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- Altpapier: Nachrichten auf einen Blick.

Altpapier vom Donnerstag - Tu doch einer was

Veröffentlicht: 23 Juli 2009 09:23
Verändert : 23 Juli 2009 10:28

Hubert Burda rockt erneut das netzbewusste Internet. Schon beängstigend, wie rasant die alten Medien die Diskussionshoheit verlieren.

Hubert Burda ist schon ein toller Hecht.

Kaum hat sich die Aufregung (siehe Altpapier) über seinen FAZ-Beitrag "Wir werden schleichend enteignet" aus dem Juni etwas gelegt, da rockt der Google-Gegner, der einst ja beinahe selbst Google erfunden hätte (siehe altes Altpapier), schon wieder das Internet bzw. die netzpolitisch interessierte Netzwelt.

Anlass ist diesmal eine Vorabmeldung des manager magazins (dessen Hall of Fame Burda seit einem Jahr bewohnt). In der Juli-Ausgabe wird ein Interview mit Burda erscheinen. In dieser Vorabmeldung heißt es über Google:

"Die marktbeherrschende Suchmaschine, sagt Burda, liefere 'rund die Hälfte des Traffics der journalistischen Websites' und verwalte 'in Deutschland über ein Drittel der Werbeumsätze im Netz - und all das, ohne selbst in teuren Journalismus zu investieren'".

Was weder ganz falsch ist, noch völlig richtig. Vermutlich (das Interview selbst erscheint erst am morgigen Freitag) haut Burda vielmehr gemäß traditioneller Lobbyisten-Methodik (er ist auch Präsident des Zeitschriftenverleger-Verbandes VDZ) nochmals in die Kerbe, in die auch die Hamburger Erklärung (Stefan Niggemeier: "Hamburger Bankrott-Erklärung") der Verleger hieb.

Diese Holzhammertaktik hatte in der inzwischen immer grotesker anmutenden Lobbyschlacht zwischen den deutschen Verlegerverbänden und den öffentlich-rechtlichen Sender um den Rundfunkänderungsstaatsvertrag, die 2008 intensiv tobte, ja noch funktioniert. Am Ende hatten die entscheidungsbefugten Politiker so ungefähr das beschlossen, was die Verleger wollten.

Bloß sind dieser deutsche Rundfunkänderungsstaatsvertrag und selbst das, was er regelt (was deutsche öffentlich-rechtliche Sender im Internet dürfen und was nicht), den deutschen Medien-Endverbrauchern relativ gleichgültig. Hingegen surft und googelt international praktisch jeder - zumindest jeder, der den digitalen Lifestyle (© Hubert Burda, wahrscheinlich) pflegt.

Schon daher, und auch, weil im Internet die Entscheidungsbefugnisse der nationalen Politiker (an die allein Burda sich auf Umwegen über FAZ und manager magazin wendet), längst nicht so weit reichen, tut der tolle Hecht sich und seinen Verlegerkollegen und den bedrohten Papiermedien keinen Gefallen.

Vielmehr treibt er differenziert denkende Zeitgenossen geradezu in die Arme von Google, an dessen "Don't be evil."-Code of Conduct ja eigentlich niemand mehr so richtig geglaubt hat. Konrad Lischka schreibt auf SPON:

"Wo auch immer der Name Google auftaucht - fast immer wird jemand einen so reflexartig, penetrant wie unreflektiert vorgetragenen Common Senf dazugeben: Google sei ein Monopolist, ein Datenkraken, eine Gefahr."

Dass Googles "Vordringen ins klassische Verlagsgeschäft ...besorgniserregend" ist, steht auch in diesem Artikel. Aber viiel weiter unten.

"Ich kann das Krechz nicht mehr hören", heißt es dort, wo es nicht gar so differenziert, aber auch informativ zugeht.

Als "verlegerische Rotfront" bezeichnet Handelsblatt-Blogger Thomas Knüwer den Polemiker Burda. Knüwer geht es eigentlich um den einzigen namhaften Journalisten, der Burda in dem Sinne einer "konzertierten Aktion" zur Seite springt, den Burda sich wohl wünscht: Michael Konken, den Bundesvorsitzenden der intensiv empörten (siehe, Achtung, Google) Journalistengewerkschaft DJV.

Klar, dass sich um Konken auch viel Aufregung entfacht, zumal viele Onlinejournalisten (auch der Autor dieser Kolumne) trotz allem immer noch Mitglied des DJV sind. Leider auch völlig klar, dass Entgegnungen auf Konken (meistdiskutiert: Björn Sievers' offener Brief) um ein Vielfaches differenzierter argumentieren als Konkens aktuelle Aufregung.

Eine gewisse Unsicherheit herrscht überall (Niggemeier über die Hamburger Erklärung: "ein Dokument der Hilflosigkeit, ein ziellos-hysterisches 'So tu doch einer was'”; Knüwer über den DJV: "...wer Ideen hat, was man tun könnte, wer Lust hat, etwas auf die Beine zu stellen, über dessen Mail würde ich mich sehr freuen").

Dass die klassischen Medien trotzdem derart die Diskussionshoheit verlieren und verspielen, jeden Monat noch etwas mehr, ist wirklich ganz besonders besorgniserregend.

© Altpapier/ Christian Bartels

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Frisches Altpapier gibt's wieder am Freitag gegen 9.00 Uhr.

 

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