Wie relevant ist die re:publica?
| Veröffentlicht: | 3 April 2009 23:22 |
| Verändert : | 10 April 2009 09:06 |
FIETE STEGERS - Blogger-Konferenz re:publica: Drei Tage Dauerbloggen, - twittern, -flickrn. Und was bleibt?
In einem unterscheiden sich Blogger und konventionelle Massenmedien nicht: Ein süffisanter Anteil der Zeitungsberichterstattung über die re:publica war der Tatsache gewidmet, dass ausgerechnet auf Deutschlands größtem Bloggertreffen mit mehr als 1.500 Teilnehmern das WLAN versagte. Ähnlich sah es bei der ins Netz verlängerten Anschlusskommunikation der Konferenzteilnehmer aus. Offenbar verfügten genügend re:publica-Besucher über eigene UMTS-Zugänge zum Internet oder twitterten vom Mobiltelefon, um ihrem Ärger über die versprochene, aber unterbrochene Drahtlos-Verbindung Luft zu machen.
'Heul doch!'
Trotzdem wurde auf der Tagung die Uralt-Diskussion über das Verhältnis von Bloggern und Journalisten wieder aufgemacht. Und dass, ohne dass jemand etwas neues dazu sagen hätte. Dass es zwischen Bloggern und professionellen Journalisten einige Gemeinsamkeiten und viele Unterschiede gibt, dass Journalisten bloggen und Blogger Journalisten werden können, wussten wir vorher schon. Über eingeladene Podiumsgäste, die einen gedruckten Text weiterhin per se für wertvoller als einen online erschienenen erklärten, wollen wir daher schweigen ("Heul doch!“ lautete eine sarkastische Twitter-Reaktion auf diese Äußerung).
Einmal die Weltfinanzkrisenlösung, bitte
Kritiker wie Verschwörungsblogger Fefe ärgerten sich darüber, dass auf der re:publica nicht die Weltfinanzkrise thematisiert und Lösungsvorschläge angeboten wurden (als ob das ihre Aufgabe wäre) oder meckern über die Berliner Blog-Mafia der Konferenz-Organisatoren. Das meinte also der US-geprägte Techno-Blogger Sascha Pallenberg, als er sich in einer Diskussionrunde über die ausgeprägte Neid-Kultur mancher deutscher Blogger beschwerte.
Der gerne großmäulige Don Alphonso verkündert aus der Ferne seine Meinung zur Konferenz und ihren Veranstaltern: "Ich sehe keine Veränderung. Ich sehe nur ein paar älter gewordene Männer. Die Leute, die in Berlin Veränderung verkaufen wollen, hatten für ihr Ding mehr Zeit als die New Economy.“
Wie klappt der Spagat?
Ich sehe diese hochtrabenden Ansprüche nicht. Wer sie formuliert, sollte selbst wissen, dass sie nicht zu erfüllen sind. Das Netz verändert die Dinge, aber nicht so schnell, wie mancher sich das wünscht oder denkt. Die re:publica hat bisher auf die richtigen Themen gesetzt. Es wird allerdings spannend sein, welchen Kurs sie inhaltlich in den nächsten Jahren einschlägt.
Einerseits wünschte sich ein Teil der erstmals gekommenen Besucher Diskussion und Workshops zu Fragen, die für andere Teilnehmer längst ein alter Hut oder viel zu allgemein sind. Anderseits droht die Gefahr, dass von noch mehr Teilnehmer-Veteranen als diesmal zu hören ist "Wir kommen eigentlich nur, um Leute hier zu treffen. Die Veranstaltungspunkte sind mir egal.“ Das wäre – wie szeneinterne Scherze, abzulesen am Applaus bei der Twitter-Lesung auf der re:publia – ein Indiz fürs zunehmende Schmoren im eigenen Saft. In zwei oder drei Jahren lasse ich also über das harsche Urteil des Herrn Alphonso noch einmal mit mir reden. Aber ich bin optimistisch, dass die re:publica dann frische Ideen vorzuweisen hat.
| © Dnews.de/Fiete Stegers |
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