Gemeinsam stärker: Wikipedia und Creative Commons
| Veröffentlicht: | 29 Mai 2009 23:41 |
| Verändert : | 29 Mai 2009 23:41 |
FIETE STEGERS - Inhalte weitergeben wird ab Juni so einfach wie Inhalte beisteuern
Es war eine unscheinbare kleine Meldung am Fuß der Medienseite der Süddeutschen Zeitung. Nicht nur die Größe täuschte über die Bedeutung des vermeldeten Beschlusses hinweg. Der Tenor der Meldung konzentrierte sich auch noch auf einen eher unwichtigen Aspekt des Geschehens, während der wirklich wichtige Punkt dem SZ-Lesern vornehm verschwiegen wurde: Die Online-Enzyklopädie Wikipedia hat vor einigen Tagen beschlossen, das alternative Rechtesystem Creative Commons einzuführen.
Ab Juni werden Wikipedia-Inhalte mit dem CC-Symbol gekennzeichnet. Das heißt, sämtliche darunter erscheinenden Artikel dürfen auch außerhalb der Wikipedia von Dritten weitergegeben, veröffentlicht und abgeändert werden. Das gilt auch für kommerzielle Verwendungen. Einzige Bedingung: Die Quelle muss genannt werden. Was genau erlaubt ist, erklärt die künftig von Wikipedia verwendete Creative-Commons-Lizenz CC-BY-SA in einfachen Worte und Symbolen.
Rechte-Rattenschwanz muss nicht mehr sein
Genau das ist der Unterschied zum bisherigen Wikipedia-Modell: Inhalte durften schon bisher von anderen inner- und außerhalb der Wikipedia verwendet und verändert werden - allerdings war die Benutzung an eine Lizenz gekoppelt, die aus der Freie-Software-Szene stammt. Schon der Name GNU Free Documentation License klingt nicht so sexy wie Creative Commons.
Und tatsächlich ist diese Lizenz um einiges komplizierter formuliert und fordert, dass sämtliche unter ihr verwendeten Inhalte vom kompletten Lizenztext begleitet werden. In ein Software-Paket kann man so etwas einfach einbauen - anderswo aber nicht. Internet-Nerds, die professionellen Online-Medien vorschlugen, für ihre Site doch einfach bei Bedarf Wikipedia-Inhalte zu übernehmen, konnten angesichts des damit verbundenen Lizenz-Rattenschwanzes nur ein Kopfschütteln ernten. Bei buchstabengetreuer Auslegung hätte eigentlich selbst beim Hin- und Herschieben von Textbestandteilen via Cut-and-and-Paste jedesmal der "gut drei Seiten“ lange Lizenztext an jeden Einzelbestandteil gehängt werden müssen, argumentieren die Wikipedia-Organisatoren. Mit Creative Commons soll das deutlich einfacher werden.
Autorendünkel fehl am Platz
Der SZ-Artikel griff hingegen - nicht ganz überraschend - Kritik an dieser Umstellung auf: Die kommt nämlich von einem kleinen Teil der Wikipedia-Autoren. Ihnen missfällt, dass durch den Umstieg bei der Weiterverwendung künftig nicht mehr einzelne Bearbeiter von Wikipedia-Artikeln genannt werden müssen, sondern das CC-Lizenzsymbol "Quelle: Wikipedia“ oder ein schlichter Link reichen.
Die SZ fürchtet hier eine Autorenenteignung. Dazu kann man nur sagen: Es ist ein Grundprinzip der Wikipedia, dass Artikel in einem gemeinschaftlichen Prozess entstehen. Wer sich als Edelfeder einen Namen machen will, ist hier falsch. Und auch die kommerzielle Verwertung von Wikipedia-Inhalten war bereits möglich, worauf Netzpolitik.org hinweist.
Riesiger Aufmerksamkeitsschub
Was viel wichtiger ist: Creative Commons war bisher gut gemeint und außerhalb der Sphären von Foto- oder Musik-Communities mäßig erfolgreich. Als Lizensierungssystem einer der größten, bekanntesten und angesehensten Plattformen für nutzergenerierte Inhalte dürfte sein Bekanntheitsgrad aber nun gerade in Deutschland einen deutlichen Schub erhalten.
Und auch Wikipedia profitiert: Dort können künftig noch einfacher bereits unter CC lizensierte Fotos und Videos eingebaut werden, von denen es bereits reichlich gibt.
| © Dnews.de/Fiete Stegers |
Weitere Nachrichten: Kolumnen
- Aus dem Netz auf die Straße
- Krise, Kriege, Klimawandel
- Einsames Deutschland
- Der Widerstand lebt
- Wie Annemarie Eilfeld übrig blieb
- Gute Zeiten, schlechte Zeiten
- Was machen eigentlich ... Social-Media-Berater?
- Gulliver und die Steuerlast
- Machtmensch Merkel
- Endlose Endlager-Suche
- SWOMP, BB und die Babys
- Die Wahrheit liegt aufm Platz
- Der Zwang zu bloggen
- Menschen unterm Rasenmäher
- Der Held von Kabul
- Mangelware: Grüne Autos
- Desirée Nick in der Fernsehverwertungskette
- Ziemlich antastbar
- Kanzlerduell: Internet-Nutzer werden ausgesperrt
- In 3 Minuten zum Konjunkturexperten
- Wie regiert die Sphinx?
- Wenn es wenigstens Trippelschritte wären
- Tarantinos Traumreise
- Der Lui hat’s warm
- Wenn Netzpolitik.org die Muskeln spielen lässt
- Weniger Urlaub = weniger Krise?
- Lafontaine und der Spalt in der Linkspartei
- Grün-Job-Surfer Steinmeier
- Jetzt ist Komiker-Wahlkampf
- Für Videos und Vaterland
- Welche Blogs sind die wichtigsten?
- Deutschland, deine Schmarotzer
- Schamlose Politiker, zynische Wähler
- Der Beckersche Bauch und andere Promi-Babys
- 'Totaalvoetbal'
- Spekulanten und ihr Wert
- Eine Geschichte von Arroganz, Dummheit und Gier
- Was Britney Spears von Madonna unterscheidet
- Diagnose: sanfte Schizophrenie
- Rente mit 69?
- Wem die Neuwahl in Kiel nützt
- Markus Lanz, der Oma-Wallraff vom ZDF
- Alberto also
- Massenbeschäftigung für moderne Mediennutzer
- Guido Westerwelle und der Schlankheitswahn
- Wowi in Wartestellung
- Kein Solar-Kolonialismus bitte!
- Sacha Baron Cohens erste allgemeine Verunsicherung
- Let them entertain us
- Piraten und PR-Palaver





