Köhler ruft zu grundlegend neuem Lebensstil auf
| Veröffentlicht: | 25 Oktober 2009 13:42 |
| Verändert : | 25 Oktober 2009 13:41 |
AUGSBURG - Bundespräsident Horst Köhler hat die Deutschen angesichts des Klimawandels zu einem grundlegend anderen Lebensstil aufgerufen.
"Es ist Zeit, darüber nachzudenken, ob ein schlichtes "Immer mehr"-Denken die Zukunft gewinnen kann", sagte Köhler am Sonntag in Berlin anlässlich der Verleihung des Deutschen Umweltpreises.
Köhler sagte, er sei sich zwar bewusst, dass ein Aufruf zu Verzicht an die Menschen oft als wenig überzeugend gelte. Doch solle der Hinweis ernst genommen werden, "dass unser heutiger Lebensstil jede Menge Verzicht von uns fordert".
So verzichteten die Menschen auf belebte Innenstädte "und tauschen dafür Einkaufszentren auf ehemals grünen Wiesen ein". Menschen an Hauptverkehrsstraßen verzichteten auf Ruhe, ältere Menschen und Kinder auf Bewegungsfreiheit außerhalb der Wohnung. Pendler verzichteten heutzutage auf Zeit mit Familie und Kindern. "Ein großer Teil unseres Alltags besteht aus Verzicht, wir haben es nur noch nicht begriffen", sagte Köhler.
'Nachhaltigkeit muss Kult werden'
Köhler sagte, notwendig sei, dass ein nachhaltiger Lebensstil zum "Kult" werde. Der Wandel sei schon im Gang. "Es ist 'cool', mit dem Fahrrad durch die Stadt zu fahren, statt mit dem Geländewagen", sagte Köhler.
Das Energiesparhaus werde zum "Statussymbol". Viele Menschen in Deutschland engagierten sich in Schulen, Kindergärten, Kirchen und Organisationen dafür, den Wandel zur Nachhaltigkeit voranzutreiben. "Noch sind sie eine Minderheit", sagte Köhler. "Doch schon manche Minderheit wurde zur Mehrheit und hat Geschichte gemacht", sagte er.
Umweltpreis für Zahrnt
Köhler verlieh den Deutschen Umweltpreis an Angelika Zahrnt, die von 1998 bis 2007 Vorsitzende des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) war. Außerdem ging der Preis an Bo Barker Jørgensen, den Direktor des Max-Planck-Instituts für marine Mikrobiologie in Bremen für seine Forschungen zum Einfluss der Weltmeere auf das Klimageschehen.
Einen weiteren Preis teilen sich die mittelständischen Unternehmer Petra Bültmann-Steffin und Carsten Bührer für die Entwicklung und Anwendung energiesparender Produktionstechnik.
Der deutsche Umweltpreis ist die höchstdotierte Ökologie-Auszeichnung in Europa. Pro Preisträger ist er in diesem Jahr mit 160.000 Euro dotiert.
| © AFP/ank |
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