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- Altpapier: Nachrichten auf einen Blick.

Altpapier vom Donnerstag - Schwerter gegen Schnipsel

Veröffentlicht: 21 Januar 2010 09:13
Verändert : 21 Januar 2010 10:22

Neues aus der Zukunft der Medien: Das Leistungsschutzrecht ist vielleicht doch kein scharfes Schwert. Googles Snippets sind vielleicht doch nicht unschädlich.

Was macht eigentlich das Leistungsschutzrecht? Im laufenden Jahrzehnt noch nichts gehört vom 2009 so vielverprechenden Aufreger (siehe Altpapier).

Bis gestern abend zumindest, als in der Heinrich-Böll-Stiftung in Berlin unter dem Titel "Gottes Werk und Googles Beitrag" mal wieder erschöpfend darüber diskutiert wurde. Wer gut zwei Stunden Zeit hat, kann sich die Veranstaltung hier bei Carta ansch... nein, anschauen wäre zuviel gesagt. Außer dass sich ab und an einige der Köpfe im Bild bewegen (im wörtlichen Sinn), passiert visuell nicht viel.

Aber anhören wäre durchaus ganz interessant. Unter der Diskussionsleitung Matthias Spielkamps (Zusammenfassung bei irights.info) sagte der amtierende Springer-Außenminister Christoph Keese zum Beispiel: "Es gibt so gut wie keine journalistische Website, die Geld verdient" und "Das schärfste Schwert ist das Kartellrecht". Das soll erklären, warum die deutschen Presseverlage vor dem Bundeskartellamt gegen Google vorgehen (siehe Altpapier).

Das Leistungsschutzrecht soll also kein ganz scharfes Schwert sein. Keese beließ dem Begriff aber seine schillernde Offenheit. Wer gegebenenfalls wirklich einmal aus Leistungsschutzgründen GEMA-artige Abgaben für die gewerbliche Nutzung von Onlineartikeln bezahlen soll, wenn denn nicht Google (das es nicht sein soll), das darf weiterhin gespannt erwartet werden. Gestern sprach Keese von Banken, deren Angestellte Online-Artikel über potenzielle Kreditnehmer ausdrucken und archivieren.

Leider war die Omnipräsenz des Echtzeit-Internets gestern abend noch nicht weit genug vorangeschritten, um den neuesten Aufreger in derselben Angelegenheit die Diskussion beleben zu lassen: eine Studie des kalifornischen Marktforschungsunternehmens Outsell zu den "Snippets" bei Aggregatoren wie Google News.

Diese Schnipsel erregen die deutschen Verleger bekanntlich sehr und tauchen auch immer in derlei Debatten auf. Die Studie widerlegt nun die von Google und seinen Aficionados stets gern geäußerte Ansicht, "dass die Verlage die Profiteure der Newssuche seien, weil Google ihnen die Nutzer vielmehr frei Haus liefert".

Zumindest in den USA "reichen fast der Hälfte der Besucher von Google News ... die Schnipsel völlig aus. So wie ein ungeduldiger Zeitungsleser auf vielen Seiten nur die Überschriften überfliegt, 'scannen 44 Prozent der Besucher von Google News nur die Headlines ohne die Zeitungswebseiten zu besuchen'", zitert der Tagesspiegel (siehe auch meedia.de; die Studie selbst ist paid content zu $ 1,295.00).

Da sollten interessierte Veranstalter gleich wieder eine Podiumsdebatte ansetzen. Flankierende Artikel gelten in diversen deutschen Zeitungen heute der New York Times und deren neuester, nicht aber erster Ankündigung, auf Bezahlinhalte zu setzen.

Während die Süddeutsche und die FAZ (erneut) eher knapp referieren, macht wiederum der Tagesspiegel ein größeres Fass auf.

Zwar könne sein, dass NYT-Verleger Arthur Sulzberger schon ein Abkommen mit Apple getroffen habe, dessen allerneueste Sensation, der "Tablet-PC“, sehnsüchtig auf dem Markt erwartet wird. Doch dann zitiert Sebastian Moll aus New York ziemlich fatalistische Stimmen:

"Das Einzige, was sich bei der 'Times’ in den vergangenen zwei Jahren geändert hat, ist der Grad der Verzweiflung“, heißt es bei newser.com (das ist die Seite mit dem Slogan "Read less, know more").

Und "Aussagen aus der Redaktion bestätigen diesen Eindruck der Führungsschwäche: 'Man hat nicht das Gefühl, dass hier irgendjemand weiß, wo es langgeht', sagte Kolumnist Thomas Friedman dem 'New York Magazine'. Eine beängstigende Aussage für den Rest der Branche, der noch immer gehofft hatte, dass die 'Times' dem Journalismus den Weg ins digitale Zeitalter weist."

© Altpapier/ Christian Bartels

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+++ Kai-Hinrich Renner nennt im Hamburger Abendblatt als den "wohl einzigen noch halbwegs profitablen Titel" der deutschen Wirtschaftspublizistik das Manager Magazin, dessen Online-Ableger aber dennoch kräftig entlässt. Renner vergleicht das Magazin mit der NYT, dem Abendblatt selbst und noch 'nem (Ex-)Traditionstitel: "Was geschehen kann, wenn man als Anbieter journalistischer Inhalte ausschließlich auf Werbung setzt, ließ sich zuletzt am Beispiel der 'Netzeitung' beobachten, die sich 2009 von ihrer Redaktion trennte. Sie versteht sich nun als 'automatisiertes Nachrichtenportal', dessen News ein Computerprogramm zusammenstellt." +++ Amazons Lesegerät namens Kindle ist vielleicht doch nicht der ganz große Bringer (FTD). +++ Das Internetfernsehen der Deutschen Telekom hat jetzt (nach Jahren hochpenetranter Werbung) doch die Millionengrenze an Abonnenten durchbrochen (HB). +++ Ist Google das Böse oder zumindest der "Inbegriff des Bedrohlichen"? Nein, sagt Christoph Kappes bei Carta (das unter seinem "Kaffeekasse"-Button den schönen Satz "Der Ehrenpreis für das Redaktorat dieses Dokuments geht an David Pachali" hinzufügt). +++ Ist Verlinken Diebstahl? Nein, sagt Jeff Jarvis (zeit.de). +++ Eine Reportage über Thomas Middelhoff, den erfolgreichen Immobilieninvestoren und nicht so erfolgreichen Konzernmanager, wurde in der ARD trotz Ankündigung nicht ausgestrahlt, sondern "sang- und klanglos" auf einen Nachttermin verschoben (sueddeutsche.de). +++ Die TAZ "hätte gern gewusst, was der immer für eine ehrliche Debatte und für Toleranz plädierende" Ernst Cramer, "die wohl unscheinbarste Galionsfigur" des Springer-Verlags, "von diesem K(r)ampf der alten Kämpen und der Nachgeborenen um die Deutungshoheit" zu 1968 hielt. Doch das wird man nie mehr erfahren. +++ "Das Namenslaufband ist der rote Teppich des kleinen Mannes" (Klaus Raab, BLZ). +++ "Das, was der Erfahrungspsychologe Karl Philipp Moritz schon vor gut zweihundert Jahren als joy of grief diagnostiziert hatte, half schließlich auch, die ungeheure Summe von 17859462 Euro zu erbringen": Willi Winkler zum selben Thema, der ZDF-Springer-Haiti-Gala, in der SZ. +++ Nicht wie deutsche Medien sich mit Haiti befassen, sondern die Lage der haitianischen Medien ist Thema der TAZ. +++ SZ-Medienseite: In Nanterre klagt der im Gefängnis sitzende Terrorist Carlos gegen die Produzenten eines französisch-deutschen Kino- und Fernsehspielfilms auf ein "Recht auf Einsichtnahme" und Veränderungen. +++ Christopher Keil und Michael Hanfeld öffnen die Nähkästchen des Fernsehkritikers und erzählen, dass es den manchmal auch für die ARD tätigen Drehbuchautoren mit dem Pseudonym Leo P. Ard wirklich gibt (Dahinter "steht der Journalist Jürgen Pomorin", Keil/ SZ), bzw. warum viele Fernsehfilme so wie derzeit Dieter Wedels Langeweiler zunächst bei Arte und dann erst bei ARD oder ZDF laufen ("Arte ... gibt Geld, darf unter Umständen inhaltlich mitreden und erhält dafür das auf sechs Monate befristete Recht der Erstausstrahlung", Hanfeld/ FAZ). +++ Die BLZ lässt die peinlichsten Momente in bisherigen Celebrity-Soaps des deutschen Privatfernsehens Revue passieren. +++ Die FAZ schaut auf die schönsten Programmvorhaben des SWR voraus (S. 35). +++ Der TSP beschäftigt sich via DPA mit den Klums. +++


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