Polen: Kritik an Gedenktafel für deutsche Weltkriegstote
| Veröffentlicht: | 4 Februar 2010 08:32 |
| Verändert : | 4 Februar 2010 08:33 |
WARSCHAU - Eine Gedenktafel an die Opfer der im Zweiten Weltkrieg in der Ostsee versenkten "Wilhelm Gustloff" sorgt in Polen für Aufregung.
Abgeordnete der konservative Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS) von Präsident Lech Kaczynski forderten die Entfernung der Tafel von einer Kirche in Gdingen (Gdynia) im Norden des Landes, wie am Mittwoch bekannt wurde.
Die Tafel war erst am Samstag auf Initiative des Verbandes der Deutschen in Gdingen während einer ökumenischen Feier enthüllt worden. Am 30. Januar hatte sich die größte deutsche Schifffahrtskatastrophe zum 65. Mal gejährt.
Die Tafel erinnert auch an die ebenfalls 1945 in der Ostsee versenkten deutschen Schiffe "General von Steuben" und "Goya". Die "Gustloff" war mit mehreren tausend Flüchtlingen und rund tausend Wehrmachtssoldaten und Offizieren an Bord von einem sowjetischen U-Boot torpediert worden. Nur rund 800 Menschen überlebten.
'Tafel zeugt von Mangel an Sensibilität'
Die "Steuben" wurde am 10. Februar versenkt. Sie ging mit rund 2000 Soldaten und 350 Ärzten und Krankenschwestern sowie etwa tausend Zivilisten unter. An Bord der "Goya" kamen Mitte April 1945 rund 7000 Menschen ums Leben, die vor der Roten Armee auf der Flucht waren.
Der PiS-Abgeordnete Andrzej Jaworski kritisierte in einem Schreiben vom Dienstag, dass es von einem "Mangel an Sensibilität" zeuge, die deutschen Opfer des Zweiten Weltkriegs zu ehren. Das verwische "den Unterschied zwischen Henker und Opfer", hieß es in dem Brief, der die Entfernung der Tafel fordert.
Der Vorsitzende des Verbandes der Opfer des Dritten Reichs, Jozef Sowa, bezeichnete es als "schmerzlich", eine solche Gedenktafel sehen zu müssen. "Soldaten, die Blut an ihren Händen haben, und Deutsche, die Polen aus ihren Häusern jagten, kann man nicht glorifizieren", erklärte Sowa im polnischen Fernsehen.
| © AFP/jj |
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