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- Redezeit: Nachrichten auf einen Blick.

Einsames Deutschland

Veröffentlicht: 10 September 2009 06:48
Verändert : 10 September 2009 06:55

Bettina Vestring - Die Freunde haben sich rar gemacht. Nach dem katastrophalen Luftangriff, den Soldaten der Bundeswehr in Afghanistan befahlen, steht Deutschland einsam da.

Aus den USA, Großbritannien, Spanien, ja sogar Frankreich hagelt es Kritik.

Zunächst liegt das daran, dass der Afghanistan-Einsatz überall in der westlichen Welt immer unbeliebter wird. Ein Luftangriff, dessen militärischer Sinn schwer einzusehen ist und der womöglich Dutzende von Zivilisten das Leben gekostet hat, hilft keiner Regierung dabei, daheim für diese Mission zu werben.

Doch wenn noch nicht einmal die engsten Partnerländer abwarten, was die Untersuchungen der Bombardierung ergeben, bevor sie die deutschen Soldaten öffentlich attackieren, hat das einen weiteren Grund: Es ist eine Quittung für die Schwächen der Außen- und Sicherheitspolitik, die Angela Merkel, Frank-Walter Steinmeier und Franz Josef Jung verantworten.

Deutsche Besserwisserei

Weder zur französischen noch zur britischen Regierung haben Merkel und Steinmeier enge Beziehungen aufgebaut. Auch mit US-Präsident Obama sind sie bisher nicht warm geworden. Mit der Nato möchte ohnehin kein deutscher Politiker etwas zu tun haben; dafür ist bei den Wählern alles Militärische viel zu schlecht angesehen. So hat Berlin bisher noch keinerlei Beitrag zum neuen strategischen Konzept der Allianz geleistet. Auch damit hat sich die Bundesregierung isoliert.

Ganz besonders ärgern sich die Verbündeten über die Besserwisserei der Deutschen in Afghanistan. Sie haben ihren Einsatz auf den relativ friedlichen Norden des Landes beschränkt. Den anderen Nato-Ländern, die in ungleich gefährlichere Kämpfe mit der Taliban im Süden verstrickt sind, halten deutsche Regierungsvertreter trotzdem gerne Vorträge.

Allen voran der Verteidigungsminister, der in diesen Tagen eine so schlechte Figur macht. Bei jeder Gelegenheit schwadronierte Jung über das Konzept der "vernetzten Sicherheit“, angeblich eine deutsche Erfindung.

Amerikanische Revanche

Doch was dahinter steckt - dass der Westen in Afghanistan nicht nur für militärische Sicherheit sorgen, sondern auch beim Wiederaufbau helfen soll - ist banal. Und die Bundesregierung selbst kann in diesem Bereich keine großen Erfolge vorweisen. Der Aufbau der afghanischen Polizei, für den sie zunächst die Verantwortung übernommen hatte, scheiterte so kläglich, dass er inzwischen in EU-Hand liegt.

Die US-Militärs zahlen den Deutschen ihren Ärger jetzt mit ziemlich unfeinen Mitteln heim. Afghanistan-Oberbefehlshaber McChrystal hielt der Bundeswehr sofort öffentlich vor, welche Fehler ihre Offiziere gemacht hätten. Mehr noch: Er erlaubte es sogar amerikanischen Reportern, sein Untersuchungsteam an den Ort der Bombardierung zu begleiten.

Berlin im Dilemma

In Washington wird unterdessen über die restriktiven deutschen Einsatzvorschriften debattiert. Sie hätten es überhaupt erst erforderlich gemacht, nach der Entführung der Tanklastwagen Luftverstärkung herbeizurufen. Andere (mutigere) Nationen hätten Bodentruppen in die Verfolgung geschickt, wodurch zivile Opfer hätten vermieden werden können.

Natürlich wird so etwas nicht ohne Hintergedanken gesagt. Die USA bereiten damit vor, dass sie nach der Bundestagswahl auf eine Aufstockung des deutschen Afghanistan-Kontingents dringen wollen. Dann soll die Bundeswehr auch an Kampfeinsätzen im Süden teilnehmen.

Ein Nein wird für Berlin außenpolitisch schwierig, ein Ja innenpolitisch unmöglich. Mit Afghanistan wird die nächste Bundesregierung ein schweres Erbe anzutreten haben.

© dnews.de/Bettina Vestring
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