Autor Terry Pratchett fordert Gerichte für Sterbehilfe
| Veröffentlicht: | 1 Februar 2010 14:13 |
| Verändert : | 1 Februar 2010 14:12 |
LONDON - Der an Alzheimer erkrankte britische Autor Terry Pratchett fordert die Einrichtung von Gerichten, die über eine Sterbehilfe durch nahe Verwandte entscheiden sollen.
"Wenn ich wüsste, dass ich sterben könnte, wann immer ich will, wäre jeder Tag plötzlich so wertvoll wie eine Million Pfund", hieß es laut vorab veröffentlichtem Text eines Vortrags, den er am Montag in London halten wollte. Pratchett bot sich selbst als Testobjekt an.
"Wenn ich wüsste, dass ich sterben könnte, würde ich leben. Mein Leben, mein Tod, meine Entscheidung", hieß es darin. Pratchett wollte sich in seiner Vorlesung mit dem Titel "Dem Tod die Hand reichen" vor dem Royal College für Medizin selbst als Testobjekt für die Justiz anbieten.
Er erwarte nicht, dass alle Ärzte dazu bereit seien, einen Patienten beim Sterben zu unterstützen, hieß es laut Redetext. Trotzdem erscheine es ihm sinnvoll, bei dem Thema auf die jahrhundertealte Erfahrung der Ärzte zu vertrauen, um "in Frieden und von unseren Angehörigen umgeben zu Hause zu sterben".
Drei Viertel der Briten befürworten Sterbehilfe
Pratchett wurde durch seine "Scheibenwelt"-Romane berühmt, die weltweit 55 Millionen Mal verkauft wurden. Die Geschichten spielen in einer scheibenförmigen Welt, die auf den Rücken von vier Elefanten ruht, die ihrerseits auf einer riesigen Schildkröte stehen. Im Jahr 2007 wurde bei Pratchett Alzheimer diagnostiziert.
Einer im Daily Telegraph veröffentlichten Umfrage zufolge befürworten drei Viertel der Briten ein neues Gesetz, das Sterbehilfe erlauben würde. Die rechtliche Lage in Großbritannien ist kompliziert. Sterbehilfe ist verboten und kann mit Gefängnisstrafen von bis zu 14 Jahren geahndet werden.
Im vergangenen September urteilte die britische Justiz jedoch, dass Menschen, die ihren kranken Angehörigen beim Freitod helfen, nicht zwangsläufig belangt werden müssen, wenn der Wunsch des Patienten eindeutig war und sie aus Mitleid handelten.
Gegner der Sterbehilfe sehen eine Änderung des Gesetzes kritisch und befürchten, dass schwerkranke Menschen dadurch in eine hilflose Situation geraten. "Unheilbar Kranke weniger durch das Gesetz zu schützen als alle anderen ist hochgradig diskriminierend und gefährlich", sagte Peter Saunders, Leiter der Protestkampagne "Fürsorge statt Töten" der BBC.
| © AFP/jj |
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