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Krise, Kriege, Klimawandel

Veröffentlicht: 11 September 2009 07:20
Verändert : 11 September 2009 07:20

STEPHAN KAUFMANN - Im Deutschen stammt das Wort "Krise“ aus dem Bereich der Medizin, wo es die Wende eines Krankheitsverlaufs bezeichnete.

Angesichts der jüngsten Krisen sind Zweifel angebracht, ob die Wende eine zum Besseren ist.

Beispiel Finanzkrise: Vor einem Jahr, am 15. September 2008, brach die US-Investmentbank Lehman Brothers zusammen. An den Finanzmärkten brach daraufhin Panik aus. Börsen stürzten ein, Banken gingen pleite, es folgte eine Rezession.

Der 15. September sei ein Tag, der "die Welt verändert“, hieß es damals. Die Süddeutsche Zeitung prophezeite die Ankunft eines "moralisch geläuterten Kapitalismus“.

Keine 'neue Finanzmarktordnung'

Und heute? Die groß angekündigte "neue Finanzmarktordnung“ kommt nur schleppend voran. Tief greifende Änderungen wird es nicht geben. Zu groß ist das Interesse der Politik an expandierenden Finanzmärkten, man will sie nicht bändigen. Der aktuelle Aufschwung nimmt zudem den Druck raus: "Es besteht die Gefahr, dass wir einfach nur ein bisschen am System herumwerkeln - bis zur nächsten Krise“, sagt Ex-IWF-Ökonom Raghuram Rajan.

Vor acht Jahren, am 11. September 2001, stürzten in New York die Türme des World Trade Centers in sich zusammen. Auch diese Krise sollte die Welt verändern. Und sie tat es. Aber wie?

Bislang ist das Ergebnis von 9-11 ernüchternd: Mit dem Irak und Afghanistan befinden sich zwei Staaten im Zerfall. Die alten Ordnungen sind zerstört, eine neue ist nicht in Sicht. Ein neues Strategiepapier der EU-Kommission spricht Klartext: Die Probleme in Afghanistan sind heute weitgehend die gleichen wie in der ersten Phase des Militäreinsatzes.

Mehr Hunger in der Welt

Einige sahen die Ursache der Anschläge vom 11. September in der globalen Ungerechtigkeit. Für sie war es ein "Aufstand der Armen“ gegen den reichen Westen. Dies trifft sicher nicht den Kern der Sache. Schließlich warfen die muslimischen Eiferer dem Westen nicht seinen Reichtum vor, sondern seine Unmoral. Dennoch gelobten Politiker, die Minderung des Elends in der Welt zum Teil des "Krieges gegen den Terror“ zu machen.

Dieses Versprechen ist nicht eingelöst worden. Dieses Jahr steigt die Zahl der Hungernden um rund 100 Millionen erstmals über eine Milliarde Menschen. Das UN-Millenniums-Ziel, bis zum Jahr 2015 die Zahl der absolut Armen in der Welt zu halbieren, wird wohl nicht erreicht. Das UN-Ernährungsprogramm muss dieses Jahr seine Hilfen kürzen, weil viele Geberländer ihre Finanzzusagen nicht einhalten: 3,7 Milliarden Dollar wurden versprochen, 1,8 Milliarden bislang gezahlt. Die Hungerkrise lebt.

Der Klimawandel schreitet voran

Der wachsende Hunger in der Welt ist einerseits eine Folge der Wirtschaftskrise. Und andererseits der Klimakrise: Dürren und Überschwemmungen nehmen zu. Der Klimawandel schreitet schneller voran als bislang angenommen.

Seit Jahren "ringen“ die Industriestaaten um Maßnahmen zum Klimaschutz. Doch ringen sie nicht mit der globalen Erwärmung, sondern miteinander: Aus Sorge um Verluste beim Wirtschaftswachstum blockieren sie sich gegenseitig. Die Chancen sind minimal, dass auf dem UN-Klimagipfel in Kopenhagen im Dezember einschneidende Maßnahmen gegen den Klimawandel beschlossen werden.

Der französische Ministerpräsident Georges Clemenceau sagte einst: "Der Krieg ist eine zu ernste Sache, als dass man ihn den Generälen überlassen dürfte.“ Heute scheint es, als wäre die Politik eine zu ernste Sache, als dass man sie den Politikern überlassen dürfte.

© Dnews.de/Stephan Kaufmann
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