Mars-Mission für abchasische Affen
| Veröffentlicht: | 8 Februar 2010 10:41 |
| Verändert : | 8 Februar 2010 10:41 |
SUCHUMI - Wissenschaftler wollen demnächst Versuchsaffen ins All schicken.
Die Wissenschaftler des Instituts für experimentelle Pathologie und Therapie, Heim für hunderte Versuchsaffen, in der Hauptstadt der abtrünnigen georgischen Region Abchasienin Suchumi, haben große Pläne: einer der Affen soll eines Tages eine Pionierreise zum Mars antreten.
Voller Stolz erinnern sich die Einwohner von Suchumi an die zwei Rhesusäffchen des Instituts, Jeroscha und Drjoma, die 1987 ins All flogen. Das Zentrum, in einem Wald über der Schwarzmeerküste gelegen, ist auch als "Affenkindergarten" bekannt.
Relikt aus besseren Tagen
Wie ein Relikt aus besseren Tagen steht eine Pavianstatue aus der Sowjet-Ära im Hof, umgeben von Unkraut und ausgetrockneten Brunnen. Nun will der Leiter Surab Mikwabija an früheren Ruhm anknüpfen: "Wir planen, in den Weltraum zurückzukehren."
Der Niedergang des Forschungszentrums begann nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion. Ein bewaffneter Konflikt um die Abspaltung von Georgien zog eine Phase wirtschaftlicher Isolation nach sich. Hunderte Affen starben oder verschwanden zwischen 1992 und 1993, als sich abchasische Kämpfer Gefechte mit georgischen Truppen um Suchumi lieferten.
"Viele Affen wurden erschossen. Sie wurden aus ihren Käfigen befreit und rannten in der Stadt herum", erinnert sich die Institutsangestellte Aldona, die auch als Reiseführerin arbeitet. Andere Tiere verhungerten oder verendeten an Krankheiten.
Nur 350 Affen sind heute noch am Leben, vor allem Paviane und Makaken, untergebracht in trostlosen Außenkäfigen. Vor dem Bürgerkrieg lebten allein in Suchumi rund 1.000 Tiere, dazu kamen tausende weitere in Außenstellen des Institutes.
Ein paar Dutzend Affen werden auch noch in den Bergwäldern vermutet - Nachkommen eines Experiments der 70er Jahre, als Forscher einige Tiere auswilderten.
Affenflug zum Roten Planeten
Inzwischen hätten sich die Lebensbedingungen für die Affen wieder etwas verbessert, sagt Mikwabija, der die Leitung des Zentrums im vergangenen Juli übernahm. Die Futtermischung wurde verfeinert, bald sollen die Tiere in Außengehege mit mehr Auslauf verlegt werden. Grund ist ein regelrechter Investitionsboom vor allem aus Russland, das 2008 als eines der wenigen Länder weltweit die Unabhängigkeit Abchasiens anerkannte.
Das Forschungszentrum führt bereits Vorgespräche wegen einer Marsmission mit der russischen Kosmonautenakademie. Zunächst solle ein solcher Flug simuliert werden, sagt Mikwabija, später dann solle tatsächlich ein Affe an Bord gehen. Dauer einer Marsmission nach Schätzung der europäischen Weltraumagentur ESA: 520 Tage.
Sollten die Pläne der Abchasen wahr werden, könnte das Institut bald eine abgeschottete hochmoderne Anlage werden, in der Affen in langer Gefangenschaft für einen Flug zum Roten Planeten trainiert werden. Dabei würden sie von einem Roboter begleitet: "Er wird den Affen füttern und sauber machen", sagt Mikwabija. "Wir werden dem Affen beibringen müssen, mit ihm zu kooperieren."
| © AFP/ch |
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