Massive Attack melden sich mit neuem Album zurück
| Veröffentlicht: | 5 Februar 2010 10:39 |
| Verändert : | 5 Februar 2010 10:39 |
HAMBURG - Das erste Album von Massive Attack seit sieben Jahren war eine ziemlich schwere Geburt.
Schließlich haben die zum Duo geschrumpften Erfinder des Trip-Hop jüngst verlauten lassen, sie hätten ein fertiges Werk in den digitalen Papierkorb geworfen."Alles Mist", war sinngemäß die Begründung von DJ Grant "Daddy G" Marshall und Soundexperte Robert "3D" Del Naja.
Zum Glück haben letztlich doch zehn Stücke die interne Qualitätskontrolle bestanden - jetzt unter dem Namen "Heligoland" erschienen.
Nahezu 20 Jahre liegt der weltweite Durchbruch von Massive Attack zurück - mit der Single "Unfinished Sympathy", dem Album "Blue Lines" und vor allem einem damals so noch nicht gehörten Sound: Die schweren Beats des Hip-Hop, die Düsternis obskurer Filmsoundtracks und der Entdeckergeist des Postpunk, die von Gastsängerinnen und -sängern ins Spiel gebrachte Wärme alter Soul- und Reggae-Singles - das zusammen ergab jene mal beruhigende, mal aufwühlende Melange, die als Trip-Hop in den Popmusik-Kanon einging.
Kaum Experimente und Abenteuerlust
Diesen musikalischen Kurs hat die Band aus der englischen Hafenstadt Bristol gehalten - und ist damit nun vor "Heligoland" vor Anker gegangen ("Heligoland ist der englische Name für Deutschlands einzige Hochseeinsel Helgoland). So ist das neue Album zwar kein Aufbruch zu neuen Ufern geworden, bietet kaum Experimente und Abenteuerlust, aber dennoch präsentiert sich die Band so spannend wie eh und je.
Während sich die Eröffnungsnummer "Pray For Rain" nahezu sieben Minuten lang träge dahinschleppt, kommt das Stück "Babel" hektisch pulsierend daher. "Girl I Love You" mutet phasenweise orientalisch an - wobei die Liebe selbstredend eine unglückliche ist. Massive Attack lotet die Grenzen ihres selbstgeschaffenen Soundkosmos konsequent aus - den einen oder anderen zaghaften Grenzübertritt in Form frischer Klangfarben inklusive.
Einmal mehr bietet die Band viele Gast-Vokalisten auf, wie Damon Albarn, den Kopf der Bands Blur und Gorillaz. Er singt nicht nur den Song "Saturday Come Slow" und spielt hier und da Bass und Keyboard: Vielmehr ist er mit dafür verantwortlich, dass die schwere Geburt am Ende einen glücklichen Ausgang nahm: In Albarns Studio nahmen Massive Attack nach ihrer Löschaktion die Arbeit wieder auf. Das sei ein großartiger Neustart gewesen, sagen die Musiker heute. Zudem habe sie Albarn angetrieben und immer wieder gefragt, wann seine Stücke denn nun endlich fertig würden.
| © dpa/jj |
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