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- Altpapier: Nachrichten auf einen Blick.

Altpapier vom Dienstag - Althaus, Lawinen und Talphasen

Veröffentlicht: 17 März 2009 09:12
Verändert : 17 März 2009 12:45

Dieter Althaus wird nicht nur eine seiner Aussagen aus dem großen "Bild"-Zeitungs-Interview um die Ohren gehauen. Währenddessen wird die Fotostrecke zum Durchklicken dazu immer größer.

"Das Leben ist wie eine Lawine, mal geht's rauf, mal geht's runter."

Dieses Bonmot wird Karl Valentin und Billy Wilder zugeschrieben, die vielleicht Hildegard Knef inspiriert haben. Es ist lustig, wenngleich nicht in jeder Lebenslage, und regt überdies zum Nachdenken an.

Ein Medium, das ungefähr das Gegenteil davon tut, hat mit dem thüringischen Ministerpräsidenten Dieter Althaus ein großes Interview geführt. Der CDU-Politiker, der seit seinem schweren Skiunfall besonders bekannt ist, greift darin auch zu einer, ähm, Metapher aus der Welt der Berge:

"Die Talphase habe ich hinter mir. Jetzt geht es aufwärts", sagte er in Teil 1 des Bild-Zeitungsinterviews.

Dieses "zumindest doppeldeutige" (sueddeutsche.de) Sprachbild ist weder lustig, noch hat es einen anderen Mehrwert. Nun wird es Althaus auch um die Ohren gehauen, allerdings weniger als der Rest des Interviews bzw. der "inakzeptablen Inszenierung". Davon sprach Bodo Ramelow von der Linkspartei.

Althaus' Wahlkampfchef Andreas Minschke (also ebenfalls CDU) äußerte sich kaum weniger kritisch. "Wenn einer gut aussieht auf Fotos, dann erwartet man von ihm, dass er zur Arbeit geht. Und wenn er schlecht aussieht, dann soll er auch keine Interviews geben“, zitiert ihn der Tagesspiegel.

Diese Inszenierung, die bereits am Sonntag in der "BamS" begann, wird auf bildblog.de nicht nur, natürlich, kritisch eingeordnet ("Althaus gibt der 'Bild'-Zeitung exklusive Informationen. Dafür gibt 'Bild' ihm die Berichterstattung, die er sich wünscht"), sondern ist dort auch anzusehen.

Die taz macht sich (in ihrer Rubrik "Das gibt zu denken") kurz lustig über diese "Orgie der Emphase auf Fotografien, genauer gesagt auf 21 Aufnahmen": "Auf dem vielleicht schönsten Bild lauscht Diekmann dort tiefbetroffen mit verschränkten Armen Althaus' Seelenleben, im Hintergrund trauert eine nackte Trauerweide."

Das steht in der taz von heute, beruht aber - bekanntes strukturelles Problem der Papierzeitungen - auf Informationen von gestern. Die Althaus/ Diekmann-Fotostrecke auf bild.de ist inzwischen auf 32 Bilder zum Durchklicken angeschwollen. Schließlich geht das große Interview weiter.

Während die Klickstrecke immerhin wie ein digitales Daumenkino funktioniert, da sich die Gesprächspartner zwischen vielen Aufnahmen nur minimal bewegt haben, geht das Gespräch rein inhaltlich dermaßen gedämpft-ministerpräsidentiabel weiter ("Ich glaube, dieser Unfall wird mich für den Rest meines Lebens prägen. Aber an meiner Entscheidung, als Ministerpräsident und Spitzenkandidat zurückzukehren, ändert das nichts"), dass sich eher zu lesen lohnt, wie der Chefjurist und -metaphoriker der Süddeutschen Zeitung, Heribert Prantl, Althaus eine weitere seiner Aussagen (wiederum aus Teil 1 des Interviews) auf der Meinungsseite kräftig um die Ohren haut, nämlich: "Schuld ist nicht die richtige Kategorie, um ein solch tragisches Unglück zu bewerten. Ich fühle mich zutiefst verantwortlich."

Prantl hat über "die Schuld derer, die nicht schuld sein wollen" nun allerhand zu sagen, worüber Althaus bald mal mit Reinhold Beckmann oder, falls er doch noch nicht soo fit sein sollte, mit Johannes B. Kerner reden müsste.

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+++ Über ein "markant-kantiges Kinn", das in Momenten, in denen er selbst polemisch werden möchte, entsprechend "bebt", verfügt Jörg Sadrozinski, Redaktionsleiter von tagesschau.de und damit einer der wichtigsten öffentlich-rechtlichen Onliner. Die Berliner Zeitung bringt ein Porträt von ihm, bei dem es sich um einen (vermutlich stark) "gekürzten Vorabdruck" aus dem im April erscheinenden Buch "Die Alpha-Journalisten 2.0" handelt. +++Die spektakulärste Fernseh-Beobachtung von gestern notiert Stefan Niggemeier im FAZ-Blog: ein ZDF-Reporter, der von Fritzl-Opfern in der "Klapsmühle" sprach. +++ Der interessante TV-Tipp des Tages kommt (auch) aus Österreich, gilt aber "einer der letzten Filmarbeiten, die die ostdeutsche Defa vor dem Mauerfall produzierte" und die der MDR "nun aus dem Deutschen Rundfunkarchiv geborgen" hat, wo sie seit fast 20 Jahren lag: einem Albert-Einstein-Zweiteiler heut um Mitternacht. +++ Sehr präsent dieser Tage: Alfred Neven Dumont, nicht bloß als Roman-Autor und Chef des Verlags M. DuMont Schauberg (MDS), der in Kürze die deutschen Zeitungen der Mecom übernehmen wird. Sondern auch, weil nun die Geschichte des Kölner Verlags während der Nazizeit in Buchform aufbereitet wurde. "Vor drei Jahren, als man sich nach den Anschuldigungen entschloss, die Verlagsgeschichte aufarbeiten zu lassen, habe es, so Alfred Neven DuMont, 'eine kleine Ursache gegeben, heute gibt es eine große Wirkung'". Schreibt die Frankfurter Rundschau (die seit einiger Zeit mehrheitlich zu MDS gehört) sozusagen salomonisch mit den Worten des aktuellen Patriarchen über die Vorstellung des entsprechenden Buches. Berliner Zeitung und Netzeitung, die beide erst in Kürze dazugehören werden, berichten ebenfalls. +++ Obamaphobie? Sündenbockjournalismus? Nina Rehfeld schaute ins laufende Programm des amerikanischen Wirtschaftssenders CNBC (FAZ). +++ Aber auch im Studio, wo die RTL-Show DSDS aufgezeichnet wird, sei "die Atmosphäre ... deutlich agressiver" als früher, berichtet die taz. +++ ... die außerdem "Ach Uli Hoeneß!" seufzt. +++ "Wir machen keine Comedy!" Und zwei Antworten später: "Ich sag’ es noch mal: Wir machen keine Comedy! Wie oft denn noch? Man will es offenbar nicht hören." Dieter-Hildebrandt-Nachfolger Mathias Richling im Tagesspiegel-Interview. +++ Ferner stellt sich das Berliner Blatt, nicht völlig unüberraschend, an die Seite des "World of Warcraft"-Kritikers Christian Pfeiffer. +++ "Nichts trübt die Stimmung" des Springer-Chefs Mathias Döpfner, der schließlich gerade einen Rekordgewinn vorlegen konnte. Gar nichts? Doch, ein "bedrückendes Déjà-vu". So leitet die FTD ihren Bericht über die ziemlich obskure Affäre (vgl. taz neulich) um eine staatlich verhängte Strafzahlung des türkischen Medienkonzerns Dogan, an dem Springer beteiligt ist, ein.

Neues Altpapier gibt es wieder am Mittwoch gegen 9.00 Uhr.

© Altpapier/ Christian Bartels
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