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Griechenland: Militär soll Treibstoff-Versorgung übernehmen

Veröffentlicht: 30 Juli 2010 22:06
Verändert : 30 Juli 2010 22:16

ATHEN - Gähnende Leere in den Obst- und Gemüseregalen der griechischen Supermärkte, Tankstellen ohne Benzin und Diesel:

In einem der beliebtesten Reiseländer der Deutschen vermiest den Touristen derzeit ein Streik der Lastwagenfahrer den Urlaub. Die Einheimischen sind zwar noch auf den Straßen unterwegs, weil sie bereits vor Tagen hamsterartig Sprit kauften.

Die Urlauber hingegen müssen nach Angaben von Tourismusverbänden auf Campingplätzen und in ihren Hotels ausharren, bis irgendwann die Tankstellen wieder beliefert werden. Nach Schätzungen serbischer Medien sind allein in Nordgriechenland etwa 100.000 serbische Touristen gestrandet.

Am Freitagabend beschloss die Regierung in Athen hart durchzugreifen: Das Militär soll ab sofort die Versorgung mit Treibstoff übernehmen. Zuvor hatten die Tank- und Lastwagenbesitzer beschlossen, ihren Ausstand fortzusetzen. "Das ist das Ende. Wir gehen unter. Die Touristen lassen die Mietwagen hier und da, weil es kein Benzin gibt", sagte der Präsident der Autovermietungsunternehmen von Kreta, Grigoris Bamiedakis, im Radio nach der Entscheidung.

Stimmung aufgeheizt

Die Stimmung ist seit Tagen aufgeheizt. Am Freitagabend kam es zu Tumulten in der Stadt Thessaloniki zwischen Lastwagen-Besitzern und der Polizei. Die Demonstranten blockierten die Einfahrt zu einer Raffinerie. Zwei Personen wurden verletzt, berichtete der Rundfunk.

Leidtragende der Auseinandersetzung sind die Urlauber. "Es ist, als ob Euer Land finanziellen Selbstmord begehen will", schimpfte ein österreichischer Urlauber. Der Tourismus ist der wichtigste Wirtschaftszweig Griechenlands. Das Land braucht die Touristen mehr denn je, schließlich steht es mit etwa 300 Milliarden Euro in der Kreide. Die Schuldenkrise hinterlässt bereits Spuren. "Mindestens zehn Prozent weniger Einnahmen", heißt es bei Hoteliers in Athen. Der Fahrerausstand könnte alles noch schlimmer machen.

Kein Sprit - kein Urlaub

"Die Leute haben einfach die Mietwagen stehengelassen und uns die Schlüssel auf dem Tisch geworfen", berichtete Dimitris Siamis, Hotelangestellter auf Rhodos. Auf der Insel gibt es seit Dienstag kein Benzin mehr. Besonders gebeutelt sind Familien, die mit Wohnmobilen das Land erkunden wollen. Kein Sprit - keine Rundreise: Viele Wohnmobilfahrer suchten kurzentschlossen Campingplätze auf und sitzen dort nun fest.

"Ich weiß nicht, wie ich den Leuten helfen soll. Ich habe selbst keinen Sprit mehr", berichtete ein Campingplatzbesitzer nahe der Hafenstadt Volos. "Wir werden bald kein Frühstück mehr machen können", räumte ein Hotelier auf der abgelegenen Insel Nisyros im Radio ein. Eine junge Deutsche, die im Westen Athens lebt, schimpfte: "Es ist wie im Krieg."

© dpa/C.Fehrholz

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