BND: Iran-Atombombe in sechs Monaten
| Veröffentlicht: | 15 Juli 2009 09:34 |
| Verändert : | 15 Juli 2009 14:18 |
HAMBURG - 'Wenn sie wollen, können sie in einem halben Jahr die Uranbombe zünden.' IAEA zeigt sich jedoch skeptisch.
So zitiert das Nachrichtenmagazin Stern einen Experte des Bundesnachrichtendienstes, dessen Namen allerdings nicht genannt wird. Der BND geht laut Bericht davon aus, dass der Iran innerhalb von sechs Monaten eine Atombombe fertigbauen und ähnlich wie Nordkorea unterirdisch testen kann.
Die IAEA wollte sich zu dem Bericht nicht äußern. Die UN- Behörde hatte es stets vermieden, sich zu Spekulationen zu äußern, wie schnell der Iran eine Bombe haben könnte.
1,4 Tonnen Uran
Laut Stern beherrschen die Iraner nach Erkenntnissen des deutschen Auslandsgeheimdienstes mittlerweile die komplette Anreicherungstechnologie. Zudem hätten sie genügend Zentrifugen, um waffenfähiges Uran herzustellen. "Das hat denen vor ein paar Jahren niemand zugetraut", sagte ein BND-Experte dem Magazin.
Der Iran hat nach Angaben der Wiener Atomenergiebehörde IAEA mehr als 7.000 Zentrifugen in der Nuklearanlage in Natans installiert, von denen bis Anfang Juni 4.920 in Betrieb waren. Mittlerweile seien fast 1,4 Tonnen Uran angereichert worden - nach Angaben des Magazins genug für ein bis zwei Bomben.
Skepsis bei der IAEA
Diplomaten mit Kontakten zur Internationalen Atomenergiebehörde IAEA in Wien sind skeptisch, dass der Iran wirklich in einem halben Jahr im Besitz einer Atombombe sein könnte. "Das würde mich überraschen", sagte ein europäischer Diplomat.
Aus den vergangenen IAEA-Berichten geht hervor, dass das gesamte niedrig angereichte Uran unter Kontrolle der Behörde steht. Die Atominspektoren überwachen die Urananreicherung zu zivilen Zwecken in der Anlage in Natans unter anderem per Kamera.
'Geheime Anlagen wären notwendig'
Für eine Atombombe braucht die Regierung in Teheran jedoch hoch angereichertes Uran. Um das für eine Bombe ausreichende Material in wenigen Monaten herzustellen, müsste das Land nach Einschätzung von Experten noch eine zusätzliche, geheime Uran-Anreicherungsanlage besitzen.
Die zweite Möglichkeit wäre, dass der Iran alle Atominspektoren ausweist und seine Anlage in Natans umrüstet. Dem würden Israel und wohl auch die USA aber nicht tatenlos zusehen.
Auch deutsche 'Tarnfirmen'
Der Iran arbeite zurzeit "massiv" an Raketen, die Atombomben zu Zielen auch in Europa transportieren könnten, zitiert der Stern einen BND-Regierungsdirektor. Es gebe zudem keinerlei Zweifel, dass Irans Raketenprogramm ausschließlich auf den Bau atomarer Sprengköpfe abziele.
Dafür geeignete ballistische Raketen werde Teheran laut BND wohl erst in etwa drei Jahren herstellen können. Der Iran versuche, die Komponenten für solche Raketen durch ein riesiges Netzwerk von Tarnfirmen zu beschaffen, an dem auch mehrere deutsche Firmen beteiligt seien.
Wirtschaftshilfe vs. UN-Sanktionen
Die internationale Gemeinschaft verdächtigt den Iran zwar schon länger, unter dem Deckmantel der zivilen Nutzung der Atomenergie heimlich am Bau der Atombombe zu arbeiten. Die Führung in Teheran hat dies stets bestritten.
Die internationale Gemeinschaft hat einerseits UN- Sanktionen gegen den Iran durchgesetzt, anderseits Wirtschaftshilfe als Ausgleich für einen Verzicht auf die Urananreicherung angeboten.
Alle Nachrichten und Hintergründe zur Situation im Iran im Dnews-Special.
| © dpa/ank |
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