Altpapier vom Mittwoch - Raus aus den Schubladen
| Veröffentlicht: | 27 Januar 2010 09:26 |
| Verändert : | 27 Januar 2010 10:35 |
Gratishandys von Google, gelungene Fernsehfilme, heiße Investionsfelder und ein kleiner Boom im Medienjournalismus sorgen für gute Laune.
Ein frischer Hauch von Aufbrauchsstimmung weht durch die Medienmedien. Und das nicht nur, weil Google bei Hubert Burdas Digital Lifestyle-Sause sein neues Nexus One-Handy "am Ende massenhaft an Teilnehmer verschenkte" (womöglich gar unter dem "Druck des Marktes", meedia.de), und sowieso "als Sponsor das Mittagessen" zahlte (Süddeutsche Zeitung; um Nicht-Insassen der Branche keinen falschen EIndruck zu vermitteln: Kostenfreie Mittagessen auf Konferenzen ist man in den Medien aber ohnehin gewohnt).
Nein, völlig unabhängig davon wird ein ganz neues Medienressort die Berichterstattungslandschaft bereichern: Ab Montag bekommt sueddeutsche.de eines, das nicht nur die bisher in der Tat online ziemlich ungebündelten Medienberichte der Süddeutschen Zeitung bündeln soll, sondern sie mit "eigener Chefin" (Christina-Maria Berr) und "eigenem Budget" auch um weitere Berichte ergänzen. Das berichtet meedia.de.
Eine Kernkompetenz soll offenbar in besonders umfassender Getalke-Besprechung liegen. Chefredakteur Hans-Jürgen Jakobs schätzt, "dass wir etwa die Hälfte von Beckmann, Anne Will & Co. selbst besprechen werden - und für die andere Hälfte externe Mitarbeiter gewinnen“.
"Mit ziemlicher Sicherheit eine gute Nachricht" sei aber auch, so taz.de, dass Stefan Niggemeier "sich verändern will". Dem Kontext lässt sich mit ziemlicher Sicherheit entnehmen, dass diese Einschätzung sich nicht aufs künftig Niggemeier-ärmere Bildblog bezieht. Sondern auf die noch ungenannten weiteren Pläne des künftigen Herausgebers.
Das Bildblog selbst will fortan, so der neue ... Chefredakteur? ... zumindest: laut Telemediengesetz Verantwortliche, Lukas Heinser im Interview (schon wieder das immer umtriebigere meedia.de), Geschichten bringen, "die noch stärker hinter die Kulissen des Medienbusiness blicken."
An Themen für soviel Medienjournalismus herrscht aber auch kein Mangel. Allein die "where's the money?"-Frage, die Journalisten bekanntlich oft hilft, wenn sie sich einem Thema nähern, bringt auch an diesem Mittwoch einige Erkenntnisse.
Zunächst zurück zur (sonst an Nicht-Nachrichten reichen) DLD in München: Das "Best of DLD 2010" des FAZ-Bloggers Holger Schmidt besticht vor allem als Porträtfoto-Reportage (achten Sie auf Mike Schroepfer von Facebook!), enthält aber auch interessante Aussagen in Wortform.
"Nachrichtensuchen wie 'Afghanistan' generieren keine Umsätze bei Google", sagte zum Beispiel Google-Vertreter David Drummond. "Die heißesten Investitionsfelder" hingegen benannte Jim Breyer im Namen der Risikokapitalgesellschaft Accel: "Mobile Advertising (Admob), Social Commerce (Etsy) und Virtualisierung/Cloud Computing (VMWare)".
In Zeiten wie diesen sollte man unter betriebswirtschaftlichen Aspekten auch nicht wählerisch sein, findet Fernsehproduzent Christian Popp:
"Ich nehme das Geld von dort, wo es herkommt. So ist das Fördersystem, übrigens nicht nur mit Steuergeldern. Die Kinobranche ist ohne Subventionen gar nicht überlebensfähig. Teure Projekte sind auch im Fernsehen nicht aus dem Markt heraus finanzierbar. Die Budgets sinken, da kommt die Förderung gerade recht."
Diese Kaskade von guten Argumenten ist die interessanteste Passage im Interview, das Popp dem Tagesspiegel gibt. Anlass: Die Telenovela-Firma Producers at Work macht über eine Tochter jetzt auch in TV-Movies. Gut, dass diese Firma zu zwei Dritteln dem Fernsehkonzern ProSiebenSat.1 gehört, hätte man vielleicht erwähnen können. Trotzdem interessant, wie z.B. die von Popp produzierte Sat.1-Serie "Anna und die Liebe“ auch von Brandenburger Landes-Strukturförderung profitiert.
"Das, was man tut, um sein Leben zu finanzieren oder weil es einem Spaß macht, sagt nichts über die Fähigkeiten aus. Lange Zeit steckte auch ich in Schubladen fest und war ein Regisseur, der mal nur Action, mal nur Komödie, mal nur frauenaffine Themen machen konnte. Aber wenn man die Chance bekommt, etwas anders zu machen, kann man es genauso gut."
Das wiederum sagt im lesenswerten TAZ-Interview der Regisseur Dror Zahavi, der einst Fernsehfilme wie "Zwei Mädels auf Mallorca" und "Mutter auf der Palme" drehte und seit seiner Reich-Ranicki-Biografie "Mein Leben" in einer anderen Liga spielt.
Hier geht es um seinen heutigen ARD-Fernsehfilm "Zivilcourage" mit Götz George als Antiquar mit 68-er-Wurzeln in einem Berliner Problemviertel - und an der zitierten Stelle auch um den Drehbuchautor Jürgen Werner, der zuvor "Marienhof"- und "Forsthaus Falkenau"-Folgen schrieb.
"Zivilcourage" erhält heute viel großes Lob... (weiter im Altpapierkorb)
| © Altpapier/ Christian Bartels |
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+++ "Zivilcourage" erhält heute viel großes Lob (TSP, BLZ), am sprachschönsten in der FAZ (Jochen Hieber: "....Kunstgelingen der Kiezkatastrophe ...."). Was noch mehr den Wunsch weckt, den Film tatsächlich anzusehen: dass er nicht überall so blendend besprochen wird, sondern zumindest die Süddeutsche einen anderen Akzent setzt ("Und dann die Auflösung: ARD-Mainstream mit pädagogischem Ziel. Ghettokid lernt lesen, alter Mann rappt auf Shakespeare. Das ist nicht schlecht, aber bestenfalls ein Anfang"). +++ Das Kulturkampfblog bei zeit.de hat "keinen Medienmanager gesehen, der sein Nexus" - das auf der DLD verschenkte Google-Handy - "nicht abholte oder gar zurückgab." +++ Where's the money IV: Die FDP will "die neue Rundfunkgebühr analog zur Kirchensteuer von den Finanzämtern einziehen lassen"? taz.de über aktuelle Politikermeinungen zu künftigen GEZ-Alternativen... +++ ... vor dem Hintergrund, dass die Finanzbedarfermittlungskommission KEF sich aktuell gegen eine Gebührenerhöhung aussprach (HAB). +++ Vor ähnlichem Hintergrund liegt eine neue Petition für einen "offenen, abgaben- und diskriminierungsfreien Zugang zu Online-Angeboten" vor (Carta). Hauptpetent Robin Meyer-Lucht meint allerdings selbst: "Die Petition ist deshalb so vorsichtig formuliert, damit überhaupt die Chance besteht, sie als Petition an den Bundestag in das öffentliche Verfahren zu bekommen. Das ging augenscheinlich zulasten der Klarheit. Zudem kommt die Petition wahrscheinlich einfach zu früh." +++ Where's the money V: "Viele Mitarbeiter von Europas größtem Medienkonzern", der Bertelsmann AG, "können sich auf Rendite freuen - wenn sie einen Genussschein ihrer Firma besitzen", berichten die Bertelsmann-Mitarbeiter von der FTD. +++ "Aus Anlass des 175-jährigen Bestehens kündigt Bertelsmann die weitere Aufarbeitung der Firmengeschichte an" (SZ). Und weckt schon mal mit bertelsmann.de/175 Vorfreude. +++ Kaum droht die Süddeutsche mit Talk-Dauerbeobachtung online, steigert sich die FAZ in neue Superlative: Reinhold Beckmann ist der reichste... pardon: "reifste Talkmaster im Ersten", heißt es dort (derzeit nicht frei online) zur Show mit Thomas Gottschalk und Hans Küng. +++ Bzw.: "Gottschalk wollte katholischer Pfarrer werden" (HAB). +++ Quasi-Gegendarstellung in der FAZ zum nicht mehr verfügbaren Bericht aus dem September 2009: Als der WDR 147 Mio. Euro bei der Hypo Real Estate anlegte, da hat er "rechtmäßig Mittel aus dem Deckungsstockvermögen für die Altersversorgung seiner Mitarbeiter investiert." +++ Jene St. Pauli Nachrichten, bei denen einstmals Stefan Aust und Henryk M. Broder arbeiteten, gibt es doppelt: als das längst "auf Hosenschlitzhöhe abgerutschte" Original und als St. Pauli - das Kiez-Magazin. Berichtet die Süddeutsche, die letzteres Heft aber soo toll auch nicht findet. +++ Die BLZ verwendet den offenbar sehr umtriebigen Leserbriefschreiber Werner Klopsteg, um ihren Lesern (und den Frankfurtern) nochmal zu erklären, wie die Blogs, Twitter und Facebook funktionieren. +++ Das neue ARD-"Radiofeature" "ist Einschränkung und Aufwertung zugleich" (BLZ). Das Feature an sich "ist das Filetstück des Radiojournalismus" (TAZ). +++ "Und kurz vor Mitternacht melden sich 'Heiße Girls', die sehr einsam sein müssen, weil sie so sehr darum betteln, angerufen zu werden": Peer Schader hat für die BLZ das gut überschaubare Programm des Fernsehsenders "Das Vierte" überschaut.
Am Donnerstag komplettiert das Altpapier ab 9.00 Uhr wieder das Informationsbedürfnis
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4.) Große Verlagskoalition? (sueddeutsche.de)
5.) Deutschlandkarte: Lokalzeitungen (zeit.de)
Kürzel & Quellen
FAZ Frankfurter Allgemeine Zeitung
TAZ die tageszeitung
TSP Tagesspiegel
BLZ Berliner Zeitung
Freitag Der Freitag
FTD Financial Times Deutschland
HB Handelsblatt
SPON Spiegel Online
FAS Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung
WAMS Welt am Sonntag
Montags-Artikel
1.) Michalis Pantelouris über den Offenen Brief der Bild an Griechenlands Ministerpräsident
2.) Der Freitag schlägt 19 Prozent MwSt für die Bunte vor
3.) Der Spiegel-Text von 2009, den der Spiegel heute (vorerst nur Print) quasi zurückzieht






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