Rom: Über 100.000 demonstrieren für Pressefreiheit
| Veröffentlicht: | 3 Oktober 2009 21:45 |
| Verändert : | 4 Oktober 2009 14:12 |
ROM - Rund 100.000 Menschen haben in Rom für die Pressefreiheit und gegen das Medienimperium von Ministerpräsident Silvio Berlusconi demonstriert.
Zu dem Protest hatten der italienische Journalistenverband sowie linke Parteien und Gewerkschaften aufgerufen. Nach Angaben er Organisatoren beteiligten sich 350.000 Menschen an dem Protest, die Behörden sprachen von 60.000 Demonstranten.
'Berlusconi schadet der Gesundheit'
"Das Recht auf Wissen und die Pflicht zur Information" stand auf einem großen Transparent über dem Podium auf der Piazza del Popolo, wo Kundgebung stattfand. Auf Plakaten und Transparenten war Kritik an Berlusconis Medienmacht und dem daraus resultierenden Interessenkonflikt mit seinem Amt als Regierungschef zu lesen. "Berlusconi schadet der Gesundheit", stand auf Schildern. Große Luftballons in den Nationalfarben standen am Himmel über der Menschenmenge.
'Größte Demo für Pressefreiheit'
"Das ist die größte Demonstration, die jemals für die Pressefreiheit organisiert wurde", sagte der Chef des Journalistenverbandes im einflussreichen Gewerkschaftsbund CGIL, Fulvio Fammoni. Mit Applaus empfingen die Teilnehmer den Herausgeber der Zeitung La Repubblica, Ezio Mauro, die seit Monaten immer wieder dieselben Fragen an Berlusconi zu einer Affäre des Regierungschefs mit einer Minderjährigen druckt. Berlusconi geht gegen die Zeitung juristisch vor.
"Wir verlangen vom Regierungschef, mit der Kampagne von Vorwürfen gegen die Journalisten aufzuhören und die Wahrheit zu sagen, die Klagen zurückzuziehen, die er gegen die Journalisten eingereicht hat", sagte Verbandssekretär Franco Siddi auf dem Podium vor den Demonstranten, unter denen auch zahlreiche Prominente wie der 'Gomorra'-Autor und Mafia-Kritiker Roberto Saviano waren.
Aufforderung zum Anzeigen-Boykott
Berlusconi klagt gegen italienische und ausländische Zeitungen wegen deren Berichterstattung über seine privaten Skandale. Vor Kurzem rief Berlusconis Unternehmer auf, bei regierungskritischen Zeitungen keine Anzeigen mehr zu schalten. Die Demonstration bezeichnete er im Vorfeld als "absolute Farce". In keinem anderen westlichen Land sei die Freiheit so groß wie in Italien.
Berlusconi kontrolliert de facto das öffentlich-rechtliche italienische Fernsehen. Zu seinem Medienkonzern Mediaset gehören drei Privatsender. Die Organisation Reporter ohne Grenzen Italiens hatte Berlusconi am Freitag zur Achtung der Pressefreiheit aufgefordert und ihm mit der Aufnahme in ihre Liste der "Feinde der Pressefreiheit" gedroht. Es wäre das erste Mal, dass ein europäischer Regierungschef in diese Liste aufgenommen würde.
| © AFP/nina |





