Rückschlag für Deutschland beim Meteosat-Projekt
| Veröffentlicht: | 5 Februar 2010 22:20 |
| Verändert : | 5 Februar 2010 22:20 |
PARIS/BERLIN - Die deutsche Industrie muss im Kampf um die Federführung bei einem milliardenschweren Weltraumauftrag einen herben Rückschlag einstecken.
Der französische Chef der Europäischen Weltraumbehörde ESA will über den Bau der neuen Generation von Meteosat-Wettersatelliten exklusiv mit Thales Alenia Space verhandeln. Jean-Jacques Dordain habe am Donnerstag eine entsprechende Entscheidung getroffen, hieß es am Freitag aus ESA-Kreisen.
Die EADS-Tochter Astrium, die unter anderem in Friedrichshafen und Ottobrunn bei München sitzt, wäre damit aus dem Rennen. Von der ESA war zunächst keine offizielle Stellungnahme zu erhalten. Ein Sprecher sagte am Abend, die Weltraumorganisation werde sich voraussichtlich am Montag zu neuen Entwicklungen beim Meteosat-Projekt äußern.
TEB-Empfehlung übergangen
Nach Angaben aus Verhandlungskreisen traf ESA-Direktor Dordain die Entscheidung gegen die Empfehlung der zuständigen Bewertungskommission TEB. Diese soll vorgeschlagen haben, den Auftrag für das etwa 1,5 Milliarden Euro teure Projekt zwischen Astrium und Thales Alenia Space aufzuteilen.
Astrium wäre demnach für die Federführung bei dem Projekt und den Bau der Plattform zuständig gewesen - Thales Alenia Space mit Sitz im französischen Cannes gemeinsam mit OHB aus Bremen für den Bau der Instrumente an sich. Den Preisunterschied zwischen den Angeboten bewerteten die Experten als nicht entscheidend für die Vergabe. Das Thales-Alenia-Angebot soll um einen dreistelligen Millionenbetrag günstiger gewesen sein.
Sechs Meteosat-Satelliten bis 2035
Bei den Satelliten geht es um die dritte Generation der Wettersatelliten Meteosat. Von 2015 bis 2035 sollen mindestens sechs MTGs ("Meteosat Third Generation") Wettervorhersagen verbessern, Unwetter früher erkennen und detaillierte Angaben zu Klimaveränderung und Umwelteinflüssen liefern.
Im ersten Schritt sollen die zwei von der ESA bezahlten Satelliten gebaut werden. Deutschland und Frankreich beschlossen 2008, sich mit jeweils 34 Prozent daran zu beteiligen. Seitdem hatte sich die Bundesregierung auch dafür eingesetzt, dass Astrium die Systemführung bekommt. Bei der Europäischen Organisation für die Nutzung meteorologischer Satelliten (EUMETSAT), die vier Meteosat-Satelliten in Auftrag geben wird, ist die Bundesrepublik größter Beitragszahler.
Die EADS-Tochter Astrium war erst kürzlich bei dem Großauftrag für 14 Satelliten für das europäische Navigationssystem Galileo ausgestochen worden. Der Auftrag im Wert von 566 Millionen Euro ging an den Bremer Konzern OHB. Dieser wäre auch bei einer Vergabe der Meteosat-Aufträge an Thales Alenia Space als Juniorpartner beteiligt.
| © dpa/nj |
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