutsche.de, das gerade seine eigenen iPhone-Apps vorstellt ("Goldene Zeiten für mobile Leser"), bleibt gelassen und beantwortet sich die selbstgestellte Frage, ob es sich beim neuen Dings um eine Killerapplikation handelt, mit: Vielleicht, "auch viele kleine Stiche können töten".

Den state of the art deutscher Digitaltools demonstriert handelsblatt.com, das beim Erstbesuch des Überblicksartikels "Google greift das iPhone an" mindestens in jedem Absatz den Service bietet, sich Informationen zur Google- und Apple-Aktie einblenden zu lassen.

Eine weitere mediale Sensation aus den USA zieht ihre Kreise. Wie gestern die Süddeutsche, berichtet heute die FAZ (S. 33) über den Erfolg Rupert Murdochs, der ja "auch schon im Internet gegen die Kultur der kostenlosen Nutzung von Medieninhalten anrennt", in seiner Fernseh-Auseinandersetzung mit dem Kabelnetzbetreiber Time Warner Cable: "Die von Murdoch erstrittene Vereinbarung dürfte beispielhaft auch für andere Sender sein".

Auf die gestern im Altpapierkorb gestellte Frage, "was heißt das für Deutschland, Herr Doetz?", antwortete Jürgen Doetz tatsächlich: Nicht irre viel bedeutet es, "Thema uralt, Forderung dto" - und so verhandeln Kabelbetreiber und Programmveranstalter für die Digitalkanäle neue Einspeiseverträge, "denn die digitale Welt stellt nicht nur neue Fragen, sondern verlangt auch differenzierte und differenzierende Antworten".

In ungefähr genau diesem Sinne führt das Hamburger Abendblatt seine gerade begonnene medienpolitische Debatte fort (wobei übrigens der FDP-Medienpolitiker, der den Anfang machte, nicht Burkhardt Müller-Sönsken heißt, wie gestern im TSP und auch hier stand, sondern unter dem Namen Müller-Sönksen ein Pionier von Forderungen à la ZDF-Privatisieren! ist).

Heute nennt der SPD-Medienpolitiker Marc Jan Eumann Müller-Sönksens Forderung, die GEZ abzuschaffen, "medienpolitisches Abführmittel" und überrascht selbst mit der Idee, dass in zehn Jahren vielleicht auch "die Lokalzeitung in Schleswig-Holstein oder das Stadtteil-Wiki in Hamburg" aus Rundfunkgebühren finanziert werden könnte. (Sein Beitrag, der am frühen Morgen nur entgeltpflichtig online stand, ist inzwischehn gratis zu haben).

Wir sind schon jetzt gespannt, was dazu der erste deutsche Mediendarling des Jahrzehnts, Konstantin Neven DuMont, der "an polemische Pöbeleien" seine "intellektuelle Intelligenz" schult (der mutmaßlich echte Neven DuMont im meedia.de-Interview) bzw. "der sich in Stefan Niggemeiers Blog um Kopf und das erblich bedingte Ansehen redet" und "als Lulatsch bestens geeignet wäre, Peter Alexander als 'Charleys Tante' zu beerben" (TAZ heute), in seiner Eigenschaft als Lokalzeitungs-Verleger sagen wird.

Wo soviel frischer Wind durch die Medienszene weht, noch die gute Nachricht (via tagesspiegel.de bzw. DPA), dass an diesem Freitag die uralten deutschen Comicveteranen Fix und Foxi wiederkehren: "in den Handel", aber auch ins Netz, in dem "mehr als 350 ältere Ausgaben" abrufbar seien:

"Sie können laut Verlag mit diversen Endgeräten gelesen werden: Im Internet als Livebook, auf eBook-Readern, auf dem iPhone oder jedem browsergestützten, internetfähigen Smartphone. Demnächst sollen alle 'Fix & Foxi'-­Ausgaben auch als eigene iPhone Apps zu beziehen sein. Die Sony Playstation Portable werde ebenfalls beliefert, hieß es."

Bzw., wie Alexandra Kauka es formuliert:

"Prof. Knox hatte die richtige Lösung parat: Man könnte z.B. Print und Digital-Medien kombinieren, nicht wahr?"

© Altpapier/ Christian Bartels

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+++ In Topform: die deutsche Abkürzung. Die mit der Übernahme der deutschen AP durch die DDP entstandene Nachrichtenagentur APD "muss ihre Meldungen vom 1. Februar an mit einem neuen Rubrum versehen. Zunächst hieß es, es könne 'DAPD' lauten, der Geschäftsführer Franz Maurer sagte jedoch (im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa), das Kürzel werde 'APN' lauten (was allerdings wiederum entfernt an die alte DDR-Nachrichtenagentur 'ADN' erinnert). Für das Kürzel 'APD' liegen die Wortschutzrechte nämlich - so meldet der Evangelische Pressedienst (epd) – beim Adventistischen Pressedienst (APD), wie dessen Chefredakteur Holger Teubert erklärte." (FAZ, S. 33). +++ Frankreich ist, was Internetfinanzierung betrifft, schon einen Schritt weiter. "Die französische Regierung subventioniert Internetmedien. 60 Millionen Euro stellt sie in den kommenden drei Jahren bereit", meldet ebenfalls die FAZ. Die Summe steht vor dem Hintergrund, dass "die gedruckte Presse" in diesem Jahr mit 900 Mio. Euro subventioniert wird. +++ "Die Reality-Doku-Soap-Welle rollt im Januar mit nie gekannter Heftigkeit in deutsche Haushalt", fasst der Tagesspiegel zusammen. Ein besonders auffälliger "Fernseh-Lemming": der ZDF-Digitalsender Neo mit seinen "Promi-Paukern" Heide Simonis, Manuel Andrack und Gülcan Kamps. +++ Und DSDS ist bei dieser heftigen Reality-Doku-Soap-Welle noch gar nicht eingerechnet (ebd.). +++ Übrigens hat TAZ-Medienkriegsreporterin Silke Burmester (bereits oben verlinkt, aber ebenfalls multithematisch) bei Stern-Chefredakteur Thomas Osterkorn nachgefragt, ob er mit seinem Editorial ("Mein Unwort des Jahres heißt 'sparen'", nicht frei online, siehe kress.de) "unter die Aufmucker gegangen ist". +++ Wegen Twitter und Skype entfällt immer öfter das physische Nebeneinandersitzen beim Fernsehen (Berliner Zeitung). +++ Jetzt auch im KSTA: Arzuhan Dogan Yalcindag, Aydin Dogan und Tayyip Erdogan. Nun frei online verfügbar: die FTD-Agenda "O, manisches Reich!". +++ Der heutige ARD-Film "Jeder Mensch braucht ein Geheimnis" erinnert Marie Katharina Wagner in der FAZ "an Thomas Vinterbergs 'Festen'". Die TAZ doch eher an die freitäglichen Degeto-Filme der ARD. +++ Die Süddeutsche Zeitung ist heute wegen des Feiertags Heiligdreikönig nicht erschienen. +++


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