Ahmadinedschad droht dem Westen
| Veröffentlicht: | 26 Juni 2009 15:50 |
| Verändert : | 27 Juni 2009 19:02 |
TEHERAN/KORFU - Nach internationalen Appellen zur Achtung der fundamentalen Menschenrechte im Iran hat die Führung in Teheran den Westen scharf attackiert.
"Diesmal wird die iranische Nation entschieden und klar antworten, so dass ihr (der Westen) beschämt seid und bereut", drohte der umstrittene iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad am Samstag.
"Ohne jeden Zweifel wird die neue iranische Regierung dem Westen entschiedener und machtvoller begegnen", fügte er laut staatlicher Nachrichtenagentur IRNA hinzu.
'Einmischung in innere Angelegenheiten'
US-Präsident Barack Obama und Bundeskanzlerin Angela Merkel hatten am Freitagabend nach einem Treffen in Washington die demokratischen Rechte der Iraner und die Notwendigkeit zur Beendigung der iranischen Nuklearpläne betont.
Auch die Sorgen der führenden Industriestaaten und Russlands (G8) wies Teheran in scharfem Ton zurück. Die G8-Stellungnahme stelle eine Einmischung in innere Angelegenheiten dar, zitierte ISNA am Samstag Außenamtssprecher Hassan Ghaschghawi.
Die Präsidentschaftswahl am 12. Juni habe in einer "vollkommen legalen, freien und konkurrenzbetonten Atmosphäre" stattgefunden. Die G8-Außenminister, so Ghaschghawi, hätten sich lieber mit den wirklichen Problemen in der Welt befassen sollen.
'Kompromissbereitschaft geringer als je zuvor'
Beobachter in Teheran gingen davon aus, dass Ahmadinedschad mit seiner Warnung an den Westen deutlich machen wollte, dass die Kompromissbereitschaft Teherans bei Streitthemen wie dem iranischen Atomprogramm oder der Nahostpolitik geringer sein werde als je zuvor.
Neues Kabinett
Das Parlament soll im kommenden Monat Ahmadinedschads neues Kabinett billigen. Nach Informationen der Zeitung Etemad Melli werden mindestens vier Minister der jetzigen Regierung, darunter der Ressortchef für Verteidigung, höchstwahrscheinlich nicht mehr dem neuen Kabinett angehören.
Asselborn: 'Iran nicht isolieren'
Der luxemburgische Außenminister Jean Asselborn warnte die EU vor einer Politik der kompletten Isolierung des Irans. "Ich kenne kein Beispiel dafür, dass die vollständige Isolierung eines Landes zum Erfolg geführt hat", sagte Asselborn am Samstag in Korfu.
Die EU-Außenminister wollen an diesem Sonntag auf der griechischen Insel über ihre Haltung gegenüber den Machthabern in Teheran beraten. Der britische Außenminister David Miliband sprach sich gegen neue Sanktionen aus. "Wir sollten der Behauptung, dass die im Iran stattfindende Debatte in Wirklichkeit eine Debatte zwischen dem Iran und dem Westen sei, keinen Raum geben", sagte er.
Gewalt der Paramilitärs
Nach Augenzeugenberichten terrorisieren Basidsch-Milizen mit nächtlichen Razzien Einwohner von Teheran und anderen Städten, die Slogans wie "Gott ist groß" von den Dächern rufen. Wie die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch auf ihrer Webseite berichtete, dringen die regimetreuen Paramilitärs in die Häuser ein, schlagen die Bewohner zusammen und feuern Schüsse in die Luft ab.
Satellitenschüsseln würden konfisziert, damit die Besitzer keine Auslandssender mehr empfangen können. Die Milizen sprühten auch farbige Markierungen auf Häuserwände. Später kehrten sie zurück, um die Türen einzutreten und die Bewohner zusammenzuschlagen.
Weitere Proteste in Deutschland
Mehr als 1.000 Menschen demonstrierten am Samstag in Frankfurt "gegen den Staatsterror im Iran", in Hamburg protestierten rund 300 Menschen vor dem iranischen Generalkonsulat gegen das "barbarische Vorgehen" der iranischen Führung.
Alle Nachrichten und Hintergründe zur Situation im Iran im Dnews-Special.
| © dpa/stan/nina |
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