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'Fall Amerell': Schlammschlacht geht weiter

Veröffentlicht: 10 März 2010 21:35
Verändert : 10 März 2010 22:53

FRANKFURT/MAIN - Die Schlammschlacht im "Fall Manfred Amerell" hat einen neuen Höhepunkt erreicht.

Der frühere Bundesliga-Schiedsrichter Amerell beschuldigte DFB-Präsident Theo Zwanziger am Mittwoch öffentlich der Günstlingswirtschaft. Der DFB kündigte daraufhin an, gegen den 63-Jährigen Strafanzeige wegen übler Nachrede und Verleumdung zu stellen.

Amerell beschuldigt Zwanziger der 'Vetternwirtschaft'

Amerell beschuldigte den DFB-Boss, einen Schiedsrichter aus Zwanzigers Heimatort Altendiez in die Bundesliga gehievt zu haben. "Es wurde ein Schiedsrichter nach oben katapultiert, der nach den Beobachtungskriterien nicht an erster Stelle stand. Er stand punktgleich an vierter Stelle mit einem weiteren Schiedsrichter. Es gab also noch drei vor ihm. Ich stelle mir die Frage, ob Zwanziger die ganze Wahrheit sagt. Er hätte sagen müssen, mein Schiedsrichter aus meinem Verein ist in die Bundesliga genommen worden, obwohl er nicht an erster Stelle stand", sagte Amerell im DSF.

Die Reaktion des DFB folgte prompt. "Mit seinen neuesten Äußerungen in den Medien ist Herr Amerell endgültig zu weit gegangen. Der DFB wird dem medialen Rachefeldzug nicht weiter tatenlos zusehen und auf die beleidigenden Aussagen mit Strafanzeigen wegen übler Nachrede und Verleumdung reagieren", hieß es in einer DFB-Stellungnahme. Zuvor hatte der DFB bekräftigt, dass der Schiedsrichterausschuss am 9. Januar 2010 einstimmig beschlossen hatte, den Schiedsrichter für die Bundesliga vorzuschlagen.

DFB-Schiedsrichterwesen soll reformiert werden

Amerell warf Zwanziger außerdem vor, den Behauptungen eines Schiedsrichters, Michael Kempter habe sich ihm nach einem Spiel am 13. Mai 2009 "genähert", nicht nachgegangen zu sein. "Hier hätte das Vorgehen aufgeklärt werden müssen. Ich kenne die Aussage des Schiedsrichters", sagte Amerell weiter.

Die Angelegenheit dürfte den DFB noch länger beschäftigen als ihm lieb ist. Unterdessen soll das in Verruf geratene DFB-Schiedsrichterwesen reformiert werden und so verloren gegangenes Vertrauen zurückgewinnen. "Es wird ein frischer Wind wehen. Wir stellen auf Teamarbeit um. Unser Maßstab bei der Ausarbeitung der Leitlinien für eine Neustrukturierung waren Transparenz und Unabhängigkeit", sagte der designierte neue DFB-Refereeboss Herbert Fandel dem SID und erklärte: "Für die Leute von außen und auch die Schiedsrichter selbst muss vieles durchsichtiger werden."

Der frühere FIFA-Schiedsrichter Fandel wird die Beschlussvorlage am Freitag bei der mit Spannung erwarteten DFB-Präsidiumssitzung in Frankfurt präsentieren. Wohl schneller als erwartet wird Fandel sein Amt als neuer Chef des DFB-Schiedsrichterausschusses antreten können. Der derzeitige Amtsinhaber Volker Roth beteuert zwar weiter, er habe sich im "Fall Amerell" nichts zuschulden kommen lassen. Trotzdem wird spekuliert, dass der 68-Jährige am Freitag zurücktreten könnte.

© AFP/cf
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