Neda gibt Widerstand im Iran ein Gesicht
| Veröffentlicht: | 22 Juni 2009 16:43 |
| Verändert : | 23 Juni 2009 14:06 |
HAMBURG - Mit dem weltweit verbreiteten Todesvideo der jungen Iranerin Neda Soltan hat der Protest im Iran ein Gesicht bekommen.
Es sind verwackelte Kamera-Aufnahmen, auf denen eine sterbende junge Frau - Neda Soltan - zu sehen ist.
Das Video wurde bereits am Samstag in Teheran aufgenommen und verbreitet sich nun rasant im Netz: Neda ist zum Sinnbild für die Brutalität des iranischen Regimes geworden.
Nach Einschätzung von Experten sind es solche Bilder, die sich bei den Menschen tief einprägen. Die iranische Regierung versucht deshalb vehement und auch mit modernster europäischer Technik, Kommunikation zu stören. Doch die Protestierer haben das Informations-Schlupfloch Internet, in dem sie immer mehr Unterstützung erhalten.
Video ist 35 Sekunden lang
Der Film - aufgenommen mit einer Handykamera - tauchte erstmals am Samstag über die sozialen Netzwerke Facebook und Twitter im Internet auf. Sofort wurde er massiv im Netz weiterverbreitet. Das extrem gewalttätige Video schaffte es auch auf YouTube.
Der Film wurde laut tagesspiegel.de von einem Freund des reanimierenden Artzes vor Ort aufgenommen. Ein in den Niederlanden lebender Asylsuchender verbreitete die schockierenden Bilder über die Internetportale Facebook, Youtube und Twitter über die ganze Welt. Die Echtheit der Aufnahmen bleibt fraglich und wird in diversen Blogs, Foren und Medien diskutiert.
Film aus dem Iran in die Niederlande geschickt
Der in den Niederlanden lebende Iraner Hammed, der seinen vollen Namen aus Sicherheitsgründen nicht nennen will, gibt an, die Aufnahmen habe ihm ein Freund aus dem Iran auf sein Handy geschickt.
"Als ich die Bilder zum ersten Mal sah war ich geschockt und mußte weinen". Mit der Veröffentlichung habe er Aufmerksamkeit für die Situation in seinem Heimatland gewinnen wollen.
Öffentliche Trauerfeier auf Twitter
Im Kurzmitteilungsdienst Twitter tauschen sich Menschen, die eigenen Angaben nach im Iran leben, über Treffen für eine öffentliche Trauerfeier von Neda aus. Gegenüber der BBC sagte Neda Soltans Verlobter, dass die junge Frau bereits in aller Stille beerdigt wurde. Eine Trauerfeier habe die iranische Regierung aus Angst vor Protesten untersagt.
Im sozialen Netzwerk Facebook hat Neda am Montag eine eigene Seite - und als Profilfoto die Zeichnung eines blutüberströmten Gesicht auf grünem Grund. "Sie ist heute nicht mehr unter uns - wir werden sie rächen", notiert dort die Gruppe "Neda Freedom Movement".
Bilder des Widerstandes
Die iranische Regierung hat trotz ausgereifter Kontrolltechnik kaum eine Chance, Bilder des Widerstandes zu verhindern. Das Wall Street Journal berichtete am Montag, der deutsch-finnische Netzwerkausstatter Nokia Siemens Networks habe das Land mit entsprechender Technologie versorgt.
Doch auch wenn die Berichterstattung unabhängiger Medien und Kommunikation im Land stark behindert ist, Internet und Handys lassen das staatliche Informationsmonopol bröckeln.
Alle Nachrichten und Hintergründe zur Situation im Iran im Dnews-Special.
| © Dnews.de/bas/Wieland van Dijk |
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