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Welche Blogs sind die wichtigsten?

Veröffentlicht: 8 August 2009 08:07
Verändert : 17 August 2009 11:29

FIETE STEGERS - Trotz vieler Statistik-Versuche fehlt eine verlässliche Weblog-Rangliste noch.

"Blogs finde ich so verwirrend. Welche sind denn nun die wichtigsten und für mich relevanten?“ ist eine Frage, die ich häufig in Seminaren über das Web höre.

Meist verweise ich dann unter anderem auf die "Deutschen Blogcharts“ - in Ermangelung besserer Alternativen.

Diese Woche verkündete Blogcharts-Betreiber Jens Schröder einen privaten Epochenwechsel: Von nun an werden seine Charts auf den Daten der nicht allzu bekannten Blog-Suchmaschine Icerocket basieren. Bisher hatte Schröder seine Top-100 der deutschen Blogs mit Daten von der Suchmaschine Technorati gefüttert. Aber Technorati lahmt.

Welche Blogs von der Suchmaschine eigentlich genau erfasst werden, welche Links und welchen Zeitraum sie auswertet, war schon immer relativ vage - und ist mit der Zeit nicht besser geworden. Seit zwei Monaten beobachtete Schröder bei Technorati, "dass neue Blogs teilweise überhaupt nicht mehr aufgenommen werden, die manuelle Ping-Funktion nicht mehr richtig läuft, andere Blogs gesperrt werden."

Seitdem stelle er sich des Öfteren die Frage, ob dort überhaupt noch jemand arbeitet, der sich um die Technik kümmert - oder ob man offenen Auges das ehemals konkurrenzlose Angebot gegen die Wand fahren lässt.

Welche Blogs werden überhaupt ausgewertet?

Jetzt also Icerocket. Wie zuvor bei Technorati basieren die Blogcharts darauf, wieviele Links von wie vielen anderen Blogs auf eine Website gesetzt werden. So wird Spitzenreiter Netzpolitik.org laut Blogcharts von 1.481 anderen Blogs verlinkt, für Platz 100 der Charts reichten dem iPhone-Blog 103 Linksetzer.

Das Problem der Charts ist aber leider das gleiche wie zu Technorati-Zeiten geblieben: Welche Blogs in Schröders manuellen Berechnungen überhaupt berücksichtigt werden, liegt ganz allein bei ihm.

Etwa 200 bekannte Blogs wertet Schröder. Angesichts der Zersplitterung der Blogosphäre in Sub-Zirkel, die wenig miteinander zu tun haben und so auch nicht auf einander verlinken, ist das dennoch alles andere als eine umfassende Grundgesamtheit.

Twitter macht Charts noch schwerer

Schröder vergleicht Links in seinem Charts-FAQ mit den "Zitate-Rankings“ klassischer Medien. Deshalb seien sie aussagekräftiger als manipulierbare Zugriffszahlen. Seitenzugriffe werden hingegen gar nicht berücksichtigt. Links von Nicht-Blogs fallen auch heraus.

Und Verlinkungen sind nur ein Indikator für das Leser-Interesse, keine wirklich verlässliche Größe. Zumal auch unter jenen Bloggern, die sich mehr oder weniger als Teil einer Blog-Szene verstehen, Twitter besonders populär geworden ist.

Ein größerer Teil der früher für die Wertung der Blogcharts relevanten Link-Hinweise ("Schaut Euch das an, das ist interessant!“) wird heute über Twitter weitergeben. Blogs verlinken offensichtlich weniger untereinander als früher.

Schon durch zwei Links ein heißes Thema

Eine wirklich verlässliche allgemeine Instanz über die populärsten deutschen Blogs fehlt also. Blogoscoop stützt sich zwar auf Abrufzahlen, wertet aber nur Blogs aus, die sich vorher angemeldet haben. Wikio und Twingly liefern ähnlich lückenhafte Bilder wie die Deutschen Blogcharts.

Bei Rivva lässt sich zwar ablesen, über welche "heißen Themen“ in den letzten Stunden in deutschen Blogs diskutiert wurde, aber mitunter kann man es auch schon mit einem Thema, das in zwei eigenen Blogs gegenseitig verlinkt wurde, auf Rivva schaffen. Und welche Blogs Rivva überhaupt auswertet, ist ebenfalls undeutlich.

Immerhin: In den meisten dieser Statistiken tummeln sich oben dieselben Namen, wenn auch in unterschiedlicher Reihenfolge: Netzpolitik.org, Stefan Niggemeier und Nerdcore.

Ganz so falsch liegen die verschiedenen Charts also nicht - trotz der geschilderten Mängel. Aber letztendlich kommt es ja auch darauf gar nicht an. Welche die wichtigsten Blogs sind, hängt ganz von den Interessen des einzelnen Nutzers ab. Deshalb: Auf Entdeckungstour gehen! Das rate ich dann auch immer den Seminarteilnehmern.

© Dnews.de/Fiete Stegers
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