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- Altpapier: Nachrichten auf einen Blick.

Altpapier vom Montag - Wo ist "hier"?

Veröffentlicht: 1 Februar 2010 08:24
Verändert : 1 Februar 2010 10:17

Touch me, Babe! Das iPad gehört jedenfalls nicht zu den unterrepräsentierten Themen der Medienseiten: Restaurationsvorbote, Fortschrittsnullsumme, Wirtschaftsmetapher.

Mal was ganz anderes.

"Behinderte, alte und kranke Menschen sind im Krankenhaus auf sich alleine gestellt. Ihre Betreuer, die Patienten mit Pflegestufe 3 oftmals jahrelang begleiten, dürfen nicht mit in die Klinik. Zu teuer, befinden die Krankenkassen. Noch nie gehört? Keine Zeile darüber gelesen? Kein Wunder."

Denn der "Notstand im Krankenhaus" ist eines der Themen, das am Wochenende von der Initiative Nachrichtenaufklärung (INA) zu einem der am stärksten vernachlässigten des Jahres 2009 gewählt wurde.

Darüber informiert die Berliner. Und die Internetseite der INA, auf der steht (Stand 1.2.10, 8 Uhr):

"Die Jury der Initiative Nachrichtenaufklärung hat am Samstag, 30.1.2010, die TOP 10 der vernachlässigten Themen 2009 gewählt.
Die Pressemitteilung mit Infos zu den neuen TOP 10 finden Sie hier."

Wo aber ist "hier"? Selbst wenn man alle Wörter mit dem Maus-Cursor streichelt und die Seite nach interaktiven Flächen absucht - nichts.
[Laut INA-E-Mail von 9.06 Uhr werde wegen eines Fehlers bei der Programmierung der Homepage die Pressemitteilung noch nicht auf der Startseite angezeigt. Aber: Hier (PDF) auf einer Unterseite stehen die Top 10 im Einzelnen]

Vielleicht ist die Meldung ja auf Wurstfinger-Touch-Screen abgerichtet, aber noch haben wir kein iPad, mit dem das ausprobiert werden könnte. Das iPad wiederum hat nicht die Sorgen, die der "Notstand im Krankenhaus" hat - es findet Beachtung, und zwar nicht zu knapp.

Von den Jungs, of course. Auf die sexuelle Dimension der Technikbefassung hatte ja bereits Wolfgang Michal am Tag danach in seiner Geräteapologie auf Carta verwiesen.

Sex ist aber nicht alles. Frank Schirrmacher macht sich im FAS-Feuilleton-Aufmacher Gedanken, über die "Politik des iPad".

"Das Gerät reduziert offenbar Komplexität in erstaunlichem Umfang. Offenbar wollen Menschen nicht permanent Präferenzen setzen. Sie überlassen das heute bereits Firmen wie Google und immer häufiger den Algorithmen. Jetzt verkörpert die Hardware diese Philosophie."

Das iPad funktioniere im Prinzip wie eine Fernbedienung, zitiert Schirrmacher Jörg Kantel, der allerdings von Fernsteuerung schreibt. Und Schirrmacher fragt sich:

"Was tut eine Fernbedienung mit Kommunikation?"

Sie wird sie völlig verändern, wie Tom Cruise das Bild des Deutschen in der Welt. Für Schirrmacher ist mit dem iPad die "Revolutionsphase de Computerzeitalters ... vorbei, jetzt beginnt die Epoche der Restauration".

In dieses Horn bläst auch Andrian Kreye in der SZ, der an die Geburt des Internet aus dem Geist des LSD erinnert. Und zu dem Schluss kommt:

"Das iPad stellt nun eine perfekte Symbiose aus den Entwicklungen der Wirtschaft und der Technik her. Es macht mit seinem geschlossenen System aus dem Nutzer einen Konsumenten und eröffnet damit die Zielgruppe der Technikbanausen; es bindet kulturelle Inhalte über iTunes und iBookstore an ein einziges Gerät; es zwingt zum Abschluss eines neuen Mobilfunkvertrages."

Oder gibt ihm die Möglichkeit, eine Mussolini-App hochzuladen. Damit wären wir reflektorisch zwei Etagen tiefer. Der Spiegel (Seite 130) zitiert noch Schirrmachers Unmittelbarbegeisterung, um sich den Luxus zu erlauben, im iPad nicht den Heilsbringer für die gebeutelte Verlagsszene zu erkennen.

"Kein Wunder, dass die Medienbranche jetzt angefixt ist. Doch der iPad-Weg ist aus dem gleichen Grund auch riskant. Denn er eröffnet vor allem Apple ganz neue Geschäftsfelder und Einnahmequellen."

Die warnenden wie beruhigenden Vergleiche zur Musikindustrie sind Legion. Darauf kommt auch Ulrich Clauss in der Welt. Er erkennt im iPad "nicht weniger als die Neuerfindung des Buchhandels". Betroffene kommen auch zu Wort.

"'Das Buch, wie wir es heute kennen, wird es noch sehr lange geben', ist sich man sich bei Rowohlt sicher. Dennoch: 'Verleger müssen heute mehr den je multimedial denken', sagt vom Cleff (der kaufmännische Geschäftsführer des Hauses, AP) und verweist auf die lange Tradition von Innovationen seines Hauses."

Dass es nicht von Nachteil sein muss, das Denken und Lesen in der Zeit vor dem iPad zu haben, hat Gustav Seibt, der Meister, wenn nicht Maestro der Digression, bereits am Samstag in der SZ (Seite 13) wissenskritisch dargelegt.

"Man kann das Lesen und Gucken bleiben lassen und stattdessen mailen, chatten, twittern und weltweit 'Freundschaften' in Netzwerken pflegen, also am Leben des 'Schwarms' teilnehmen, zu dem sich die digitale Weltgesellschaft entwickelt. Es ist dieser Blick auf die Endlichkeit, der den Fortschritt in die unendlichen Möglichkeiten der Datenwelt am Ende relativ erscheinen lässt. Der Fortschritt ist eh meistens ein Nullsummenspiel, man gewinnt an einer Stelle, um an anderer zu verlieren."

Das ist bei der Themengewichtung ja nicht anders. Und deshalb lesen wir aus der Berliner noch ein Issue vor, dessen sich laut INA zu wenige angenommen haben:

"Kirchliche Einrichtungen öffentlichen Rechts - beispielsweise katholische Klöster - sind steuerbefreit und werden deshalb von den Finanzbehörden nicht kontrolliert. Sie gelten per se als vertrauenswürdig. Ob dieses Vertrauen berechtigt ist, werde nicht diskutiert, wohl aus Unkenntnis."

© Altpapier/Matthias Dell

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+++ Zur Abwechslung mal hard facts statt berückender Feuilletonismen: DuMont macht jetzt ernst mit den Synergien und gründet eine Zentralredaktion (25 Mitarbeiter), die Berliner, FR, KSTA und Mitteldeutsche Zeitung mit Content versorgen soll. Hier die Meldung aus der Berliner vom Samstag. Ob sich das etwa mit Redaktionsstatut der Berliner vereinbaren lässt, ist noch offen, am Ende vermutlich aber egal. +++ Auch bei DAPD geht es hoch her, hier wird gekürzt und entlassen. Aus der SZ: "Der Redaktion des DAPD war das eindeutig zu wenig: 'Wir stellen fest, dass die Äußerungen der Geschäftsführung auch in dem neuen Mitarbeiterbrief (. . .) in krassem Gegensatz zu der für uns alle erschütternden Realität stehen.'" +++ Auch Meedia.de berichtet. +++ Die FAS hat sich am Sonntag zum Medienblatt ersten Ranges aufgeschwungen. Außer dem Schirrmacher-Aufmacher hat Gerhard Henschel im Politik-Teil (Seite 4) Springers "Medienarchiv68" durchforstet, um zu dem Schluss zu kommen, dass man Sitte und Anstand von revoltierenden Studenten womöglich glaubwürdiger hätte einfordern können, wenn Sitte und Anstand beim journalistischen Tagwerk eine Rolle spielen würden. +++ Jörg Thomann resümiert im Gesellschaftsteil (Seite 42) 100 Tage Kai-Diekmann-Bloggen, die am Mittwoch zu Ende gehen. Und legt nahe, dass der "Ego-Trip" Diekmanns so ego nicht war: Diekmann und seine fünf Mitstreiter, die auf den neuesten Fotos Mafia spielen (Irony, oder what?), "konferieren, brüten über Pointen, verschriftlichen die Einfälle des Chefs." +++ Harald Staun, wir sind immer noch in der FAS (Seite 25), schreibt über die ARD-Raab-Kollaboration für die Grand-Prix-Kandidatenauswahl: "Der Purismus ist dennoch erstaunlich - und mutig: Denn es ist keineswegs sicher, dass es überhaupt eine Zahl von Fernsehzuschauern gibt, die gerade das sehen will: eine Musiksendung." +++ Über den ernsten Raab weiß auch Marcus Bäcker in der Berliner vom Wochenende zu erzählen. +++ Sehr heiter fällt dagegen das Gespräch mit Raab-Moderator Matthias Opdenhövel in der SZ vom Samstag aus (nicht online), in dem Hans Hoff unter anderem fragt: "Wie schaffen Sie diesen Spagat zwischen den Sendern? Zwickt"s schon im Schritt?" +++ Lustig muss es, SZ-Angaben zufolge, auch bei der Goldenen Kamera gewesen sein. +++ Stern.de reportiert die Veranstaltung als Bilderschau. +++ Nicht ganz so lustig: Stefan Niggemeier nimmt sich in seiner - wollen wir nicht vergessen - FAS-Kolumne Inka "Bauer sucht Frau" Bause vor: "Es ist diese gezwungene Leichtigkeit, die vollkommen künstliche Nachahmung von Natürlichkeit, die Inka Bause ausmacht." Nichts für ungut, aber das kann man über Steffen Seibert, Peter Kloeppel und wie sie alle heißen doch auch sagen. +++ Auch nicht ganz so lustig: "Panorama"-Moderatorin Anja Reschke im sonntaz-Interview. Über ein neues Format ("Panorama-Reporter") heißt es da: "Der Reporter muss etwas herauskriegen, er scheitert an einer Stelle und an der nächsten kommt er weiter." Toitoitoi. +++ Wem das Individuum, wie es einem in Panorama-Reporter-Filmen begegnet, zu hoch gehalten wird, dem seien die Browser-Ratschläge des Tagesspiegel empfohlen. +++ Oder der Zusammenhang von Ernährung und Musikmagazinen, der in der FR von Klaus Raab erläutert wird. +++ Ein sympathisches Individuum ist Hanns Zischler (heute in "Hinter blinden Fenstern", 20.15 Uhr, ZDF). Zumindest so, wie Regisseur Matti Geschonneck ihn im Berliner-Interview schildert: "Persönlich kannten wir uns noch nicht. Das erste Treffen fand dann in seiner Wohnung statt. Daniel Blum, der Redakteur, und ich hatten uns zuvor darüber unterhalten, ob es Kuchen geben wird oder nicht. Ich sagte, wie ich den Zischler einschätze, gibt es bestimmt welchen." Es gab welchen. +++ Zischler selbst spricht mit der TAZ. Und antwortet auf die Frage, was die schlimmste Zumutung für ihn im Fernsehen sei: "Bohlen, eindeutig, nach wie vor." +++

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