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- Meta.Media: Nachrichten auf einen Blick.

Telekolleg YouTube

Veröffentlicht: 9 Mai 2009 12:40
Verändert : 9 Mai 2009 12:40

FIETE STEGERS - YouTube ist die Anti-These der Wikipedia - und doch ebenso wertvoll für die Wissensgesellschaft.

"Glückliche Geburt dank YouTube-Video“  - diese kurze Nachricht aus England war nicht nur für die direkt Beteiligten (Vater, Mutter, Kind) eine gute. Sie ist ein Zeichen dafür, dass YouTube eben nicht nur das ist, als was es oft gehandelt wird: ein Fernseh-Abklatsch für Mindermittelte, ein Tummelplatz für Selbstdarsteller aller Ort und eine Plattform zum Brechen möglich vieler Copyrights.

Geburt im Auto

Natürlich findet sich das alles auch auf YouTube. Aber YouTube ist ganz nebenbei auch zu einem Wissenspeicher geworden, dem eine kleine Engländerin eine einigermaßen geglückte Ankunft auf Erden verdankt.

Offenbar zeigte der werdende Vater nicht als einziger Interesse an Geburtshilfe per Bewegtbild: Beim Eintippen eines entsprechenden Suchbegriffs bietet YouTube gleich die Spezialfälle "giving birth in a hospital“, "giving birth alone“ und"giving birth in a car“ zur Auswahl.

Wer weniger an praktischer Hilfestellung als an biologischen Vergleichen interessiert ist, kann auch das Erscheinen kleiner Affen, Katzen, Ziegen, Hunde, Schafe und weiterer Tierarten betrachten.

Neben den berühmten Experimenten mit "Mentos“ oder Tipps für den Fall, dass man im Nebenbüro nach Feierabend zufällig eine Atombombe entdeckt und niemand anders zum Entschärfen vor Ort ist, bietet YouTube auch Einführungskurse in Mandarin, Hip-Hop-Kultur und Imbissdeutsch.

Und natürlich findet sich auch das Original-Telekolleg mit unvergessenen didaktischen Hochleistugen wie der Mathematik-Episode "Analysis I“ zum Thema "Grenzwerte bei Funktionen“. Anhand dieser lässt sich - ebenso wie bei Musikvideos vergangener Jahrzehnte - auch sehr schön die modische Entwicklung nachschlagen.

Überhaupt ist YouTube zu einem popkulturellen Gedächtnis geworden: Alte Live-Aufnahmen von Jazz-Größen können angesehen werden, aktuelle Hits lassen sich sehr viel bequemer als bei Online-Musikshops und in voller Länge anhören.

Nippel-Gate und Prager Botschaft

Politische Interessierte finden Wahlkampfthemen und -Werbespots aus den 80er Jahren genauso wie die Rede-Beiträge der jüngsten Bundestagsdebatte über die Sperrung von Internetseiten zur Verhinderung von Kinderpornographie.

Historische Momente wie Genschers Rede in der Prager Botschaft oder Janet Jacksons Nippel-Show bei der Superbowl können bei YouTube noch einmal angesehen werden. Das ist ein gigantischer Archiv-Schatz, von dem frühere Generationen noch nicht einmal geträumt haben - auch wenn Niklas Luhmann neben Furz-Filmen steht.

YouTube sozialisieren?

Anders als die um Seriösität bemühte Wikipedia, bei der Power-User und Administratoren stets die Relevanz von Einträgen für die Nachwelt hinterfragen, liegt die Mitmach-Hürde bei YouTube nicht nur niedriger, sondern ist quasi nicht vorhanden.

Problematisch ist einzig: Erstens liegen die Videorechte häufig eben doch nicht bei den Nutzern, die brav Inhalte digitalisieren und einstellen. Und zweitens hat die Betreiber-Firma - sprich Google - die letztendliche Verfügungsgewalt über alle Inhalte.

Aus rein kulturhistorischer Sicht müssten aber eigentlich alle Inhalte sicherheitshalber in öffentliches Eigentum überführt werden ...

© Dnews.de/Fiete Stegers
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