Erneut Tausende auf Teherans Straßen
| Veröffentlicht: | 4 August 2009 07:47 |
| Verändert : | 4 August 2009 07:47 |
TEHERAN - Tausende Iranern haben am Montag in Teheran erneut gegen die umstrittene Wiederwahl von Präsident Mahmud Ahmadinedschad protestiert.
Nur wenige Stunden zuvor war die Wiederwahl Ahmadinedschads offiziell bestätigt worden. Die Demonstranten versammelten sich am Rande des Zentrums der Hauptstadt. Sicherheitskräfte versuchten die Protestierenden auseinanderzutreiben.
Die Nachrichtenagentur Fars sprach von nur 100 "illegalen Demonstranten". Unter ihnen sei auch einer der unterlegenen Kandidaten, Mehdi Karrubi. Dieser habe eine kritische Rede gehalten, hieß es weiter.
'Tod dem Diktator'
Nach Angaben oppositioneller Webseiten skandierten Demonstranten "Tod dem Diktator" und "Schäme Dich, Diktator". In einem Hinweis auf das am Samstag eröffnete Gerichtsverfahren gegen Oppositionelle riefen sie demnach auch "Folter funktioniert nicht mehr." Berichte über Festnahmen konnten nicht bestätigt werden.
Zuvor hatte der oberste Führer des Irans, Ajatollah Ali Chamenei, den umstrittenen Wahlsieg Ahmadinedschads vom 12. Juni in einer offiziellen Zeremonie bestätigt.
Wie die Nachrichtenagentur ISNA berichtete, soll Ahmadinedschad an diesem Mittwoch vereidigt werden. Er muss dann laut Verfassung binnen zwei Wochen sein neues Kabinett vorstellen.
EU-Diplomaten zur Vereidigung
Nach Informationen der Financial Times Deutschland will die EU offizielle Vertreter zu der Vereidigung schicken.
Sowohl die schwedische EU-Ratspräsidentschaft als auch einzelne EU-Staaten entsenden nach Informationen der Zeitung hohe Diplomaten zur Amtseinführung des Präsidenten. Der schwedische Botschafter in Teheran wird demnach als Vertreter der EU-Ratspräsidentschaft kommen.
Der Vorsitzende des Expertenrates und Ex-Präsident, Akbar Haschemi Rafsandschani, hatte - zusammen mit prominenten Oppositionellen wie dem anderen unterlegenen Kandidaten Mir Hussein Mussawi sowie Ex- Präsident Mohammed Chatami - die Bestätigungszeremonie boykottiert.
Merkel will nicht gratulieren
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) will auf das übliche Glückwunschschreiben an Ahmadinedschad verzichten.
"Angesichts der Begleitumstände der umstrittenen Wiederwahl kann sich die Bundeskanzlerin nicht vorstellen zu gratulieren", sagte der stellvertretende Regierungssprecher Klaus Vater in Berlin.
Zugleich forderte er die iranische Führung erneut zur Freilassung aller politischen Gefangenen auf.
Massenproteste in Teheran
Die Präsidentschaftswahl war von Fälschungsvorwürfen der unterlegenen Oppositionskandidaten überschattet worden. Diese hatten in den Tagen nach dem 12. Juni zu Massenprotesten in Teheran und anderen Städten geführt.
Bei Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften kamen mindestens 20 Menschen ums Leben, 1.000 wurden festgenommen. Gegen 100 Angeklagte war am Samstag ein Gerichtsverfahren eröffnet worden, das von der Opposition als "Schauprozess" bezeichnet wird.
Oppositionsführer Mir Hussein Mussawi hat der Regierung vorgeworfen, im Vorfeld des Prozesses Geständnisse unter "Folter" erzwungen zu haben.
Ahmadinedschad gibt sich versöhnlich
Ahmadinedschad selbst gab sich am Montag versöhnlich. Er sei der Präsident aller 70 Millionen Iraner, sagte er, und der "Diener aller, die mich gewählt haben oder auch nicht."
Chamenei würdigte Ahmadinedschad als "hart arbeitenden, intelligenten und couragierten Mann". Seine Wiederwahl habe gezeigt, dass das iranische Volk mit Blick auf die islamische Revolution von 1979 den mutigen Kampf gegen die "Arroganz und den Imperialismus sowie Unterdrückung und Diskriminierung" in der Welt wolle, sagte Chamenei.
In der Atomfrage zeigte sich Ahmadinedschad erneut hart. Der Iran werde sich dem Druck von außen nicht beugen und sich nicht von Wachstum und Entwicklung fernhalten lassen.
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| © dpa/dom |
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