rss

- Meta.Media: Nachrichten auf einen Blick.

Was machen eigentlich ... Social-Media-Berater?

Veröffentlicht: 5 September 2009 14:37
Verändert : 5 September 2009 14:50

Fall 'Trainer Baade' zeigt: Offenbar trainieren sie andere nicht genug.

Von den relativ unnützen Fakten, deren sich unser armes Gehirn unentwegt erwehren muss, sind bei mir in dieser Woche drei Dinge hängen geblieben: Die mir bis dahin völlig unbekannte Sportartikelfirma Jako. Der noch unbekanntere „Trainer Baade", ein privater Internetpublizist, vulgo: Blogger. Und die Tatsache, dass Großkonzerne und Mittelständler immer noch nicht gemerkt haben, wie sehr sie sich durch falsches Auftreten im Web 2.0 aus vermeintlichen Problemen selbst echte machen könne.

Eine Firma, ein Blogger, negative Folgen: Schon anhand dieser Stichwörter kann man sich denken, wie die Sache (wieder einmal) abgelaufen ist. Entsprechend lakonisch schildert Christian Stöcker von Spiegel Online die Angelegenheit: „Ein Blogger kritisiert eine Firma, der missfällt der Blog-Eintrag - prompt kommt die Abmahnung. Das wird öffentlich, ein PR-Gau droht.“

Lehrbuch-Beispiel für einen PR-Gau

Erstaunlich, dass diese – angesichts der Beteiligten sei die Wortwahl verziehen - perfekte Eigentor-Strategie für Unternehmen immer noch funktioniert. Dabei ist der zugrunde liegende Mechanismus doch schon seit Jahren identifiziert, hat einen eigenen Namen und einen ausführlichen Wikipedia-Eintrag: Streisand-Effekt.

Und auch in Deutschland gilt der Fall Jamba vs. Spreeblick seit 2004 als Paradebeispiel dafür, dass man mit ungeschicktem oder brachialen Auftreten gegen missliebige Internet-Publikationen genau das Gegenteil des Gewünschten erreicht: Nämlich sich selbst gerade erst ins Scheinwerferlicht manövriert.

Ein Eigentor, als das Spiel schon gewonnen schien

Im Fall von "Trainer Baade“ kommt hinzu, dass dieser seinen ursprünglichen Vergleich der Marke Jako mit den Billigmärkten Lidl und Aldi schon bald nach dem ersten Anwaltsschreiben aus dem Netz genommen hatte, um juristischen Ärger zu vermeiden. Der Streisand-Effekt trat erst ein, als die Jako-Juristen den Blogger auch für eine News-Such- und Sammel-Website verantwortlich machen wollten, die mit ihm überhaupt nichts zu tun hat, aber ungefragt seinen Lidl-Vergleich zitierte.

Berater in die Produktion!

Dass man in der Jako-Firmenzentrale in 74673 Mulfingen-Hollenbach nicht vernommen (oder nicht verstanden) hat, wie solche News-Aggregatoren funktionieren – okay. Dass die Firma aber im Jahr 5 nach Jamba in ein solches Online-PR-Desaster reinsteuert, lässt ihre fachlichen Berater nicht in bestem Licht dastehen. Das gilt zum einen für die Juristen.

Zum anderen frage ich mich aber auch, was eigentlich eine andere Spezies den ganzen Tag lang treibt. Wer sich für Soziale Netzwerke, User-Generated-Content, kollaboratives Irgendwas oder kurz - den Web-2.0-Kram - interessiert, wird im Netz alle naselang mit den gebloggten oder gewittterten Einschätzungen und Empfehlungen selbsternannter Social-Meda-Berater konfrontiert. Wahrscheinlich beschäftigt sie gerade jetzt die Analyse der Jako-Niederlage.

Dabei sollte den Social-Media-Beratern vor allem eins klar werden: Dass es für sie noch viel zu tun gibt und sie doch lieber mehr mit Kunden-Akquise und tatsächlicher Beratung beschäftigen sollten, statt nur über das Beraten zu bloggen.

© Dnews.de/Fiete Stegers
RSS-Feed erstellen: