Facebook und das Fondue-Foto
| Veröffentlicht: | 27 März 2009 23:39 |
| Verändert : | 30 März 2009 15:38 |
FIETE STEGERS - Urlaub. Eine Woche offline. Aber geht das heutzutage überhaupt noch? Protokoll eines Selbstversuchs.
Während vor dem Zugfenster die ersten Berge vorbeisausen, überlege ich, ob ich nicht doch noch einmal meine E-Mails .... Nein, kommt nicht in Frage. Kein Computer, kein Internet, nur Schnee und Ski.
Im Sommer habe ich etwas seltsam geschaut, als sich andere Hotelgäste mit Laptops in die Lobby fläzten. Das war weit weg von jeglichem eine Geschäftsreise rechtfertigenden Ziel.
Surfen im Urlaub
Aber dafür hatten die Leute ihre Laptops auch gar nicht dabei. Sie wollten E-Mails und surfen. Im Urlaub? Wenn man als Rucksackreisender aus einem Internet-Café am Ende der Welt Familie und Freundin wissen lässt, dass man am Leben ist - okay. Doch sonst gehört für mich zum Abschalten auch das Abschalten der Geräte, die das Büro nach Haus bringen. Aber geht das überhaupt noch in der digitalisierten Welt?
Zumindest das Bahn-Magazin bietet kein Entkommen: Neue Handys- und Netbooks lachen mich an, die üblichen Produktanpreisungen. Doch ich ertappe mich bereits dabei, wie ich dem Artikel mehr Aufmerksamkeit schenke als sonst. Netbooks, neue UMTS-Tarife und das iPhone haben der mobilen Internetnutzung 2008 gewaltigen Auftrieb im Alltag verschafft. Und mindestens eines dieser Mobil-Geräte wird Mit-Urlauber Jens dabei haben, wird mir beim Lesen klar.
WLAN und Fondue
Jens hatte lange vor allen anderen eine Digitalkamera und einen iPod. Und jetzt natürlich ein iPhone, wie sich herausstellt. Am zweiten Ski-Tag gesteht er mittags: "Ich habe schon mal ausprobiert, ob es hier oben WLAN gibt.“ Zum Glück sieht es auf den Skihütten noch nicht aus wie im Café Oberholz: kein Gratis-WLAN zum Aprés-Ski-Drink.
Zwei Tage fällt aber im Fonduelokal plötzlich das Wort "Facebook“ am Nebentisch. Ich bin elektrisiert. Neulich hatte ich mich doch noch mit den Worten "Ich bin internetsüchtig, versuche aber, damit professionell umzugehen“ vorgestellt - und die Lacher damit auf meiner Seite gehabt. Ist doch etwas wahres dran? Dann findet Jens noch ausgerechnet hier endlich sein WLAN. Während er ein Fondue-Foto bei Facebook hochlädt, versuche ich, sein iPhone nach Kräften zu ignorieren.
Und es gelingt. Auch in den nächsten Tagen. Wir finden ein tolles Restaurant, ohne im Netz zu recherchieren und kommen ohne Online-Wettervorhersage aus.
Hinterher merke ich: Eine Woche offline hat gut getan. Das rasche Überflieger von E-Mail und RSS zeigt, dass ich, abgeschnitten von den persönlichen digitalen Info-Strömen, nichts wesentliches verpasst habe. Und das Unwesentliche verschwindet mit einem Druck auf die Löschtaste aus der Sicht.
Aber ein iPhone brauche ich jetzt natürlich trotzdem.
| © Dnews.de/Fiete Stegers |
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