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- Wahl-Kolumnen: Nachrichten auf einen Blick.

Kanzlerduell: Internet-Nutzer werden ausgesperrt

Veröffentlicht: 22 August 2009 08:17
Verändert : 22 August 2009 08:17

FIETE STEGERS - Keiner der beteiligten Sender überträgt Merkel vs. Steinmeier live ins Netz.

Es hatte etwas staatstragendes, wie ARD, RTL, Sat 1 und ZDF ihr für den 13. September geplantes Fernsehduell ankündigten. In allen vier Programmen gleichzeitig soll dann die Debatte zwischen den Spitzenkandidaten Merkel und Steinmeier übertragen werden. Bedeutungsschwanger zum einen deswegen, weil diese mehr oder direkte Konfrontation der Kanzleraspiranten in Deutschland erst zum dritten Mal stattfindet.

Zum anderen deshalb, weil sich die vier großen Sender auf ein gemeinsames Vorgehen geeinigt hatten, um möglichst vielen Bürgern die Teilhabe an diesem großartigen Moment der Demokratie zu ermöglichen. Zumindest: möglichst vielen TV-Zuschauern.

Internetnutzer sind den Sendern hingegen anscheinend egal: Anders als in der Vergangenheit wird es keinen Live-Streams des Duells im Netz geben, wie taz und Frankfurter Rundschau berichten.

Auch eine Übertragung im Radio findet diesmal nicht statt - was den Deutschlandfunk ziemlich sauer auf die öffentlich-rechtlichen Kollegen von ARD und ZDF macht. Jetzt wollen die Radio-Leute aus Frust in ihrem Programm die Hinweise auf TV-Sendungen von ARD und ZDF streichen.

Nur die Fernsehquote im Blick?

Völlig unverständlich ist aber, warum die Fernsehsender auf ein Streaming auf ihren eigenen Seiten verzichten. Hoffen sie, auf diese Weise die Zuschauerquote für ihre jeweiligen Sendungen noch ein, zwei Prozentpunkte in die Höhe zu treiben? "Die Vertreter der Sender und Parteien haben sich mehrheitlich dafür entschieden, das TV-Duell ausschließlich als Fernseh-Event zu betrachten“, sagt das ZDF. Die ARD wird deutlicher: "Die anderen drei Sender waren gegen Streaming.“

Immerhin scheint es nicht so zu sein, dass ARD und ZDF auf Streaming-Rechte verzichtet hätten, damit diese exklusiv an zahlende Kunden - sprich, große Websites wie Spiegel.de oder Bild.de - weitervermarktet werden können.

Ein Armutszeugnis für alle Beteiligten

Gewiss, halbwegs kundige Internet-Nutzer, die das Kanzlerduell auf dem PC verfolgen wollen oder müssen, können sich mit der Streaming-Plattform Zattoo behelfen, die ohnehin die Programme von ARD und ZDF live ins Netz überträgt. Das ändert aber nichts daran, dass der Verzicht auf einen offiziellen Live-Stream im Jahr 2009 ein absolutes Armutszeugnis. Zumal der ZDF-Intendant selbst sagt: "Internet und Fernsehen sind längst keine konkurrierenden Medien mehr“

Wenn die beteiligten Sender dem Duell tatsächlich so eine hohe politische Bedeutung zumessen, wie sie an Aufwand dafür betreiben, dann müssten sie ihren Stream als Dienst am Volke kostenlos allen interessierten Websites zugänglich machen.

Von mir aus auch mit einem Senderlogo in jeder Bildschirmecke, damit alle Beteiligten zu ihrem Recht kommen. Damit dass noch geschieht, wäre es vielleicht doch nicht so schlecht, wenn sich jetzt noch Bild.de mit seiner Meinungsmacht zu Wort melden und Übertragungsrechte fürs Netz einfordern würde.

Aber das Best-Of gibt’s sowieso bei YouTube

Andererseits ist natürlich jetzt auch schon klar: Falls es in der Sendung wirklich kracht und es nicht nach der Wahlkampf-Vermeidung der vergangenen Woche auch vor der Kamera zu einer kompletten Konfrontationsvermeidung kommt, dann werden die zwei, drei wirklich sehenswerten Momente noch vor dem nächsten Morgen auf YouTube zu sehen sein. Und dort als mundgerechte Clips mutmaßlich bessere Quoten einheimsen als stundenlange Livestreams bei allen vier Sendern zusammen.

© Dnews.de/Fiete Stegers
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