Altpapier vom Mittwoch - Endlich Neues von Google
| Veröffentlicht: | 10 Februar 2010 09:22 |
| Verändert : | 10 Februar 2010 10:20 |
"Buzz" heißt der lang erwartete potenzielle Facebook-Killer bzw. Twitter-Killer des Suchmaschinen-Konzerns. Was halten die deutschen Analytiker und Analysten davon?
Was haben die Jungs von Google in den letzten Tagen eigentlich gemacht: Party? Winterschlaf?
Nein, sie haben ihren Innovationszyklus bloß künstlich verlangsamt (schon über einen Monat her, dass das jüngste Google-Handy vorgestellt wurde!..), um nun mal wieder mit einer Neuigkeit hervorpreschen zu können, die einen Tick sensationeller ausfällt als gewohnt: Der von einigen Insidern natürlich bereits erwartete Twitter-Killer bzw. natürlich bereits erwartete Facebook-Killer heißt "Google Buzz".
Hier das knapp zweiminütige Produktvideo auf Googles Youtube-Seite. (Und falls Sie sich beim Abspielen fragen, ob in ihrer Umgebung gerade leise hundert Handys klingeln - vermutlich nicht ganz so viele, das ist die geschickt arrangierte Untermalungsmusik des Clips).
Die Innovation wird in den E-Mail-Dienst Google Mail integriert und verfehlt ihre Wirkung nicht: "Das hat man so noch nicht gesehen. ... Doch Google geht noch weiter", bestaunt zum Beispiel Frank Patalong bei SPON den "größten Angriff auf Facebook und Co., den es bisher gegeben hat".
Freilich, dieses Weitergehen verknüpft er mit Kritik: "Veröffentlicht man Links zu einer Webseite, saugt sich Buzz zur Illustration automatisch Bilder von der verlinkten Site. Das ist schön für den Mail-Account-Inhaber, aber weniger gut für Urheber, die eine solche Form der Zweitveröffentlichung eventuell nicht ganz so prickelnd finden werden."
Was nur einer unter diversen Kritikpunkten ist.
Die Berliner Zeitung zitiert in ihrer Online-Besprechung der Präsentationsshow Aussagen des Produktentwicklungs-Vize-Präsidenten Bradley Horowitz ("Die Nutzer wüssten nicht mehr, worauf sie ihre Aufmerksamkeit richten müssen, was wichtig und was unwichtig ist. Diese Aufgabe soll nun Google Buzz übernehmen") und des Produktmanagers Todd Jackson (Sie "können selbst entscheiden, welchen Teil ihrer Informationen sie teilen wollen. Sind die Einstellungen allerdings auf 'öffentlich' gestellt, und das sind sie zu Beginn offenbar immer, landet die komplette Kommunikation in Googles Suchmaschinen-Index..."), die ans "If you have something that you don't want anyone to know, maybe you shouldn't be doing it in the first place" des obersten Google-Chefs Eric Schmidt (siehe Altpapier) recht fatal erinnern.
Auch lässt sich ausmalen, dass Google einen Wettbewerbsnachteil wettmachen kann. Facebook versteht (wie die FAZ gestern ja eindrucksvoll beschrieb), dank Dingen wie der iPhone-Applikation "FriendSync“ auch die vereinzelten "Nichtmitglieder", die es noch gibt, zu durchleuchten. Wer als Nicht-Googlemailer künftig Besitzer eines Google Mail-Accounts anmailt, dürfte auch schnell in Googles Datensammlung integriert sein (und sollte sich vermutlich sowieso verdammt gut überlegen, was er wem mitteilen möchte, und ob wirklich).
Andererseits setzt sich nicht jede revolutionäre Innovation auch durch. Und gar so euphorisiert sind die ersten deutschsprachigen Analytiker und Analysten nicht:
Google "fügt der langen Liste sozialer Netzwerke ein eigenes Produkt hinzu" und hatte "den Durchbruch im Boommarkt soziale Netzwerke bislang" ja auch "nicht geschafft" (ftd.de).
Ja, Google hat "einen entscheidenden Fehler gemacht" (die Einbettung von Buzz in Google Mail), meint Carta, das sich allerdings die "Just the good stuff”-Funktion auch für Facebook und Twitter wünscht.
Und heise.de glaubt auch gar nicht an "die Geschichten vom "'Facebook-Killer'". Im Gegenteil käme Google ja auch nur "den Bemühungen Facebooks zuvor, das offenbar an einem integrierten Maildienst arbeitet".
Zwischenbilanz: Alles wächst also weiterhin zusammen, und wer das Ganze am Ende beherrschen wird, bleibt vorläufig weiterhin ungewiss.
Entschieden werden wird es global. Insofern ist Google nicht nur in China (siehe z.B. DPA/ zeit.de) in Auseinandersetzungen verstrickt, sondern ganz aktuell auch in Spanien (Süddeutsche: "Der spanische Telefonica-Konzern will künftig nicht nur Benutzer des Internets, sondern auch Suchmaschinen wie Google oder Yahoo abkassieren. 'Die Suchmaschinen benützen unsere Netze, ohne irgendetwas zu bezahlen', sagte der Vorstandsvorsitzende...) sowie hierzulande.
"Google kann aufatmen", meldet die FAZ (S.31) aus wiederum anderem Grund, wg. Street View: "Das Landgericht Köln hat nämlich das Abfotografieren ganzer Straßenzüge erlaubt. Und zwar, vereinfacht gesagt, weil jeder ohnehin sehen könne, was geknipst wird (Az.: 28 O 578/09)."
Aufatmen wird Google daher jedoch kaum, entweder weil ihm solche Kinkerlitzchen egal sind, oder auch, weil seine lokalen Anwälte wissen, dass die zahlreichen deutschen Landgerichte in Mediendingen kunterbunt durcheinanderurteilen und meist erst die letzte Instanz entscheidet.
| © Altpapier/ Christian Bartels |
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Frisches Altpapier gibt's wieder am Donnerstag gegen 9.00 Uhr.
Kürzel & Quellen
FAZ Frankfurter Allgemeine Zeitung
TAZ die tageszeitung
TSP Tagesspiegel
BLZ Berliner Zeitung
Freitag Der Freitag
FTD Financial Times Deutschland
HB Handelsblatt
SPON Spiegel Online
FAS Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung
WAMS Welt am Sonntag





