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- Meta.Media: Nachrichten auf einen Blick.

Die Graswurzeln müssen noch wachsen

Veröffentlicht: 12 Juni 2009 23:58
Verändert : 12 Juni 2009 23:57

FIETE STEGERS - Unabhängige Websites, die den Netzwahlkampf aufmischen, fehlen noch.

Noch gut drei Monate bis zur Bundestagswahl. Die Parteien haben ihre virtuellen Homepages aufpoliert und bemühen sich mit Werkzeugen aus dem Social-Media-Kasten, Anhänger zu mobilisieren und neue Wählergruppen zu erschließen. Darüber ist schon genug geschrieben - und gelästert - worden. Wie sieht es aus mit Angeboten von Medien und Unabhängigen zur Wahl aus?

Immerhin gibt es schon einige. Wahl.de ist wahrscheinlich das bekannteste. Die Site misst die Aktivität von Kandidaten und Parteien auf diversen Social-Media-Plattformen und stellt daraus Ranglisten auf. Eine nette Spielerei nicht nur für Statistik-Fans - aber inhaltlich bringen diese Meta-Charts niemanden wirklich weiter. Twitterwahl funktioniert ähnlich, bleibt aber noch nichtssagender.

Der Wahl-O-Mat ist noch nicht online, soll aber wieder kommen. Diesen Entscheidungshelfer der Bundeszentrale für politische Bildung, mit dem Nutzer ihre Übereinstimmung mit den Parteien prüfen können, gibt es seit Jahren zu allen größeren Wahlen. Derzeit werden Jugendliche gesucht, die mithelfen, die nötigen Fragen auszuarbeiten.

Grundideen sind nicht neu

Auch die öffentlich-rechtlichen Sender setzen auf netzgestützte Angebote, um eine jüngere Zielgruppe für das Gähn-Thema Wahl zu interessieren. Die ZDF-Aktion "Open Reichstag“ , bei der sich Nutzer via YouTube-Video in die Diskussion einschalten können, läuft trotz eifrigen Rührens der Werbetrommel verhalten an. Das ZDF kooperiert außerdem u. a. mit Zeit Online und StudiVZ für das Angebot "Wahlzentrale“, das Nachrichten und Diskussionsforen zusammenführt. Noch nie da gewesen? Die Antwort auf diese Frage erübrigt sich.

Auch Wahlfahrt09, ein Reportage-Blog von jungen Journalisten, das Vor-Ort-Berichterstattung aus den Niederungen des Wahlkampfes leisten und sich dabei von User-Tipps leiten lassen will, ist keine brandneue Idee. Lassen wir uns überraschen, welche Impulse ab August von den Wahlfahrern kommen. Via dpa werden ihre Inhalte dann an Online-Auftritte von Tageszeitungen verteilt. Hoffentlich hemmt diese Reichweite nicht die Courage.

Relevanz in der Blogblase

Unabhängig und beharrlich arbeitet das Gruppen-Blog Carta mit Schwerpunkt Medien und Politik [www.carta.info] daran, eine Stimme zu werden, die wahrgenommen wird. Einige sehr lesenswerte Beiträge und nicht ganz unbekannte Gastautoren stehen auf der Habenseite. Ob es Carta aber im Gegensatz zu anderen Websites in früheren Wahlkämpfen gelingt, so nennenswert über den Netz-Subkosmos hinauszustrahlen? Daran muss auch Ex-Stoiber Berater Michael Spreng mit seinem Meinungsblog "Sprengsatz“ noch arbeiten.

Jenseits der Internetzensur-Kritiker um Netzpolitik.org und seine Verbündeten fehlen Meinungsblogs, die in den Mainstream hineinwirken, aber auch Nachrichten-Taktgeber und Aggregatoren, oder Websites, die Online-Werkzeuge massenattraktiv für neue Politik-Ansätze einsetzen.

Vielversprechend klingt zumindest in der Theorie der Ansatz der taz, die unabhängig von der Bundestagswahl eine Vernetzungsplattform für politische Aktionen anbietet und damit zu ihren Graswurzeln zurück. 

Ansonsten hoffe ich wenigstens auf einen Twitter-Whistleblower oder einen Kandidaten, den ein unerwartet bei YouTube veröffentlichter Mitschnitt eines Wahlkampf-Fehltritts ins Stolpern bringt. Dann schließt Deutschland wenigstens in dieser Hinsicht zu den USA auf.

Hinweise auf weitere Interessante Projekte gerne an dnews@netzjournalismus.de.

© Dnews.de/Fiete Stegers
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