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Altpapier vom Freitag - Tipps gegen die Kälte

Veröffentlicht: 22 Januar 2010 09:06
Verändert : 22 Januar 2010 10:08

Das Netzwerk ist der neue Filz - oder war´s umgekehrt? Und: Hilft der Perlentaucher nun gegen Parodontose oder nicht?

Es ist ja gerade wieder ziemlich kalt draußen. Und das wird wohl eine Zeit lang noch so bleiben. Ja, genau: auch im übertragenen Sinne.

Was Besseres als Filz (jüdische Vermächtnisse einmal ausgenommen) kann einem also eigentlich nicht passieren. Denn Filz ist, laut der Wikipedia, temperaturbeständig, schallhemmend, kältehemmend, feuchtigkeitsabweisend und so weiter, weil "aus einem ungeordneten, nur schwer zu trennendem Fasergut" bestehend.

"Filz, so kann man folgern, ist die Metapher für einen Zustand, den die Betroffenen selbst lieber als Netzwerk beschreiben", meint Michael Angele in seinem Freitag-Blog.

Nur beherrschen halt leider immer weniger Menschen dieses gute alte Handwerk des Filzens, und deswegen – lange Einführung, kurzer Sinn – hat man die Medien erfunden, siehe Symbolfoto. Auf dass wir weiter im Trockenen sitzen, nicht alleine sind und es ordentlich warm haben.

Zum Beispiel am Esstisch irgendwelcher Leute (by the way: Happy Birthday, "Das perfekte Dinner"! Vgl. KSTA). Oder in irgendeiner so genannten "social community". Oder im Big-Brother-Haus.

Letzteres garaniert trotz des beeindruckenden Verfilzungsgrads wenigstens noch ein relativ hohes Maß an Anonymität laut Michael Moorstedt (SZ):

"Nicht zuletzt das eigene soziale Netzwerk im Internet fordert eine Offenlegung des Menschen, wie sie Big Brother gar nicht leisten kann. Zehn Jahre nach dem Start wird der RTL-2-Container mit im Schnitt einer knappen Million Zuschauer insofern fast zu einer Art Rückzugsort."

Auch wenn man diesen Verfilzungswilligen das Filzkonzept freilich etwas umständlicher beibringen muss:

"Um dem in die Jahre gekommenen Konzept neue Luft zu verleihen, gibt es jetzt zwei Häuser. Die Bewohner des sogenannten Messie-Hauses wissen nichts von der anderen Gruppe. Die sitzt im Luxus-Haus und hat ein Live-Bild der Konkurrenten. Anstatt Menschen im Fernseher zu betrachten, sieht man jetzt Menschen, die Menschen im Fernseher betrachten."

Mensch, RTL 2! Das Konzept mit dem Rauswählen (vulgo: Selektion) ist ja im Prinzip perfekt zum Quotensteigern geeignet, wie man weiß und gerade in den USA wieder feststellen darf, wo Conan O´Brien nun, da er endlich auch offiziell gegangen wurde, bessere Zahlen vorweisen kann als je zuvor (dwdl).

Die Leute wollen aber hinter die Kulissen blicken und nicht immer wieder nur davor! Die wollen die echten Schläge immerhin ahnen können und nicht dauernd nur Angst ums Silikon von sexy Cora haben müssen. Sind doch eh alle viel zu nett, vulgo: verfilzt, zueinander.

Für ein paar mehr offen harsche Worte soll jetzt immerhin die "heute-show" sorgen, die ab sofort wöchentlich auf Sendung geht (STZ = FR). Und sorgte bereits gestern Hilal Sezgin, indem sie in der ZEIT ihrem Ärger über den Perlentaucher Luft machte, den sie – Achtung, jetzt wird´s ein wenig kompliziert! – als das Gegenteil von Zahnseide metaphorisierte,

"die nämlich eine zivilisatorische Neuerung ist, von der man weiß, dass sie ungeheuer wertvoll sein kann – welches Wissen nichts daran ändert, dass man allabendlich, wenn sich die Müdigkeit nähert, aus reiner Faulheit doch ungeseidet zu Bett geht.

Mit dem Perlentaucher ist es, wie gesagt, andersrum: Obwohl man weiß, dass er nichts taugt, lässt einen die allmorgendliche Faulheit immer wieder jene Website aufrufen, die verspricht, einen mit entstellenden Zusammenfassungen und minimal hintersinnigen Kommentaren in kürzester Zeit fehlzuinformieren."

Was wir nur nicht verstanden haben: Kriegt man davon jetzt dann Paradontose oder nicht? Und: Hilft dagegen womöglich ein wenig Filz?

© Altpapier/Katrin Schuster

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+++ Hier Perlentauchers recht kurze Antwort auf Sezgin +++ @maiksoehler Ein Grund fuers Twittern war, dass man hier von Claus Kleber verschont blieb. Das hat sich geaendert: @clauskleber +++ Back to the Schreibmaschine, sagen Feridun Zaimoglu sowie ein namenloser Student. +++ Laut Horizont fühlt sich Helmut Marktwort [sic!] von Hans-Jürgen Jakobs gestalkt. Wiederholt wird der Vorwurf auch im Gespräch mit Zapp. Der TAZ-Hausblog korrigiert die Auflagen-"Korrekturen", die Markwort dort ebenfalls erwähnt. +++ Im Tagesspiegel verspricht Uli Baur nicht nur mehr "harte Titelthemen" , sondern auch harte Entscheidungen, i.e. weniger Mitarbeiter. +++ Braucht´s die denn überhaupt noch, gerade im Kulturbereich, wenn die ohnehin nichts anderes zu sagen haben als die zuständigen Pressestellen? (WOZ wie ZEIT) +++ Außer, klar, diese Pressestellen tun nur so, als ob sie welche seien. +++ Die KJM-Rügen im Überblick gibt es bei dwdl. +++  Fängt so gut an, hat ja auch Recht, endet aber dann leider mit überflüssigem Eigenlob: Bernd Gäbler über Versäumnisse der Medien  in Sachen Afghanistan (stern.de). +++ "Die alten Medien brauchen die jungen Medien, und nicht umgekehrt. Und nicht nur in Haiti." (Weltwoche) +++ War das wirklich China? Und was will Google wirklich? (Merkur) +++ Hillary Clinton verspricht jedenfalls gleich mal 15 Mio. Dollar für die Meinungsfreiheit im Internet (FAZ, S.5). +++ Russische Journalisten wehren sich per Protestbrief (NZZ) +++ Der Falter schreibt derweil an den lieben Herrn Wrabetz! +++ Das ist doch nix Neues, dieses ARD-iPhone-App, meint Daniel Bouhs in der TAZ. Was wiederum nix Neues ist. +++ Dito: Mercedes Bunz´ Idee der iTunes für Verlage. +++ Geschmacklosigkeit fällt manchem eben erst später auf: Über einen Werbespot, der anlässlich des Erdbebens in Haiti zurück gezogen wird, berichtet Telepolis. +++ "Wenn eine erfolgreiche Hamburger Neuro-Psychiaterin nach vielen Jahren widerwillig in ihre afrikanische Heimat zurückkehrt, ist es nur eine Frage der Zeit, bis sie versonnen an einer Handvoll roter Erde schnuppert." (SZ). Ähnliche Meinungen über "Ellas Geheimnis" haben TAZ und Tagesspiegel. +++

 

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