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- Altpapier: Nachrichten auf einen Blick.

Altpapier vom Freitag - Nachtigallen und Lerchen

Veröffentlicht: 26 Juni 2009 08:59
Verändert : 26 Juni 2009 10:19

Nun trällern sie wieder, die Vöglein, diesmal zum Abschied von Bascha Mika. Nur über ihre Nachfolgerin weiß noch keiner ein fröhliches Liedchen zu singen.

Der Gesang von Nachtigallen, so erklärt es die Wikipedia, sei überaus komplex und bestehe aus Strophen dicht gereihter Einzel- oder Doppeltöne. Über Lerchen dagegen heißt es dort, sie seien "bodenbewohnende" Vögel, "meist unauffällig und nicht nach Geschlechtern unterschiedlich gefärbt".

Über den Klang von deren Stimme wird weiters nichts gesagt – mit dem einer Nachtigall ist er jedenfalls nicht zu verwechseln. Außer eben, man ist derart deppert verliebt wie Romeo und Julia und bemüht sich mit allerlei durchsichtigen Lügen, den Abschied gefährlich weit hinaus zu zögern.

"Willst du schon gehn? Der Tag ist ja noch fern ..." scheint in der TAZ allerdings niemand zu flunkernseufzen – auch wenn die Liebe zwischen Bascha Mika und der Redaktion ganz wie bei den beiden Shakespeare-Teenys wohl zuvörderst vom System verhindert wurde. Und erst in der Folge davon durch sog. persönliche oder berufliche Motive.

„Danke Bascha!“ ruft in der heutigen TAZ also am lautesten und ganz allein der Geschäftsführer Kalle Ruch ("Für den Blick in den Abgrund war immer Kalle zuständig, auch für den optimistischen Blick danach", schrieb Tom Schimmeck einst über ihn), und zwar für die "die bisher erfolgreichste Dekade der taz". Das ist ein ziemlich hübsches Beispiel für eine Arie mit komplexen Strophen dicht gereihter Einzel- und Doppeltöne:

"Dass die taz aber jetzt, wo viele Medienbeobachter schon das Ende der Zeitungen beschreiben, so stabil und erfolgreich dasteht, für diesen Erfolg gibt es wie immer viele Mütter und Väter, im Verlag wie in der Redaktion. Letztlich ist es die Idee taz, die sich in den letzten zehn Jahren so erfolgreich durchgesetzt hat. Eine Idee braucht aber immer wieder Antrieb und auch ein Gesicht, für beides stand in diesen vielen Jahren herausragend und weit über die Öffentlichkeit der taz hinaus Bascha Mika."

Und wer folgt auf die von der "Kommandobrücke" (FR) abtretende "Queen" (Zeit, mit zugehöriger Bildstrecke), die das "Rollenmodell der überlegten und überlegenen Repräsentanz" (wieder FR) einführte und die Zeitung "moderner gemacht und aus der ideologischen Ecke herausgeführt" habe (BLZ) bzw. dank der der Zeitung eine "vollkommene gesellschaftliche Anerkennung gelang, die manchmal an Bedeutungslosigkeit grenzt" (SZ)?

Die Ines soll das machen, sagt der Vorstand (und das ist dann eher die Lerchen-Nummer):

"Willkommen, Ines!
Neue taz-Chefredakteurin, so hat es der nach unserem Redaktionsstatut dafür zuständige Vorstand beschlossen, soll Ines Pohl werden.
[…]
Wenn der Redaktionsrat der Berufung nicht widerspricht, wird Ines am 20. Juli anfangen.
"

Der Tagesspiegel fasst das Gezwitscher unter der Überschrift "Frauentausch" für uns noch einmal zusammen: "Während die Nachricht über Mikas Abgang in der Redaktion relativ gleichgültig aufgenommen worden sein soll, habe der Name der Nachfolgerin überrascht. Kaum jemand habe Ines Pohl gekannt." Stimmt, geht uns ähnlich: Auch uns ist sie erst jüngst mal wieder nicht aufgefallen.

Der Westen titelt ähnlich (wenn auch mit Bindestrich), berichtet von einer "mauen Stimmung", die zuvor geherrscht habe, und weiß ansonsten auch nicht viel mehr, da sich Pohl "zunächst mit den üblichen Worthülsen" geäußert habe. Im autorisierten O-Ton: "Ich freue mich darauf, gemeinsam mit dem taz-Team das Profil der taz zu schärfen und ihre inhaltliche Relevanz weiter auszubauen. Die taz wird es auch in einer multimedialen Zukunft als unabhängige und verlässliche Größe geben."

Am Ende wird uns also die TAZ beweisen, dass die Immigration von Autorität besser funktioniert als deren Evolution? Herrje, da verdrücken wir dann doch ein Tränchen über die Zeiten, da "Professionalisierung" noch nicht immer schon und ausschließlich das Geschäftsmodell meinte.

© Altpapier/Katrin Schuster

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