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Altpapier vom Dienstag - Heimatkunde und Effizienz

Veröffentlicht: 26 Januar 2010 08:45
Verändert : 26 Januar 2010 11:10

DLD, CEO, CLO, GEZ, ARD, DPA - Buchstaben, die die Welt bedeuten.

Digital Life Design – ist das eine Name für eine Konferenz? Wie auch immer: Burda hat in den vergangenen Tagen nach München geladen zum/zur/zu DLD. Und die hochkarätige Gästeliste findet ihren Ausdruck nun in verschiedenen Medien.

Für die FAZ hat Holger Schmidt mit Jeff Jarvis gesprochen (Seite 17), dem beliebten Professor, Blogger, Google-Versteher und Journalismus-Propheten. Es geht um: den Journalismus der Zukunft.

Bezahlinhalte – die, wie wir aus der FTD leicht zu vermeiden sind – sind nicht die Lösung, meint Jarvis.

"Zahlschranken im Internet lösen die Probleme der Zeitungen nicht. Damit können sie ihr altes Geschäft nicht retten. Die Zeitungen müssen die Struktur ihres Geschäftes ändern und an ihren Kostenstrukturen arbeiten. Viele Dinge müssen effizienter erledigt werden."

Klingt gut, ist aber für jemanden, der an das denkt, was er hat, irgendwie auch eine Schreckensvision. Und so lesen wir – wir befinden wir uns im Wirtschaftsteil der FAZ! – vorsichtigen Zweifel am Futuredesign der Wirtschaftssprache. Schmidt:

"Mehr Effizienz klingt noch recht harmlos."

Kommt drauf an, in wessen Ohren, könnte man ganz schlaubergerisch meinen. Um Google geht es naturgemäß auch. Angesprochen auf die Kartellamtsbeschwerde der deutschen Verlage, sagt Jarvis:

"Das Verhalten der deutschen Verleger ist bedauerlich. Sie möchten jemandem die Schuld an ihren eigenen Problemen geben. Google sendet ihnen Leser, und sie wissen nicht, was sie damit anfangen sollen. Es ist doch nicht die Aufgabe von Google, mit diesen Lesern Geld zu verdienen; es ist die Aufgabe der Verlage."

Was die Aufgabe von Wikipedia ist, erklärt der Gründer der Web-Enzyklopädie Jimmy Wales, den sich die SZ gegriffen hat:

"Sie werden in der Wikipedia keine Perspektive finden, die gleichermaßen brillant wie schrullig ist. Würden Sie versuchen, ein großartiges Drehbuch oder einen Roman nach den Wiki-Kriterien der Neutralität und der Quellenangabe zu produzieren, würde das furchtbar in die Hose gehen."

Nicht in die Hose gehen muss laut Wales übrigens der Kapitalismus, nur weil bei Wikipedia alle mitmachen dürfen. Dass die endlosen Weiten des Netzes dagegen nicht dafür da sind, endlos Informationen zu produzieren, ist auch klar:

"Es gibt meiner Meinung nach einige Dinge, die man getrost rausschmeißen könnte. Zum Beispiel Biographien unbekannter Menschen, da sie Vandalismus anziehen, schwierig zu pflegen sind, Quellen fehlen."

Paul-Bernhard Kallen, der neue Burda-CEO, ist kein Unbekannter, aber einen Wikipedia-Beitrag hat er nicht. Ebenfalls bei der DLD-Konferenz absolvierte er nun seinen ersten öffentlichen Auftritt in besagter Funktion, bei dem er es mit Jarvis und einem Google-CLO (David Drummond) zu tun hatte. Stefan Winterbaucher resümiert auf Meedia.de:

"Die Differenzen zwischen dem Such-Riesen und der hiesigen Verlegerschaft konnten auch in der DLD-Diskussion, wenig überraschend, nicht gelöst werden. Doch Kallen diskutierte besonnen, war durchaus auch angriffslustig und klar in seiner Argumentation. Für den neuen CEO, der stets als Mann im Hintergrund galt und agierte, war der Auftritt auf dem DLD ein solider Start auf der öffentlichen Bühne."

Einen soliden Start – wer verspricht ihn sich nicht auch von dem neuen Apple-Tablet, das wohl iSlate heißen wird und aller Voraussicht am 27. Januar vorgestellt wird. Johan Schloemann nimmt im SZ-Feuilleton-Aufmacher das Neue (Slate) zum Anlass, an das Alte (=Schiefertafel) zu erinnern.

Wobei der Beitrag nicht nur deshalb lesenswert ist, weil er die Rückkopplungen im Sound of Medienwandel beschreibt, sondern auch eine kleine Heimatkunde bietet:

"Den beiden Kleinstädten Steinach und Ludwigsstadt tritt man nicht zu nahe, wenn man feststellt, dass dort jeweils ein instruktives historisches Schiefermuseum die einzige Attraktion für Besucher des Ortes darstellt."

Solch einen Satz würde man in einer Modezeitschrift wohl eher nicht finden. Auch wenn es da auch nur um Medienwandel geht: Sonja Pohlmann widmet sich im Tagesspiegel der Kulturtechnik des Retuschierens, gegen das eine französische Politikerin vorgehen will, um jungen Mädchen nicht falsche Illusionen über ihr Selbst zu machen.

"Als es noch keine Fotografie gab, haben Maler mit Farben bestimmte Seiten stärker betont, als es noch keine digitale Fotografie gab, haben Fotografen mit Papier und Technik Bilder manipuliert. Mit der digitalen Technik hat das Ausmaß der Bearbeitung jedoch erheblich zugenommen."

Und sie wird, wenn wir dem Artikel Glauben schenken, auch nicht abnehmen.

Der Fotograf "Alexander Gnädinger plädiert deshalb dafür, schon in der Schule so viel Medienkompetenz zu vermitteln, dass Kinder und Jugendliche manipulierte Bilder erkennen. Das sei zwar keine Garantie, um Komplexe zu vermeiden. 'Aber immerhin ein Weg, um wahre Schönheit von digitaler Schönheit unterscheiden zu können', sagt er."

Ein klassischer Jarvis: Das Lernen höret nimmer auf.

© Altpapier/Matthias Dell

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+++ Der Focus hat indes ja erstmal angefangen mit dem Aufhübschen. Michael Hanfeld ist ziemlich zufrieden mit dem Relaunch, naturgemäß besonders da (Guido Knopp! – der KSTA würdigt ihn kritisch), wo der GEZ-Brass raus darf: "Derart 'neue Seiten' kann 'Focus' öfter zeigen." +++ Die SZ (Seite 15) reagiert eher zurückhaltend: "Was zuerst auffällt, ist, dass Markwort und Baur eher unauffällig renoviert haben." +++ Ähnlich reserviert wird das neue Heft im "Meedia-Check" durchgeblättert und gegen den Spiegel gehalten. +++ Ulrike Simon konzentriert sich bei ihrer Focus-Lektüre in Berliner-FR vor allem auf die Tatsache, dass der Relaunch ohne den upcoming Ulli-Baur-Chefredakteurskompagnon Wolfram Weimer stattfand. +++ PC-GEZ-Brass ist auch keine Lösung: Dieter Anschlag ruft in der Funkkorrespondenz zur Geduld für die Neuregelung des Gebührenmodells bei veränderten Rezeptionsbedingungen auf und stellt fest: "Das Gezeter kommt aus einer Ecke, die den öffentlichen-rechtlichen Rundfunk nur noch als Konkurrenten betrachtet und ihn deshalb aus leicht durchschaubarem Eigeninteresse als Wettbewerber bekämpft." +++ Als Beleg, zumindest für die Forderung nach Geduld, kann eine SZ-Meldung dienen, die wieder mal ein Urteil zur PC-Gebühr vermeldet. +++ Nicht richtig glücklich ist Stefan Fischer in der SZ (Seite 15) mit der Erfindung eines zentralisierten ARD-Radiofeatures, das naturgemäß auch Kosten spart bei den Autorenhonoraren. +++ Katja Kessler verabschiedet sich von ihrem Gastspiel auf "Schatzis" Blog – vom Urteil gegen Kai Diekmann, der unter dem Vorwand der Satire Scherze auf Kosten von Christian Bommarius getrieben hatte, ist dagegen  nichts zu lesen. Man kann das in SZ und Berliner tun, wo Bommarius als Leitender Redakteur arbeitet. +++ Datenschutz und World of Warcraft (WoW) – das matcht irgendwie nicht (FAZ, Seite 33). +++ Die TAZ orientiert schon mal über den nächsten Nico-Hofmann-Schocker "Die Grenze", der mal nicht die Highlights der deutschen Nachkriegsgeschichte als Menage-à-trois erzählt, sondern in die Zukunft schaut. +++ Henryk M. Broder, der sich gestern noch im Tagesspiegel gegen die Kritik an seiner, äh, Form der Islamkritik, nun ja, verteidigt hat, stimmt uns heute im Tagesspiegel ganz vorfreudig auf das Fernsehen, in dem er künftig nicht mehr nur als Talkshowgast auftreten wird. +++ Die Berliner-FR portraitiert die Schauspielerin Janina Hartwig ("Um Himmels Willen"). +++ Die TAZ berichtet von der neuen Sorgfaltspflicht bei DPA. +++ Und die Funkkorrespondenz stellt 3D-Fernsehen in Aussicht: in fünf Jahren. +++


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