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- Meta.Media: Nachrichten auf einen Blick.

Was tun mit Twitter?

Veröffentlicht: 20 März 2009 23:46
Verändert : 23 März 2009 13:48

FIETE STEGERS - Bei den Anschlägen von Mumbai haben viele Journalisten erstmals davon gehört. Die Notlandung im Hudson machte es richtig populär. Beim Amoklauf erwarteten dann manche Wunderdinge von Twitter. Und nun?

Fast drei Jahre gab es Twitter schon, als es ein Schnappschuss eines Flugzeug im Hudson plötzlich zum Hype machte. Nicht nur, aber besonders in Deutschland, wo die meisten Journalisten den Microblogging-Dienst vorher kaum wahrgenommen hatten.

'Ich weiß doch auch nichts'

Beim Flugzeugunglück von Amsterdam setzte der Wiederholungsreflex ein. Gestandene Nachrichtenredakteure klassischer Medien wollten wissen, was via Twitter zu erfahren war. Beim Amoklauf in Winnenden kippte die Begeisterung ins Skurrile, als die einzige Twitternutzerin vor Ort von internationalen Medien als Interviewpartnerin angefragt wurde. Obwohl sie twitterte: "Liebe Presse, ich weiß doch auch nichts.“

Entnervt forderte Twitter-Fan Mario Sixtus seine Journalistenkollegen auf, bitte vor Ort zu recherchieren.

Focus

Reporter des Focus machten genau das. Und tickerten in einem Twitter-Account die neuesten Meldungen, gemischt mit Einsprengseln über ihre Arbeit.

Manchen Kritiker stieß diese Mischung sauer auf. Der internetskeptische Vorsitzende des Deutschen Journalistenverbandes warnte vor "Selbstinszenierung“ der Berichterstatter. Und auch Focus-Online Chef Jochen Wegner räumte ein, nicht alles richtig gemacht zu haben.

Im Prinzip aber hat der Focus Online genau den richtigen Weg eingeschlagen: Für sich entwickelnde Ereignisse ist Twitter genau das richtige Format. Richtig ist auch, dass für diese Berichterstattung ein spezielles Account eingesetzt wurde, anstatt eines, dass sonst automatische Artikel anpreist. "Ironischerweise wurden wir bisher ebenso harsch dafür kritisiert, dass wir über Twitter nicht kommuniziert, sondern lediglich Links auf unsere Beiträge publiziert haben“, schreibt Wegner.

Twitter-Chat

Die Kommunikation mit dem Publikum, die bei Focus Online noch in den Anfängen steckt, ist der zweite wichtige Punkt beim Twitter-Einsatz. Twitter ist einem öffentlichen Chat ähnlicher als einem Blog. Redaktionen, die in den Dialog eintreten, haben im Verhältnis zu ihrer sonstigen Nutzerzahl besonders viele Twitterjünger. Erstaunlich viele Online-Chefredakteure sind über Twitter zu erreichen und reagieren auf Kritik.

Seltsam erscheinen mir allerdings Kollegen, die sich nun für Twitter begeistern, Blogs aber nie leiden konnten. Beide haben als Nachrichtenquelle viel gemeinsam. Twitter hat gegenüber Blogs nur einen entscheidenden Vorteil: Es ist schneller und ortsununabhänger, weil viele Posts vom Handy kommen. Die gezielte Suche im Twitter-Stroms ist hingegen noch mühseliger als bei Weblogs. Hier kann man gespannt sein, wie es künftig Redaktionen gelingen wird, solches Gezwitscher zu kanalisieren und in Mehrwert für sich und ihr Publikum umzuwandeln. So setzte die BBC einen Twitter-Dialog zur Begleitung einer Live-Übertragung ein - sicher auch im deutschen Wahljahr denkbar.


Die Dnews.de-Redaktion twittert unter www.twitter.com/Dnewsde, der Autor unter www.twitter.com/fiete_stegers.

© Dnews.de/Fiete Stegers
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