Das Neue Berlin (Hg.) - 'Schön nackt. Aktfotografie in der DDR'
| Veröffentlicht: | 27 Mai 2009 23:52 |
| Verändert : | 27 Mai 2009 23:52 |
RONNY FEIGENSPAN - Pünktlich zum 20jährigen Wendejubiläum bringt der Verlag Das Neue Berlin ein Buch zum Thema Aktfotografie in der DDR heraus.
Der Band stellt die 18 bedeutendsten Aktfotografen der DDR vor. Abgerundet wird die Publikation durch einleitende Worte von Willi Sitte und ein Schlusswort von Jutta Resch-Treuwert, die viele noch aufgrund ihrer Aufklärungskolumne in der "Jungen Welt“ als "Dr. Sommer des Ostens“ kennen. Von jedem Fotografen sind cirka acht Bilder zu sehen, alle in Schwarzweiß.
Am bekanntesten sind dabei Günter Gueffroy und Günter Rössler. Letzterer lieferte bereits 1984 die Fotos zu einer Beilage des westdeutschen Playboy unter dem Titel "Mädchen der DDR“. Auch Gueffroy konnte sich international durchsetzen. Er lichtete 1990 das erste Playmate aus Ostdeutschland ab.
Politische Nacktheit
Aktfotografie in der DDR war etwas anderes als in Westdeutschland. Wenn sich eine Frau in der DDR nackt fotografieren lies, dann wollte sie kein Supermodel werden. Und auch die Fotografen konnten nicht darauf hoffen, viel Geld zu verdienen. Veröffentlicht wurden die Bilder vor allem in dem Monatsheft "Das Magazin“.
Als erstes fällt dem heutigen Betrachter die ungewohnte Schambehaarung der Models auf. Und, wie Jutta Resch-Treuwert schreibt, die Dargestellten "finden das nicht peinlich. Selbstbewusst strecken sie ihre nackten Körper ganz ohne aufgeblasene Brüste. Sie sind weder gepierct noch mit Tattoos geschmückt“.
Nacktheit in der DDR war in zweierlei Hinsicht politisch. Die Körper durften einerseits keinen kommerziell motivierten ästhetischen Vorgaben gehorchen. Andererseits stellte der Akt und die weit verbreitete FKK-Kultur in ihrer Wahrhaftigkeit einen unscheinbaren Protest gegen die offiziell vermittelte ideologische Lüge dar. "Sie stand in keinem Parteiprogramm und nicht auf dem Markt.“, formuliert das Vorwort.
Keine Farbe
Dem Anspruch, dieses Buch sei "der erste Sammelband, der in der Retrospektive Aktfotografie der DDR zeigt“ (Pressemitteilung), kann die Publikation jedoch nicht gerecht werden. Sie ist lediglich eine Sammlung von Fotos, deren früheste aus dem Jahr 1969 stammen. Der interessierte Leser erfährt nichts über das Wagnis "Aktfotografie“ in der DDR. Das "Vorwort“ von Willi Sitte ist eigentlich kein Vorwort, sondern ein Interview mit ihm, ohne dass man erfährt, wer das Gespräch führt.
Auch in der DDR gab es bereits farbige Aktfotografien, die im "Magazin“ auch farbig gedruckt wurden. Dieser Aspekt wird überhaupt nicht thematisiert. Schlimmer noch: Einige der abgebildeten Schwarz-Weiß-Aufnahmen sind im Original farbig. Eine Erklärung oder auch nur ein Hinweis darauf fehlt.
Eines steht jedoch fest: Die Fotos sind deutlich ästhetischer als die Abbildungen von schönheitsoperierten und computergeschönten Models, wie man sie heute in Zeitschriften findet. Wer einfach nur schöne Aktfotografien sehen will, dem sei das Buch trotz seiner Nachteile empfohlen.
3 von 5 Sternen
Das Neue Berlin (Hg.): 'Schön nackt. Aktfotografie in der DDR'
Verlag Das Neue Berlin 2009, 192 Seiten, EUR 19,90.
| © Dnews.de/Ronny Feigenspan |
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