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- Monopoly: Nachrichten auf einen Blick.

Furcht vor Joe Average

Veröffentlicht: 20 März 2009 00:00
Verändert : 19 März 2009 17:37

STEPHAN KAUFMANN - In den USA steigt die Arbeitslosigkeit. Das macht die Finanzmärkte nervös.

Denn das bedeutet weniger Konsum, mehr Staatsverschuldung und Milliardenverluste für die Banken. Wachsende Armut ist eigentlich nichts, was Hedgefonds-Manager, Konzernlenker oder Börsianer groß stört.

Ob Menschen ihre Ersparnisse, Häuser oder Jobs verlieren, lässt sie nicht schwermütig werden - im Gegenteil. Wenn ein Unternehmen massiv Arbeitsplätze abbaut und damit seine Kosten senkt, so wurde dies schon so manches Mal mit satten Aktienkursgewinnen honoriert.

3 Millionen Jobs weg

Das aber ist heute anders. Mit Schrecken nahmen die Weltfinanzmärkte am Donnerstag die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in den USA zur Kenntnis. In der Woche zwischen dem 7. und 14. März lag ihre Zahl bei 646.000. Seit Beginn der Krise haben etwa 4,4 Millionen Amerikaner ihren Job verloren – drei Millionen allein in den letzten drei Monaten.

Das schafft Nervosität in den Vorstandsetagen und auf dem Börsenparkett. Dort regt sich jedoch nicht ein neues soziales Gewissen, sondern der Erwerbssinn. Denn verliert Joe Average – wie Otto Normalverbraucher in den USA genannt wird – seinen Job, geht er nicht mehr so viel einkaufen. Und wenn der Durchschnittsamerikaner nicht einkaufen geht, dann hat die ganze Welt ein Problem.

Motor der Weltwirtschaft

Die Bedeutung des US-Konsumenten für die globale Wirtschaft zeigen Zahlen des Internationalen Währungsfonds: So liegt die Wirtschaftsleistung der ganzen Welt bei 60 Billionen Dollar. 23 Prozent davon, also etwa 14 Billionen Dollar, entfallen auf die USA.

Der private Konsum macht in den USA etwa 70 Prozent der Wirtschaftsleistung aus – mithin also rund zehn Billionen Dollar. Die Ausgaben der Amerikaner sind also etwa drei Mal so groß wie die jährliche Wirtschaftsleistung Deutschlands.
Jahrelang hielt der Konsum der Amerikaner die Weltwirtschaft am Laufen. Sie kauften deutsche Autos, chinesische Kühlschränke, japanische Fernseher und versilberten so Unternehmensbilanzen rund um den Globus.

Nun aber verlieren sie ihre Jobs und damit ihr Einkommen. Steigende Arbeitslosigkeit führt zudem tendenziell zu sinkenden Löhnen für jene, die noch arbeiten.
Zu allem Überfluss hat die Krise die US-Haushalte massiv ärmer gemacht. Der Wert ihres Finanzvermögens schrumpfte allein zwischen Oktober und Dezember 2008 um sagenhafte 5.400 Milliarden Dollar – das hat es noch nie gegeben.

Das hat Folgen: Erstens werden die Amerikaner angesichts der schlechten Zeiten mehr auf die hohe Kante legen, um für Notfälle gerüstet zu sein. Damit bleibt noch weniger für den Konsum übrig. Die Unternehmen werden auf die abnehmende Nachfrage nach ihren Waren mit einer Senkung der Produktion, der Investitionen und der Belegschaft reagieren – die Krise vertieft sich.
Der Staat versucht, mit kreditfinanzierten Konjunkturprogrammen gegenzusteuern, was die Staatsschulden auf neue Höhen treibt.

Mehr Kreditausfälle

Zweitens bekommt Joe Average zunehmend Probleme damit, seine Schulden bei den Banken zu bedienen. Folge: Die Banken müssen Kreditforderungen abschreiben. Beim Kreditkartenanbieter American Express stieg die Ausfallrate im Februar von 8,3 auf 8,7 Prozent. Jeder weitere Prozentpunkt, den die Arbeitslosenrate steigt, kostet die Banken 17 Milliarden Dollar, hat die Bank UniCredit errechnet.
Die Politik, die Unternehmen und die Banken sollten sich also überlegen, wie sie die Haushaltskasse von Joe Average wieder ein bisschen auffüllen.

© Dnews.de/Stephan Kaufmann
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