Im Rausch der Shopping-Tüten
| Veröffentlicht: | 27 Januar 2010 15:49 |
| Verändert : | 27 Januar 2010 15:49 |
HANNOVER - In der Kassenschlange erleben sie einen kurzen, aber intensiven Moment des Glücks:
Rund 800.000 Menschen in Deutschland leiden unter Kaufsucht, wie die Techniker Krankenkasse (TK) Niedersachsen am Mittwoch in Hannover unter Berufung auf eine Untersuchung der Fachhochschule Ludwigshafen mitteilte. Kaufsuchtgefährdet seien rund vier Millionen Deutsche, also knapp fünf Prozent.
"Kaufsucht ist eine unauffällige Sucht", sagte Ulrike Fieback, Sprecherin der TK Niedersachsen, "Sie kommt schleichend und wird immer massiver." Laut TK sind Frauen stärker betroffen als Männer, im Winter ist die Kaufsucht stärker ausgeprägt als im Sommer.
Ersatz für Anerkennung oder Liebe
Befriedigen Männer die Sucht vor allem mit technischen Artikeln, wie Auto- oder Computerzubehör, so erwerben Frauen zwanghaft Kleidung, Schuhe oder Kosmetikartikel. Zu kaufen wird den Angaben zufolge für den Süchtigen ein Ersatz für Anerkennung oder Liebe, bis hin zum Partner; oft geht die Kaufsucht mit Depressionen und Essstörungen einher.
Die Konsequenzen aus der Krankheit, die lateinisch Oniomanie heißt, sind gravierend - nicht nur für den Kaufsüchtigen. Ganze Familien können zerstört werden durch Überschuldung, Insolvenz oder Abrutschen in die Kriminalität.
Erste Hilfe: Kreditkarten zurückgeben
Wird das Kaufen verboten, stellen sich Herzrasen, Schweißausbrüche und innere Unruhe ein. Als Erste Hilfe empfiehlt die TK zum Beispiel, die Kreditkarten zurückzugeben, Outlet-Center zu meiden und den kompletten Garderoben- und Wohnungsbestand aufzuschreiben und die Liste immer bei sich zu tragen. Beim Warten in der Kassenschlange soll die Liste helfen, den überflüssigen Rasierapparat oder Seidenschal wieder ins Regal zu legen.
| © AFP/bas |
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