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- Literatur: Nachrichten auf einen Blick.

Heike Faller - Wie ich einmal versuchte, reich zu werden

Veröffentlicht: 11 Juni 2009 10:39
Verändert : 12 Juni 2009 11:31

KATRIN SCHUSTER - Solche Sachbücher, die statt von Fakten von den individuellen Erlebnissen eines Ichs handeln, sind gerade schwer in Mode.

Mit ihrem Buch 'Wie ich einmal versuchte, reich zu werden' liegt die Journalistin Heike Faller voll im Trend. Dieser Trend ist zwar nicht mehr ganz neu, aber doch neu genug, dass der stellvertretende Chefredakteur der Süddeutschen Zeitung ihm jüngst eine Glosse widmete. In Kurt Kisters Worten auf den Punkt gebracht: "Der Journalist will nicht mehr leben, ohne dass er ein Buch schreibt."

Und auch der Inhalt dieses Buch ist ausnehmend zeitgemäß: Es geht um Börse und Finanzen, um Marktwirtschaft und Krise und darum, dass sich Faller mit diesen Dingen eigentlich gar nicht so gut auskennt.

Solche Sachbücher, die statt von Fakten von den individuellen Erlebnissen eines Ichs handeln, sind ja ebenfalls gerade schwer in Mode. Bloß keinen Leser mit Expertenwissen überfordern!

Verdopplung von 10.000 Euro

Alles beginnt mit dem Auftrag, über zwei Vermögensberater zu berichten. Ihr "Wissensstand eines Dienstmädchens" sei dabei kein Hindernis gewesen, erzählt Faller, sondern ihre Qualifikation. Die Not des Amateurs avanciert zur journalistischen Tugend: "Mein Chef … schickte mich hin, weil er wusste, dass ich nicht im Börsenjargon über sie schreiben würde."

Derselben Annahme verdankt sich in der Folge auch das Buch selbst: "Ich nahm mir vor, dass ich ein Jahr lang nichts anderes tun würde, als das Spekulieren zu lernen und darüber zu schreiben." Gesagt, getan.

Zum Ziel nimmt sich Faller die Verdopplung von 10.000 Euro. Sie investiert in Gold und in Optionsscheine, sie trifft den Finanzguru George Soros, verbringt einen Abend an der Seite eines Mathematikers im Casino, reist mit einem schwedischen Anleger-Abenteurer in den Irak, um ihr Geld an der Bagdader Börse zu verwenden; auch weiß sie ein paar im besten Sinne merkwürdige Geschichten aus der Historie des Spekulierens darzubieten.

Da erweist sich die Autorin als die gute Journalistin, die sie ist: Das Anekdotische liegt ihr zweifellos, sie hat einen aufmerksamen Blick für die ironischen und zynischen Volten der Wirklichkeit.

Lob des Kapitalismus

Das schien ihr jedoch nicht genug, deshalb schwingt sie sich am Ende zu einem seltsam unmotivierten Lob des Kapitalismus auf. Wodurch ihr andauerndes und - ja: feiges Kokettieren mit der Laienhaftigkeit auf eine peinliche Spitze getrieben wäre. Geschäftemachen bringe die Leute schließlich miteinander ins Gespräch, philosophiert sie vor sich hin; auch habe sie keinen einzigen jener "Gierhälse" kennen gelernt, von denen jetzt ja überall die Rede sei.

Da freut man sich dann doch, dass sich eine derart ausgestellte Naivität vielleicht in Buchhonoraren, aber wenigstens nicht an der Börse auszahlt: Der Reingewinn ihres Experiments beläuft sich am Ende auf 155 - in Worten: einhundertfünfundfünfzig - Euro. Die eigenen 19,95 Euro sind woanders wohl besser anlegt.

Zwei von fünf Sternen

Heike Faller: 'Wie ich einmal versuchte, reich zu werden. Mein Jahr unter Spekulanten.'
DVA 2009, 234 Seiten, EUR 19,95.

© Dnews.de/Katrin Schuster
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